Alle Schüler mitnehmen

Drei Schulleiter erzählen über ihre Herausforderungen in Corona-Zeiten

Johannes Schneider (v. li.), Sabine Böhlein und Martin Zimmermann tauschen sich weiterhin regelmäßig aus. Die drei Rektoren sind mittlerweile Freunde geworden.
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Johannes Schneider (v. li.), Sabine Böhlein und Martin Zimmermann tauschen sich weiterhin regelmäßig aus. Die drei Rektoren sind mittlerweile Freunde geworden.

Ostallgäu – Der von der bayerischen Staatsregierung verhängte Lockdown stellt auch die Schulen in unserer Region vor eine enorme Herausforderung. Drei Tage lang stand wieder digitaler Unterricht daheim auf dem Programm, ehe es in die Corona-Weihnachtsferien ging. Für alle Schulleiter waren die vergangenen Monate nicht einfach. Johannes Schneider und Martin Zimmermann müssen seit diesem Schuljahr eine etwas größere Last als neue Schulleiter tragen. Auch Rektorin Sabine Böhlein kam des Öfteren an ihre Grenzen. Der Kreisbote hat nachgefragt, wie sie die vergangenen Wochen und Monate in ihren Schulen erlebt haben.

„Es gab schon Momente, die nicht so schön waren“, macht Martin Zimmermann, Schulleiter der Grundschule Mauerstetten, hier keinen Hehl daraus. Allerdings überwiege bei ihm nur das Positive – trotz Coronakrise. Eltern, Kinder und auch die Lehrer hätten sämtliche Maßnahmen mitgetragen. Weil zwischenzeitlich die Abstandsregeln von 1,5 Metern nicht eingehalten werden konnten, rückte sogar das Bauhof-Team der Gemeinde Mauerstetten an und half beim Um- beziehungsweise Ausräumen der Klassenzimmer. „Bürgermeister Armin Holderried liegt die Schule sehr am Herzen. Er ist immer greifbar, wenn ich ihn brauche“, lobt Zimmermann das Engagement des Gemeindeoberhaupts. Seit seinem Antritt als neuer Schulleiter drehte sich beim 34-Jährigen, wie bei allen Schulleitern, alles nur um die Coronakrise. Jeder Tag sei durchgetaktet gewesen. Obwohl Zimmermann im Monat Dezember zwischenzeitlich in Elternzeit war, suchte er regelmäßig seine Schule auf. Das Rad musste sich ja weiterdrehen. Allgemein war es doch ein Wechselbad der Gefühle: Anstrengung und Erschöpfung auf der einen Seite, enormer Stolz, die Hürden zusammen mit dem Lehrerkollegium gemeistert zu haben, auf der anderen Seite. „Wir haben alle gemeinsam an einem Strang gezogen“, bezieht Zimmermann auch die Eltern hier mit ein.

Kein Ego-Denken mehr

Unterm Strich verlief das Schuljahr anders. Viele schöne Sachen, wie der Besuch von Schullandheimen, das gemeinsame sorglose Umherspringen in der Schule und ein Singen und Musizieren in der Vorweihnachtszeit konnten nicht umgesetzt werden. „Bei uns gab es eben eine kreative Adventsbesinnung in digitaler Form. Es war zwar ein großer Aufwand, wo sich alle Lehrer hineingefuchst haben, aber es hat funktioniert“, freut sich Martin Zimmermann auch über die gesamte Schulgemeinschaft. Denn trotz der Einschränkungen seien die Kinder immer wieder gerne in die Schule gekommen.

Viel improvisieren

In Pforzen stemmte Johannes Schneider die ersten Monate als neuer Schulleiter jegliche Situation. Trotz der Maßnahmen und Beschränkungen verlief alles bisher sehr positiv. Mit Beginn des neuen Schuljahres gab es auch einige neue Lehrkräfte, die sich, wie der 30-Jährige, an der Grundschule eingewöhnen mussten. „Wir haben als Team eine gute Arbeit gemacht“, war auch Schneider im ständigen Austausch mit seiner Stellvertreterin Sarah Schuster, dem Lehrerkollegium und dem Schulamt in Marktoberdorf. Trotzdem war Improvisieren stets an der Tagesordnung. Ab dem Zeitpunkt der Abstandsregelung wurde zwar viel organisiert, aber nie auf Wechselunterricht umgestellt. „Wir haben immer den Optimismus bewahrt und aus jeder Situation das Beste herausgeholt.“ Große Schulprojekte konnten nicht realisiert werden. Ein Besuch der Ausstellung „Udo“ fand nicht statt. „Den Schulalltag unter Corona-Vorschriften haben wir gut hingebracht“, bilanziert Johannes Schneider, der in der aktuellen Situation auch die Öffnung zur Digitalisierung als notwendigen und wichtigen Schritt sieht. Dadurch zeichneten sich neue Wege ab. Der Eltern-Lehrer-Austausch findet genauso digital statt wie Videokonferenzen innerhalb des Lehrerkollegiums. Unterdessen blickt Johannes Schneider zuversichtlich auf die kommenden Wochen und Monate. Er baue auf den Impfstoff in Deutschland. „Abstandsregelungen und Masken bleiben uns aber noch für eine gewisse Zeit erhalten“, ist der Schulleiter sich sicher.

Sabine Böhlein hat es sich zum Ziel gesetzt, dass ihre Schülerinnen und Schüler in Corona-Zeiten nicht auf der Strecke bleiben dürfen. Die 50-jährige Rektorin verantwortet zwei Schulhäuser: Westendorf und Stöttwang mit insgesamt 282 Schülern. Auch sie muss stets die Auflagen umsetzen. „Sehr schön ist, dass das gesamte Kollegium hinter mir und meinen Entscheidungen steht“, verweist sie auch auf ihre Konrektorin Sabine Seidenbusch. „Sie ist eine super Kraft. So gut wie es geht, lasse ich mich natürlich in Stöttwang blicken.“ Allgemein fühle sich Böhlein bestärkt, auch wenn ein gemeinsamer Austausch aktuell nicht möglich sei. Telefonate, E-Mail-Korrespondenz und WhatsApp-Gruppen – in Corona-Zeiten muss eben ein anderer Weg der Kommunikation erfolgen. Auch der Kontakt zu Martin Zimmermann und Johannes Schneider besteht weiterhin. Aus dem Trio ist mittlerweile eine wahre Freundschaft entstanden.

Kernfächer im Fokus

Böhlein nimmt derweil den Eltern jegliche Skepsis. Ihre Kinder würden in der Coronakrise keinerlei Defizite erfahren. Ganz im Gegenteil: Die Kernfächer Mathematik, Deutsch sowie Heimat- und Sachkunde-Unterricht stehen derzeit im Fokus. Die Kinder kämen gerne in die Schule und trügen vorbildlich ihren Mund-Nasen-Schutz. Dass es Sabine Böhlein in der aktuellen Phase nicht allen recht machen kann, ist ihr bewusst. „Wir müssen alle Abstriche machen, müssen uns an Regeln halten und sollten von unserem Ego-Denken wegkommen.“ Die gesamte Schulfamilie in Stöttwang und Westendorf verhalte sich vorbildlich, schickt sie noch ein dickes Lob hinterher. Für den 21. und 22. Dezember war auch hier eine Notbetreuung garantiert. Die Lehrer hatten an diesen beiden Tagen Dienst, ehe auch sie etwas abschalten können.

Am 11. Januar 2021 beginnt wieder die Schule. Ohne Frage würden Martin Zimmermann, Johannes Schneider und Sabine Böhlein ihren Kindern gerne vollen Präsenzunterricht anbieten, doch das dürfte schwierig werden. Ministerpräsident Markus Söder stimmte Lehrer, Schüler und Eltern bereits auf einen längeren Ausnahmezustand nach den Weihnachtsferien ein. Wegen Corona werde es noch Wechselunterricht geben, wie er bei seiner Regierungserklärung im Landtag kürzlich deutlich machte.

Stefan Günter

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