Dritter Infoabend zum "Forettle" landet schnell bei Grundsatzdiskussion

"Anbindung bewegt Bürger nicht"

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Auch Alt-OB Dr. Andreas Knie meldete sich zu Wort.

Kaufbeuren – Thema der dritten Veranstaltung zum Forettle waren die möglichen Anbindungen des Forettle an die Altstadt – schnell wendete sich die Diskussion aber wieder dem grundsätzlichen Thema „Fachmarktzentrum ja oder nein“ zu.

Voraussichtlich im Mai soll der Stadtrat über den Auslegungsbeschluss zum „Fachmarktzentrum Forettle“ entscheiden. Aber auf welcher Basis? Das war die große Frage am Dienstagabend beim Infoabend im Stadtsaal. Eigentlich sollte es um die Anbindung des Areals an die Altstadt gehen, schnell war man aber bei der Grundsatzdiskussion angelangt.

Wie schon im Vorfeld bekannt, wäre eine direkte Anbindung des Fachmarktzentrums (FMZ) an die Altstadt Sache der Stadt, die dementsprechend auch die Kosten tragen müsste. Vorgestellt wurde von OB Stefan Bosse und Baureferent Helge Carl dabei ganz bewusst die gesamte Vielfalt der bisherigen Ideen. Diese reichen von einigen Steglösungen, wahlweise vom Forettle in Richtung Rathaus oder Ringweg, über einen geschwungenen Steg mit Rampe bis hin zu einer Umgestaltung des Schwanenweiher-Ufers mit Freitreppe oder Aufzug. Hinsichtlich der Überwindung von Höhenunterschieden präsentierte Baureferent Carl Treppen, einen Aufzug oder Rolltreppen. 

Dabei machte OB Bosse aber gleich zu Beginn klar, dass nicht alle vorgestellten Lösungen auch tatsächlich zweckmäßig seien. „Machbar ist im Grunde alles. Aber wenn Sie mich fragen, bringt ein Steg relativ wenig“, so Bosse. Er bezweifle, dass die Frequentierung groß genug sei, um ein solches Bauvorhaben zu rechtfertigen. Immerhin bewegen sich die vorgestellten Konzepte ab 1,2 Millionen Euro aufwärts, bei einigen Lösungen kämen im Falle einer Verwirklichung noch weitaus höhere Kosten obendrauf – wie bei einer Steganbindung an den Ringweg oder direkt an ein Obergeschoss des Rathauses. Carl riet außerdem vor allem hinsichtlich der Steglösungen dazu, bei einer Realisierung auf „das Gestalterische“ zu achten, anstatt sich für eine „Basisvariante“ zu entscheiden. Die zentrale Frage laute: „Welche Lösung ist angesichts der Kosten die beste, und welche möchten die Bürger?“ Denn, so Bosse: „Der Investor des Fachmarktzentrums braucht diese Anbindungsvarianten nicht. Wir als Stadt nehmen die derzeitige Entwicklung zum Anlass, um über eine für uns bestmögliche Wegeverbindung nachzudenken – schließlich haben wir ein Bedürfnis, die Menschen sicher aus der Innenstadt in Richtung Mühlbach beziehungsweise Jordanpark gelangen zu lassen“. 

Auf jeden Fall kommen wird laut Carl aber ein Fußgängerüberweg mit Ampelanlage über den Graben – diese Kosten müsste der Investor tragen. Bosse und Carl erinnerten in diesem Zusammenhang auch an den geplanten Umbau rund um das Stadttheater inklusive eines barrierefreien Zugangs zur Altstadt, sowie an einen bestehenden Stadtratsbeschluss aus 2008 bezüglich eines gültigen Rahmenplans des Büros SEP. 

Diskussion 

So zahlreich die Varianten auch waren – beim Publikum weckte keine von ihnen echte Begeisterung. Entsprechend vereinzelt fielen dann auch die Stellungnahmen zum Thema Anbindung aus. Beate Römer zum Beispiel wunderte sich über die „absurde Länge“ der Stege und fragte nach den anderen Inhalten des SEP-Rahmenplans, der ursprünglich einen „Quartiersplatz“, eine Verlegung des Mühlbaches und eine Aufweitung des Schwanenweihers vorsah. Hier habe man keinen Investor gefunden, so Bosse. Die Steglänge sei nötig, um bei einer gesetzlich vorgeschriebenen Höhe von 4,50 Metern über der Straße wieder auf Bodenhöhe zu kommen. Die Bürgerin übte harsche Kritik an der Bauverwaltung der Stadt: Diese sei in der Verantwortung, für Qualität zu sorgen. Dafür gab es den ersten Applaus des Abends – und man war beim allgemeinen Für und Wider zum Forettle angelangt. 

Hinsichtlich des immer wieder geäußerten Wunsches nach einer Wohnbebauung auf dem Forettle wollte der OB noch etwas Grundsätzliches erklären: Der Bereich direkt an der B16 sei einfach nicht für Wohnbebauung geeignet. Und nur ein Grünstreifen könne Wohnungen nicht gegen die Straße abschirmen. „Wir tun uns einfach schwer, auf fremdem Grund und Boden mit Konzepten, die auf den ersten Blick nicht wirtschaftlich sind“, fügte er hinzu. Die Stadt sei nun einmal nicht Herr über das Areal. „Es wird oft gefordert, wir sollen unsere , ‘Folterinstrumente’ gegenüber den Grundstückseigentümern auspacken – Fakt ist, wir haben keine!“ Es dürfe nicht vergessen werden, dass man sich seit über 20 Jahren erfolglos um eine Entwicklung des Forettle bemühe. Sollte es aber durch das FMZ zu einer Entwicklung kommen, das dann die dahinter liegenden Areale gegen die Straße abschirmen würde, sei die Chan- ce auf Wohnbebauung, Dienstleistung oder sogar die anvisierte Behördenverlagerung durchaus noch gegeben. 

Unter den Zuhörern war auch Altbürgermeister Dr. Andreas Knie. Er, der selbst als Stadtoberhaupt schon mit möglichen Plänen für das Forettle zu tun hatte, forderte „Mut“ von der Stadtverwaltung ein. Er spielte auf die Krankenhausfusion zwischen Stadt und Landkreis an, die seinerzeit mehrere Millionen Euro kostete. „Dann kann man auch zehn bis 15 Millionen in die Hand nehmen und auf dem Forettle selbst etwas entwickeln“. Zudem habe die Stadt die Verpflichtung, für Wohnbau zu sorgen – nicht zuletzt für Senioren. Diese Aufgabe nehme die Stadt wahr, so Bosse: Die Hospitalstiftung schaffe an der Augsburger Straße „genau solchen Wohnraum“. 

Einig war sich der Rathauschef mit Michael Kutter, der bei seiner Wortmeldung bezweifelte, dass durch das FMZ ein „Anker“ für die Innenstadt geschaffen werden könne. Bosse erwarte sich aber „Belebung“. 

Beim Gespräch mit dem Kreisbote am Folgetag der Infoveranstaltung stellte Baureferent Carl fest, die zentralen Argumente seien in der Vergangenheit alle mehrfach gefallen. Für ihn sei nun wichtig, dass der Stadtrat in den nächsten Schritt eintrete. Auf die Frage, ob gleichzeitig mit der Entscheidung über den Auslegungsbeschluss zum FMZ im Mai auch über eine der Anbindungsvarianten entschieden werden soll – immerhin hatte der Stadtrat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass ein „Ja“ zum FMZ nicht zuletzt von einer guten Altstadtanbindung abhänge – erklärte Carl, er könne sich schon vorstellen, dass eine Entscheidung zum Beispiel über eine Steglösung erst später falle – sie werde ja derzeit offensichtlich nicht mehr breit gefordert. Als „ausreichende Anbindung“ könne ja auch die künftige Wegebeziehung über das Stadttheater angesehen werden. 

Vor dem Stadtrat im Mai will Oberbürgermeister Bosse noch einmal alle Fraktionen, den Investor und Experten an einen Tisch holen und einen „möglichen Konsens zum Forettle“ ausloten. Der Investor, so Bosse, sei „offen für Anregungen, was die Leute wollen“. von Michaela Frisch

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