Düsteres Szenario

Sanierung der Stauanlage am Ettwieser Weiher wieder auf dem Tisch

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Ortstermin am Ettwieser Weiher bei Schneeschauer: Vor Ort informierten sich die Stadträte zu Möglichkeiten der Hochwassersicherheit.

Marktoberdorf – Nicht nur das Wetter zeichnete ein düsteres Szenario und ließ einen kalten Schneeschauer auf die Stadträte während ihrer Ortsbegehung am Ettwieser Weiher nieder. Auch Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell war nicht zum Spaßen aufgelegt, als er das Thema Hochwasserschutz am Ettwieser Weiher erneut auf die Tagesordnung hob und die Mitglieder des Bauausschusses eindringlich warnte: Sollte eine Sanierung der Stauanlage am „Ette“ erneut abgelehnt werden, werde er eine Aufstauung des Wassers auf Sommerniveau nicht veranlassen.

Im Klartext hieße das für Markt­oberdorf: Bleibt der Wasserpegel, wie er momentan ist, gäbe es keinen Badebetrieb mehr am Ettwieser Weiher. Ob es am Bürgermeister oder am Wettergott lag – letztlich entschied der Bauausschuss mit 9:4 Stimmen, die Hochwassersicherheit am Ettwieser Weiher erneut im Stadtrat zu behandeln.

Erst vor rund vier Wochen hatte sich eben dieses Gremium gegen eine Sanierung der Stauanlage am Badesee ausgesprochen (wir berichteten). Vornehmlich aus Kostengründen, die vielen Stadträten mit rund 290.000 Euro unverhältnismäßig hoch erschienen waren. Vorausgegangen war ein Bescheid des Landratsamts, die Stauanlage am Ette auch für den extremen Hochwasserfall zu prüfen. Experten vom Wasserwirtschaftsamt hatten daraufhin die Hochwassersicherheit des Badesees infrage gestellt. Bei Starkregen oder anderen extremen Wettereinflüssen würden die vorhandenen Abläufe nicht genügen und die Gefahr sei, dass der Weiher über die Dammkrone ansteigen und diese überspülen könnte. Das Wasser könnte dann den Damm aufbrechen und sich unkontrolliert und schlagartig auf die umliegenden Felder, Gehöfte und Siedlungen ergießen. Dieses Szenario schilderte Christian Wegst vom Was­serwirtschaftsamt Kempten den Ausschussmitgliedern. Anhand von Bildern eines Ereignisses in Sachsen dokumentierte er die Gewalt der Zerstörung eines solchen unkontrollierten Dammbruchs. Dort hatte sich ein von einem Erdwall gehaltener, rund 50.000 Kubikmeter Wasser fassender Fischteich in ein Dorf ergossen und Container, Schlamm und Autos mitgerissen. Der Ettwieser Weiher fasse rund 62.000 Kubikmeter Wasser, fügte Max Weiß vom Ingenieurbüro Kokai hinzu.

An dieser Stelle könnte der 23 Meter breite befestigte Überlauf gebaut werden, der für Hochwasserschutz am Ettwieser Weiher sorgt.

Man solle nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, mahnte jedoch Georg Martin (Grüne), der wie andere Stadträte auch die Sanierung skeptisch sah.

Werner Moll (Stadtteile Aktiv) trieb die Sorge um, dass durch die geplante Befestigung des 23 Meter breiten Überlaufs die Nutzung der Liegewiese eingeschränkt sei. Und Peter Grotz (Freie Wähler) zweifelte grundsätzlich an der Dramatik eines Dammbruchszenarios: „Wir haben ja keinen Wildbach als Zufluss, der den Weiher in kurzer Zeit fluten würde.“

Walter Breiner (Freie Wähler) brachte eine rückseitige Sanierung des rund vier Meter hohen Damms ins Spiel, die aber laut Stadt teurer und aufwendiger sei als der geplante Überlauf.

Letztendlich stimmte eine Mehrheit im Bauausschuss für eine weitere Betrachtung der Stauanlagensicherheit am Ettwieser Weiher, über die der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung am 8. April erneut entscheiden wird. Und damit auch darüber, ob künftig wieder im Ettwieser Weiher gebadet und geplanscht werden kann.

Geplante Sanierung

Das Ingenieurbüro Kokai aus Polling befasst sich mit der Planung einer Hochwasser sicheren Stauanlage am Ettwieser Weiher, deren Kosten inzwischen auf rund 275.000 Euro korrigiert wurden und auch teilweise förderfähig sind. Geplant ist, zusätzlich zu den beiden sanierungsbedürftigen Ablaufrohren, einen geführten Überlauf zu installieren. Dazu soll am östlich auslaufenden Ende der Liegewiese eine 23 Meter breite Scharte ausgegraben und mit Wasserbausteinen befestigt werden. Einem Trichter gleich soll dieser Überlauf dann das über den Damm schießende Wasser in einem leichten Gefälle kontrolliert dem alten Arm des Ettwieser Baches zuführen.

von Angelika Hirschberg

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