Drehleiter statt mühevolles Schleppen

Um exakt 13.35 Uhr, dem Zeitpunkt des damaligen Einsatzbefehls, rollten sieben Einsatzfahrzeuge der Kaufbeurer Feuerwehr mit Blaulicht und Sirene vor den Altbau des Rathauses. Wie bei einem echten Einsatz wurden Funksprüche abgegeben, Schläuche ausgerollt und alle technischen Geräte in Position gebracht.

Nachgestellt wurde der Rathausbrand im Jahre 1960. Geschichlicher Hintergrund: Am 20. Juni 1960 versuchte der damalige Stadtangestellte Ignatz Heel, mit einem selbstgelegten Brand im Rathaus die Beweise für seine Unterschlagungen zu vernichten. Der Fall machte einige Schlagzeilen in der örtlichen Presse, Heel selbst wurde zu fünf Jahren Gefängnis und 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Der gänzlich zerstörte Dachstuhl des 1887 erbauten Gebäudes wurde nach dem Vorfall in wesentlich schlichterer Form wieder aufgebaut. Mit Hilfe von Nebelmaschinen hat man nun am Sonntag diesen neuen Dachstuhl „in Brand gesteckt”. Geändert hat sich seit der damaligen Zeit einiges: „Wir verfügen heute über Wasserwerfer und Drehleitern, die auch heute zum Einsatz kamen. So etwas gab es 1960 noch nicht”, erklärte Thomas Vogt, Stadtbrandrat und Leiter des Einsatzes. Damals habe man auf normalen Leitern die Wasserschläuche in zu den oberen Stockwerken befördern müssen. 1960 sei außerdem die Werksfeuerwehr der Firma Momm beteiligt gewesen; diese gibt es heute nicht mehr. Bei der Schauübung dabei war auch das letzte verbliebene Einsatzfahrzeug, das schon vor 50 Jahren mit dabei war. Ein wichtige Übung Seit dem Rathausbrand hat es in Kaufbeuren kein vergleichbares Ereignis mehr gegeben, der letzte große Brand liegt rund zwei Jahre zurück. So hatte das Szenario über das historische Schauspiel hinaus noch einen weiteren Zweck: „Für uns war dieser simulierte Brand eine gute und wichtige Übung für einen eventuellen Ernstfall”, so Thomas Vogt. Nach ungefähr einer viertel Stunde war der Dachstuhl dann auch „gelöscht“, der starke Regen hatte darauf laut Vogt aber keinen Einfluss. “ Bei einem echten Feuer und Rauchentwicklung würden die Regentropfen in der Hitze einfach verdampfen.” Wer nun Interesse an der Geschichte rund um den Rathausbrand bekommen hat und mehr über die Arbeit der Kaufbeurer Feuerwehr erfahren möchte, hat die Möglichkeit, in den Räumen des Heinzelmannstifts noch bis zum 4. Juli eine Ausstellung über den Brand selbst, Hintergründe über den Brandstifter und den Wiederaufbau des Dachstuhls zu besuchen. Die Ausstellung war bis jetzt im Foyer des Rathaus-Neubaus zu sehen und ist um zwei Wochen verlängert worden. Zudem gibt es einen Dokumentarfilm über das Ereignis, der unter anderem am 11. September am „Tag der offenen Tür” im Gerätehaus der Feuerwehr zu sehen ist. fr

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