Einzelhandelsentwicklungskonzept im Stadtrat vorgestellt – noch viele Fragen offen

Wem nützt es und wem schadet es?

+
Jetzt sollen die Ergebnisse des Einzelhandelsentwicklungskonzepts in einer Bürger-Infoveranstaltung am 28. Januar 2014 vorgestellt werden. Im Fokus steht dann auch das Forettle und das dort angedachte Einkaufszentrum.

Kaufbeuren – Gespannt hatten Stadträte, Bürger und nicht zuletzt die innerstädtischen Einzelhändler das Einzelhandelsentwicklungskonzept des Büros Dr. Heider erwartet. Ging es doch um die Frage, wie sich Projekte wie die Ansiedlung des Möbelmarktes Roller am Bavariaring oder ein Fachmarktzentrum am Forettle auf den Bestand auswirken. Doch die erhoffte Klarheit mochte sich nicht bei jedem Zuhörer einstellen.

Es sind im Grunde drei dicke Bretter, an denen die Stadt Kaufbeuren bei der Einzelhandelsentwicklung gerade kräftig bohrt. Dabei geht es um die Ansiedlung des Möbelmarktes „Roller“ am Bavariaring und um die beiden anvisierten Einkaufszentren im „Forettle“ sowie in der Mindelheimer Straße („Scheibel-Vorhaben“). Alle drei Projekte stehen jedoch in der Diskussion. Dabei geht es vor allem darum, ob sie den zentralen Versorgungsbereichen Innenstadt Kaufbeuren und Stadtteilzentrum Neugablonz mit ihren bestehenden Einzelhandelsansiedlungen schaden oder nützen. 

Ein Einzelhandelsentwicklungskonzept, erstellt durch Dr. Manfred Heider vom Büro für Standort-, Markt-, und Regionalanalyse, sollte in der Stadtratssitzung am Dienstag nun etwas Licht ins Dunkel bringen. Wie Dr. Heider betonte, sei Kaufbeuren trotz vieler Wettbewerber-Städte im näheren und weiteren Umland „als relativ starkes und bedeutendes Einzelhandelszentrum einzustufen“ und habe seine Marktbe- deutung gegenüber der Vorgängeruntersuchung aus 2005, unter konsequenter Nutzung bestehender Potenziale, sogar leicht steigern können. Insgesamt betrachtet, verfüge Kaufbeuren heute über einen vergleichsweise modernen, insgesamt sehr umfangreichen und recht differenzierten Einzelhandelsbesatz, so Heider. Darauf dürfe man sich aber nicht ausruhen. Anhaltende Veränderungsprozesse im Einzelhandel, ein bereits gut ausgebauter dezentraler Einzelhandel im Stadtgebiet, ein bestehendes Investoreninteresse sowohl innenstadtnah (Forettle, Mindelheimer Straße), als auch an dezentralen Randlagen (Bavariaring) sowie nur noch begrenzt vorhandene Ausbauoptionen erfordern laut Heider „auch weiterhin ein gezieltes und abgestimmtes Vorgehen zur Stärkung und Sicherung der Innen- stadt als lokal wie überregional bedeutsames Hauptzentrum“. Dasselbe träfe auf das Stadtteilzentrum Neugablonz und die wohnortnahe Versorgung im Stadtgebiet zu. 

Mit Blick auf das „Forettle“ und das sogenannte „Scheibel-Vorhaben“ erklärte der Experte, dass eine „bedarfsgerechte und standortangepasste Entwicklung am Forettle am ehesten zu einer Weiterentwicklung der Innenstadt geeignet wäre“. Wichtig sei dabei aber ein entsprechendes Sortimentsangebot, eine gewisse Größe der Verkaufsflächen und eine gute Anbindung an die Altstadt. Gelinge dies, sei ein solches Vorhaben mit dem zentralen Ver- sorgungsbereich Innenstadt „vereinbar“. Mit Blick auf das „Scheibel-Vorhaben“ an der Mindelheimer Straße erklärte Dr. Heider, dass dieses – bedingt durch die Lage und das Umfeld mit „Modepark Röther“ und „Buron-Center“ – dort auch alleine funktionieren könne. Dieses Areal benötige aus seiner Sicht daher „mit Abstand am wenigsten eine Stärkung“. Durch die Entfernung zur Innenstadt erfahre diese zudem durch das Scheibel-Vorhaben wohl keinen Mehrwert, so Heider. Er gab dem Gremium zu bedenken, dass „zweimal Alles (Sortimente) zu vergeben“, wohl nicht gehe. 

Stadträte sind sich nicht einig 

In der anschließenden Diskussion fragte SPD-Fraktionssprecherin Catrin Riedl nach Heiders „Sinneswandel“ und was diesen ausgelöst habe. Denn noch vor wenigen Wochen habe er verkündet, dass ein Einkaufszentrum im Forettle „wenig bringe“. Aus Heiders Sicht hätten sich jedoch inzwischen die Parameter geändert. Damals sei man noch von 9000 Quadratmetern Verkaufsfläche ausgegangen, jetzt seien es nur noch 7200 – dies sei verträglich für die Innenstadt. Er machte erneut deutlich, dass es „vor allem auf das Sortiment ankommt“. „Wenn dieses stimmt, dann kann es einen Effekt für die Stadt geben, zumindest bietet der Standort dann diese Möglichkeit“. Riedl monierte weiter hinsichtlich der Ansiedlung des Möbelhauses Roller die 800 Quadratmeter Verkaufsfläche für die sogenannten „Randsortimente“, die in Konkurrenz zum bestehenden Einzelhandel stünden. Ohne diese Fläche käme aber ein Möbelhaus nicht aus, erklärte Heider und fügte hinzu: „Wenn ein Möbelhaus, dann nur mit dem Randsortiment, aber mit Auflagen“. Eine Empfehlung, wie sie Riedl gerne bekommen hätte, konnte und wollte Heider jedoch nicht geben. 

Bernhard Pohl (FW) begrüßte die Ansiedlung des Möbelhauses, die Planungen im Forettle jedoch nicht. „Roller ist ein echter Gewinn mit Ausstrahlung, das Vorhaben Forettle nicht“. Pohl nahm zudem Heider aus der Schusslinie und erklärte, dass nicht der Experte „sondern wir die politische Entscheidung treffen müssen“. Heider könne nur die Rahmenbedingungen nennen. Mit Blick auf die Ansiedlung des Möbelhauses gab er zu bedenken, dass die Stadt seit 17 Jahren versucht, dieses Sortiment wieder in die Stadt zu holen. „Jetzt haben wir endlich jemanden und müssen die Kröte mit dem Randsortiment schlucken“, so Pohl.

Auch Ernst Holy (KI) forderte das Gremium auf, diese Lösung (Möbel Roller) nicht schlecht zu reden. Bezüglich des Forettles gab er zu bedenken, dass nicht jedes Jahr ein Investor mit 25 Millionen Euro an die Pforten Kaufbeurens klopfe. Daher solle man dem Vorhaben eine Chance geben. 

Auch Gerhard Bucher (CSU) appellierte, nicht wieder alles zu zerreden. Dabei stellte er die Frage, was man denn bekomme, wenn das Projekt im Forettle scheitere. Die Nachbar-Kommunen würden jedenfalls schon in den Startlöchern stehen, so der CSU-Stadtrat. 

Auch Dr. Thomas Jahn (CSU) erklärte, dass Kaufbeuren dringend Investoren brauche: „Wir sollten eine Politik der offenen Tür pflegen und hier ein investitionsfreundliches Klima schaffen.“ 

Helga Ilgenfritz (SPD) brachte einen Bürgerentscheid für das Forettle ins Spiel. Der Bürger solle selbst entscheiden können und die Möglichkeit haben, auch Dinge abzulehnen. Das Forettle mit solch einem „Klotz zu verschandeln“, hält sie für fatal. 

Diesbezüglich zeigte sich OB Bosse überrascht, wie die örtliche Situation am Forettle immer wieder „verklärt“ werde. Aus städtebaulicher Sicht sei das Areal undurchsichtig, Teilbereiche seien zum Schutz der Bevölkerung gesperrt, eine Gefahr der „Verschandelung“ sehe er mit Blick auf den aktuellen Stand bei weitem nicht, so Bosse. 

Angelika Zajicek (FDP) teile indes die Sorge um die so genannten Randsortimente. Aus ihrer Sicht bleibe es ja nicht nur bei den 800 Quadratmetern bei Möbel Roller, sondern es kämen mit dem Vorhaben „Forettle“ und „Scheibel“ noch mehr hinzu. Schnell sei man dann bei 2400 Quadratmetern und dies sei dann schon bedenklich für den vorhandenen Einzelhandel. 

Katharina Wiedemann (FW) mahnte noch an, dass man mit Scheibel einen Investor aus Kaufbeuren habe, der aus ihrer Sicht genauso fair behandelt werden sollte, wie der am „Forettle“ oder „Möbel Roller“. 

Bürger-Info

Abschließend kündigte OB Bosse an, am 28. Januar 2014 einen Bürgerinformationsabend zum Einzelhandelsentwicklungskonzept durchführen zu wollen. Hier soll Dr. Heider seine Ergebnisse noch einmal vorstellen. Laut dem Oberbürgermeister werde dann auch das Vorhaben „Forettle“ in eine näher Betrachtung mit eingebunden. Der Ort und auch die Uhrzeit für die Veranstaltung sollen noch bekannt gegeben werden. von Kai Lorenz

Auch interessant

Meistgelesen

Neuer Lebensabschnitt wartet
Neuer Lebensabschnitt wartet
Kurs steht wohl auf Neubau
Kurs steht wohl auf Neubau
Zehntklässler der Mittelschule Germaringen verabschiedet
Zehntklässler der Mittelschule Germaringen verabschiedet
"Von Bürgern für Bürger"
"Von Bürgern für Bürger"

Kommentare