Doppelte Verabschiedung

Leiter der Polizei Kaufbeuren und sein Stellvertreter gehen gleichzeitig in den Ruhestand

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Guido Limmer (v. re.) verabschiedete Thomas Maier und Reinhard Janko in den Ruhestand. Als Nachfolger von Maier wurde Markus Ziegler in das Amt eingeführt.

Kaufbeuren – Im Rahmen einer in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlichen Veranstaltung fand der Führungswechsel der Kaufbeurer Polizeiinspektion (PI) statt. Polizeioberrat Thomas Maier als bisheriger Leiter wurde ebenso wie sein Stellvertreter Reinhard Janko von Polizeivizepräsident Guido Limmer in den Ruhestand verabschiedet.

Nachfolger von Maier wird der 1. Polizeihauptkommissar Markus Ziegler, der bisher im Polizeipräsidium in Kempten für Organisationsfragen und den Dienstbetrieb zuständig war. Neben Limmer würdigten auch Kaufbeurens OB Stefan Bosse und Landrätin Maria Rita Zinnecker in Grußworten die großen Verdienste der ausscheidenden Beamten. Die musikalische Umrahmung gestaltete das Polizeiorchester Bayern.

„Es sind mehrere Besonderheiten, die diese Veranstaltung kennzeichnen“, sagte der Polizeivizepräsident eingangs seiner Ansprache im Festakt vor rund 60 Ehrengästen im Kaufbeurer Stadtsaal. Dabei bezog er sich sowohl auf die Art der coronabedingten Veranstaltung als auch auf die Tatsache, dass Polizeipräsident Werner Strößner nicht wie geplant kommen konnte, weil er eventuell mit einer Sars-CoV 2 infizierten Person Kontakt hatte. Der Vizepräsident ließ die 42-jährige Dienstzeit Maiers, der seit 2005 als Leiter der Polizeiinspektion (PI) Kaufbeuren tätig war, in einzelnen Stationen Revue passieren.

Maier hatte 1978 bei der Bereitschaftspolizei in Königsbrunn seine Karriere begonnen und leistete im Anschluss bei der damaligen Grenzpolizeistation Niederstaufen und der PI Mindelheim Dienst. 1990 war er nach dem erfolgreichen Studium an der Beamtenfachhochschule in Fürstenfeldbruck als Dienstgruppenleiter bei der PI Mindelheim tätig. Die herausragenden Leistungen führten Maier in ein Personalförderkonzept mit Stationen beim damaligen Polizeipräsidium Schwaben in Augsburg sowie beim bayerischen Innenministerium. „Ihre Arbeit war immer von engmaschiger und vertrauensvoller Zusammenarbeit geprägt und Sie haben dabei immer ein offenes Ohr für Ihre Mitarbeiter gehabt“, so Limmer. „Sie haben stets ungezwungen und spontan mit höchstem Engagement neue Herausforderungen angenommen.“ So konnten etwa die Straftaten im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr um fast 19 Prozent gesenkt und die Aufklärungsquote gleichzeitig um 2,5 Prozent auf knapp 72 Prozent gesteigert werden. „Das gleichzeitige Ausscheiden eines Führungsduos ist eine weitere Besonderheit“, sagte Limmer bezogen auf Reinhard Janko als Maiers Stellvertreter, der 1978 als Direkt­einsteiger im gehobenen Dienst ebenfalls in Königsbrunn begonnen hatte. Über die PI in Buchloe, als Dienstgruppenleiter und einer Tätigkeit bei der Kriminalpolizei in Kaufbeuren wurde er 2008 Stellvertreter von Maier. Limmer würdigte Janko „als stets zuverlässigen Ansprechpartner und empathischen Vorgesetzten“.

Kaufbeurens Oberbürgermeister kennt die beiden zukünftigen Ruheständler aus langen Jahren gemeinsamer Zeit bei der Polizei und bezeichnete sie als „systemrelevante Persönlichkeiten“. Polizeipräsident Strößner, Maier und er selbst hatten im Innenministerium als „Trio Infernale manche Schlacht geschlagen und Siege errungen“, sagte Bosse in launiger Art. Mit Jan­ko verband ihn die gemeinsame Zeit bei der PI in Kaufbeuren. Die Landrätin lobte das Duo ebenfalls und dankte für seine Arbeit, da die PI auch für den mittleren Landkreis Ostallgäu zwischen Osterzell und Obergünzburg zuständig ist. Sie freue sich, dass das neue Polizeigebäude neben dem Grünen Zentrum – ebenfalls für Kaufbeuren und das Ostallgäu – entsteht.

„Schönster Beruf“

Emotional berührt wandte sich der scheidende Leiter an die Gäste. Er lobte seine PI-Kollegen und sagte: „Jeder Chef ist nur so gut wie seine Mitarbeiter“. Er bezeichnete den Polizeiberuf als „einen der schönsten, aber auch anspruchsvollsten, bei dem Freude, Leid und Trauer oft nah beieinanderliegen“. Das Bombenattentat in München 1980 oder die Demos in Gundremmingen nannte er beispielhaft. Nachdenklich mache ihn der von ihm wahrgenommene „Wertewandel und Werteverlust in der Gesellschaft“. Die fehlende Akzeptanz und das Angehen von Beamten im Einsatz gehören dazu. Ein besonderer Dank ging an seinen Stellvertreter für die „Unterstützung und tiefgründigen Gespräche“: „Wir haben uns in zwölf Jahren nicht einmal gestritten!“ Er dankte Staatsanwaltschaft und Justiz, Feuerwehr, THW sowie den Rettungsdiensten für die gute Zusammenarbeit und hatte einen letzten Wunsch: Dass alle Kollegen – und hier schloss er die Hilfsorganisationen ein – stets unversehrt an Leib und Seele aus den Einsätzen zurückkehren. „Es sind gemischte Gefühle“, sagte Thomas Maier auf Nachfrage des Kreisbote. „Auf der einen Seite freut man sich auf den nächsten Lebensabschnitt, auf der anderen Seite gibt es etwas, was mir schwer fehlen wird: Das sind die mannigfaltigen sozialen Kontakte, die ich jeden Tag mit den Kollegen pflegen konnte. Angenehm ist natürlich, dass die Last der Verantwortung für das Personal und die operativen Angelegenheiten wegfällt.“ Sein Stellvertreter Janko sah es so: „Ich freue mich, mir hat die Arbeit Spaß gemacht, weil ich gerne in die Arbeit gegangen bin. Ich freue mich aber auch auf den neuen Abschnitt, auf das, was vor mir liegt. Ich bin auch froh, dass ich jetzt mit Freude zurückblicken kann. Es ist genau der richtige Zeitpunkt.“

Nachfolger Markus Ziegler

Am Ende seiner Laudatio stellte der Vizepräsident als Nachfolger von Maier den 52-jährigen Markus Ziegler vor, der in Schlingen beheimatet ist und ab 1. September sein Amt antritt. Dieser betonte in seiner Ansprache, dass „bürgernahes Handeln einerseits und konsequentes Vorgehen gegen Straftäter andererseits Bestandteile der Polizeiarbeit sind.“ Ziel sei der größtmögliche Erhalt der Sicherheit. „Unsere wichtigste Aufgabe ist, allen ein sicheres Lebensgefühl zu geben“, so Ziegler. Er freue sich, die erfolgreiche Geschichte der Polizeiinspektion Kaufbeuren weiter fortzuschreiben, insbesondere mit Blick auf den zukünftigen Neubau.

von Wolfgang Becker

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