Ruhe bitte! Wir drehen!

Neuer Spielfilm von Nelson Berger und Wolfgang Hawel

Clara Nowak und Isabelle Reißberg
+
Kostümprobe am Set: Pianistin Pia Fo (Clara Nowak, li.), hier als Frida Kahlo aus einem Gemälde gestiegen, und Melody (Isabelle Reißberg, rechts) sind nicht wirklich ein Herz und eine Seele. Die jeden Drehtag getesteten Schauspieler dürfen mit einer Ausnahmegenehmigung vor der Kamera ohne Maske agieren.

Kaufbeuren/Märzisried – Nach dem 2019 unter anderem hier und im Stadttheater produzierten Spielfilm „Brüder“ sind verschiedene Orte in Märzisried nun ein weiteres Mal Schauplatz für Filmaufnahmen: Dank der guten Vernetzung von Co-Produzent Wolfgang Hawel haben Freunde der Familie ihre Immobilien als Drehorte „für ein paar Kästen Bier“ zur Verfügung gestellt: Am vergangenen Wochenende wurde für den 90-minütigen Spielfilm „Melody“ das Hotel Grüner Baum in eine Reha-Klinik umfunktioniert und in der Oldtimer-Halle von Kältetechnik Heinrich Riefler ein Wohnzimmer-Filmset aufgebaut.

Mit dabei sind wieder der österreichische Schauspieler und Sänger Sebastian A. M. Brummer, der Regie führt und das Drehbuch verfasst hat, die Schauspielerin Isabelle Reißberg für die Titelrolle der Melody sowie Robert Gregor Kühn. Weitere namhafte Schauspielerinnen und Schauspieler sind dazugekommen: Clara Nowak, David Burnell und Roberto Martinez Martinez. Für Kulissenbau und Ausstattung ist Bianca Sterr zuständig, Masken- und Kostümbildnerin ist Linlin Deng und die selbst den Regisseur begeisternde Filmmusik hat Ela Cansu Bekgöz geschrieben. Sie alle arbeiten ebenso wie die übrigen Helfer honorarfrei „aus Spaß an der Freud“ und weil sie „das Drehbuch mögen“. Lediglich Unterkunft und Verpflegung sowie Fahrtkosten werden erstattet und den Hauptakteuren wurde eine eventuelle Gewinnbeteiligung in Aussicht gestellt. „Es ist natürlich auch diesmal alles ziemlich knapp kalkuliert“, räumt Nelson Berger ein, der junge Produzent, Co-Regisseur, Kameramann und Beleuchter aus Erding. Die Finanzierung von „Melody“ stamme zum Teil aus Auftragsarbeiten seiner Filmfirma. Den einen oder anderen Sponsor habe man außerdem gewinnen können.

Schon als Jugendlicher hatte Berger Filmtage in seinem Heimatort organisiert, noch vor seiner Ausbildung an der Münchner Schule für Design. Für den 2014 entstandenen, mehrfach ausgezeichneten tschechischen Film „Vom Smolicek“, wo Wolfgang Hawel als Märchenkönig vor der Kamera stand, produzierte Berger ein „Making-of“. Außerdem stammen von ihm die dreiteilige Videoeinblendung „Der Impresario“, die 2017 bei der Verleihung des Kaufbeurer Kulturpreises an den Kulturring gezeigt wurde, und die DVD über die Heiligentafeln in der Blasiuskirche.

Ein kleiner Zirkus

Bergers Partner, der Diplom-Sozialpädagoge und ehemalige Kaufbeurer Stadtrat Wolfgang Hawel, der bis zu seiner kürzlichen Pensionierung als Suchtberater am Landratsamt Ostallgäu arbeitete, hat sich schon seit seiner Studienzeit für die Technik des Filmemachens interessiert und Seminare über „Audiovisuelle Dokumentation“ besucht. Eigentlich wollte er Kameramann werden. Inzwischen hat er seine Liebe zum Film mit der Anschaffung einer professionellen Licht- und Tonausrüstung zu einem zweiten Beruf ausgebaut und dafür auch rund ein Dutzend Kurse über alle möglichen Aspekte der Filmproduktion bei der Bavaria Film GmbH in München absolviert. Zuletzt hat er eine Prüfung als „Hygienebeauftragter für Film- und Fernsehproduktionen“ abgelegt. Bei „Melody“ ist er Co-Produzent, Aufnahmeleiter und Tontechniker sowie zuständig für die allgemeine Sicherheit und die unbedingte, strenge Einhaltung der Corona-Regeln. „Wir sind ein kleiner Zirkus – da muss auch der Direktor/Co-Produzent mal durch einen Reifen springen“, sagt er schmunzelnd.

Eigenes FFX-Team

Vor einigen Jahren haben sich Hawel und Berger beim Filmfest München kennen gelernt und die Filmfirma „Sehlection“ gegründet. Jetzt arbeiten sie am Dreh ihres zweiten abendfüllenden Spielfilms „Melody“, ein Ruhe ausstrahlendes, zum Nachdenken anregendes Melodram über Gefühle und Musik als wichtigem Teil des Lebens: Die Pianistin Pia Fo (Clara Nowak), die das Wunder der Musik in die Welt getragen hat, galt lange als verschollen. Jetzt entsteigt sie in diversen Kostümen bekannten Kunstwerken aus vier Jahrhunderten. Für diese Special Effects sorgt ein eigenes FFX-Team. Melody, eine seit ihrer Kindheit von Tinnitus geplagte Künstlerin, trifft Pia, freundet sich mit ihr an und findet neue Kraft durch deren lebensfrohe Art. Doch Konflikte sind vorprogrammiert – Pias einmaliges Musiktalent ist begehrt und sie werden Rivalinnen. „Es ist kein Spielfilm im klassischen Sinn“, erläutert Regisseur Brummer. „Vielmehr kommt als weiteres Element Live-Musik hinzu, und besonders für diesen Film ist Musik essentiell.“ Das berge Potential für „neue Magie“ und enthalte Anklänge an die „Melancholie des alten Stummfilms“. Berger ergänzt, er sei ein Fan von Herausforderungen: „Ich habe schon immer nach Wegen gesucht, Film anders erlebbar, Filmmagie greifbar zu machen“.

Im Mai sind noch einmal Dreharbeiten von etwa drei Tagen vorgesehen, dann erfolgen Nachbearbeitung und Schnitt. Wann der Film jedoch schließlich der Öffentlichkeit präsentiert werden kann, das wissen lediglich die Corona-Götter... „Aber er wird Wellen schlagen. Diese Form von Kino und Live-Musik ist derzeit einzigartig im Markt“, prophezeit Brummer stolz.

Ingrid Zasche

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Buchloer Bauausschuss stellt Weichen für Sanierung des Freibades
Buchloer Bauausschuss stellt Weichen für Sanierung des Freibades
Ausbau der Ausweichschule St. Martin in Marktoberdorf geht voran
Ausbau der Ausweichschule St. Martin in Marktoberdorf geht voran
Sparkassenbilanz: Negativzinsen belasten den Markterfolg
Sparkassenbilanz: Negativzinsen belasten den Markterfolg
Lebensmittelkette aus Mauerstetten übernimmt Real in Kempten und Pentling
Lebensmittelkette aus Mauerstetten übernimmt Real in Kempten und Pentling

Kommentare