Mitglieder wählen komplett neuen Vorstand für Tierschutzverein – der verspricht Transparenz

Das Drama um das Tierheim Beckstetten ist zu Ende

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Der neue Vorstand des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung: Ann-Kristin Josten (v. li.), Xaveria Stuber, Andrea Müller-Hölzel, Armin Holderried, Ute Kittel, Lisa Hölzel (2. Vorsitzende), Frank Dämgen (1. Vorsitzender), Eva Appelt, Tina Kaulartz, Gertrud Auster und Dieter Brückel.

Beckstetten/Bad Grönenbach – Der Tierschutzverein Kaufbeuren und Umgebung hat einen komplett neuen Vorstand. Damit endet die Ära Mitscherling, der seit 2013 die Geschicke des Tierheim in Beckstetten geleitet hat und zuletzt nicht nur bei Tierschützern sondern auch bei Kommunen in die Kritik geraten war. Zum neuen 1. Vorsitzenden wählten die Mitglieder auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im weit entfernten Bad Grönenbach den selbständigen IT-Spezialisten Frank Dämgen.

Stefan Mitscherling hatte bereits in einer nichtöffentlichen Mitgliederversammlung im April in Buchloe den Rücktritt des nur noch aus drei Personen bestehenden Rumpfvorstandes angekündigt. Sein Rücktritt sei unwiderruflich, zumal er mit polizeilichen Anzeigen überhäuft und darüber hinaus mit Straftaten in Form von Sachbeschädigungen an Fahrzeugen konfrontiert worden sei.

Erwartungsgemäß wurde die Sitzung im Allgäu Resort sehr turbulent, da sich viele Mitscherling-Kritiker eingefunden hatten. Der Vorsitzende holte zunächst zu einem Rundumschlag gegen seine Kritiker aus. In einer Art Rechenschaftsbericht ging es weniger um Hunde und Katzen oder Finanzen, sondern um eine Rechtfertigung seiner umstrittenen Vereinspolitik.

In der Wortwahl war Mitscherling alles andere als zimperlich. Man fühle sich von „irgendwelchen Idioten traktiert“, sagte Mitscherling. Kritiker aus dem Verein wurden zu „Vollpfosten“ erhoben, weil sie ihre Meinung auf Facebook gepostet hatten, die Presse wurde für ihre Berichterstattung kritisiert und auch die Aufsichtsbehörde des Landrats­amtes bekam ihr Fett weg. „Das Landratsamt schikaniert uns“. Dem Landratsamtmitarbeiter Ralf Kinkel sprach Stefan Mitscherling jegliche Kompetenz ab. „Er kann das nicht beurteilen.“

Kritik an Wortwahl

Das wurde dann den anwesenden Bürgermeistern der 17 Kommunen zu viel, die mit dem Tierheim Beckstetten eine Vereinbarung haben und eine Fundtierpauschale auf das Konto des Tierschutzvereins überweisen. „Die Wortwahl passt hier nicht rein“, kritisierte Armin Holderried, Bürgermeister der Gemeinde Mauerstetten, im Namen seiner Amtskollegen. Er gab Stefan Mitscherling den Rat, er solle sich überlegen, mit wem er sich anlege.

Vertreten waren neben Armin Holderried aus Mauerstetten auch Manfred Beck, 2. Bürgermeister der Stadt Buchloe, Bürgermeisterin Inge Weiß aus Rieden, Bad Wörishofens Stadt­oberhaupt Paul Gruschka, Alois Porzelius aus Waal und Helmut Holzheu aus Oberostendorf.

„Wir fordern Transparenz“, betonte Holderried. Aus den erst auf mehrfache Anforderung geschickten Unterlagen könne man noch nicht einmal den Kassenstand herauslesen, sagte Holderried, der sich verbat, dass die Kommunenvertreter als Querulanten hingestellt würden. „Wir geben dem Verein Steuergelder. Im Gegenzug verlangen wir Offenheit.“

Als besonders pikant erwies sich Mitscherlings Politik bei der Neuaufnahme von Mitgliedern. Nachdem über ein Jahr lang keine neuen Mitglieder aufgenommen worden waren, hatte Mitscherling „seine Auswahl“ vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung getroffen. Als nicht würdig für eine Mitgliedschaft in Mitscherlings Tierschutzverein wurde Landtags­abgeordneter Bernhard Pohl aussortiert ebenso wie einige andere Kritiker auch. Pikant auch deswegen, weil Pohl als Stadtrat von Kaufbeuren letztlich mit über die Verwendung von Steuergeldern entscheidet, die dem Tierschutzverein zu Gute kommen.

Gegen die Unterstellung, er habe die außerordentliche Mitgliederversammlung nach Bad Grönenbach verlegt, um den Mitgliedern die Teilnahme zu erschweren, wehrte sich Mitscherling: „Was ist denn schon dabei, wenn man einmal nach Bad Grönenbach fahren muss, daraus muss man kein Drama machen“.

Der bis dahin amtierende Vorsitzende des Tierschutzvereins bezeichnete seine Amtszeit als Erfolgsgeschichte. Das sahen die Kommunenvertreter anders. Holderried wies darauf hin, dass das Veterinäramt sogar die Schließung des Tierheimes angeordnet habe. Stefan Mitscherling habe das durch eine Klage bei Gericht noch abwenden können.

Immer wieder gab es wegen der großen Fluktuation Probleme bei dem Nachweis für das notwendige Fachpersonal nach § 11 Tierschutzgesetz (wir berichteten). Die derzeitige Betriebsgenehmigung läuft am 30. November aus.

Aufbruchstimmung

Bei den meisten Mitgliedern war nach der Mitgliederversammlung große Zustimmung zum neugewählten Vorstand zu hören. Von Aufbruchstimmung war die Rede. Auch die geforderte Transparenz versprach der neue Vorsitzende Frank Dämgen nach seiner Wahl. Inge Weiß, Bürgermeisterin von Rieden, sagte nach der Sitzung auf Anfrage unserer Zeitung, sie werde ihrem Gemeinderat vorschlagen, die Kündigung der Mitgliedschaft aufzuheben und die Zahlung der Fundtierpauschale wieder aufnehmen.

Die Mitglieder wählten Frank Dämgen als 1. Vorsitzenden und die Tierpflegerin Lisa Hölzel als 2. Vorsitzende. Auf den Posten der beiden Kassiererinnen wurden Ute Kittel und Andrea Müller-Hölzel gewählt. Eva Appelt und Karin Donath sind die neuen Schriftführerinnen. Als Beiräte bekamen Dieter Brückel, Anna-Kristin Josten, Xaveria Stuber und Eva Auster das Votum der Mitglieder. Lediglich Beirätin Anita Fohler stand nicht zur Wahl. Sie gehört dem Beirat bis 2019 an. Als Kassenprüfer stellten sich Bürgermeister Armin Holderried und Tina Kaulartz zur Verfügung. Wahlleiter war MdL Bernhard Pohl.

von Siegfried Spörer

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