Starfotograf kommt aus der großen weiten Welt wieder in die Heimat Kaufbeuren zurück

"Zurück zu den Wurzeln"

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Gehört zur Familie: Seit über 20 Jahren ist Eddie Wölfl mit der amerikanischen Soul-Legende Stevie Wonder (li.) eng befreundet.

Kaufbeuren – Es liest sich wie ein „Who is Who“ der Musik- und Filmszene: Stevie Wonder, Janet und Michael Jackson, Diana Ross, Anthony Qinn, Quincy Jones, Veronica Ferres und, und, und...! Der gebürtige Kaufbeurer Eddie Wölfl kennt sie nicht nur alle, sondern hat teilweise jahrelang mit ihnen und für sie gearbeitet.

Jetzt ist der Starfotograf wieder in seine Heimatstadt zurückgekehrt. „Zurück zu den Wurzeln“, sagte Wölfl – in USA aus sprachlichen Gründen nur unter dem Namen Wolfl bekannt – im Gespräch mit dem Kreisboten

Wenige Monate nach seiner Geburt in Frankreich kam Eddie mit seiner aus Kaufbeuren stammenden Mutter Edeltraud Wölfl in die Wertachstadt und wuchs hier auf. Er ging zur Schraudolph-Schule und hat auch heute noch neben einem Großteil seiner Verwandtschaft viele Freunde in der Wertachstadt. „Der Kontakt ist nie abgerissen“, erzählt der Starfotograf englisch-akzentfrei dafür aber im bayerischen Dialekt, „ganz im Gegenteil: Ich war ja immer wieder hier zu Besuch, hing mit einem Fuß in Deutschland.“ Und betont: „Kaufbeuren ist und bleibt meine Heimat.“ 

Der Deutsche mit amerikanischem Pass ist seit etwa einem halben Jahr in Kaufbeuren und möchte hier wieder Fuß fassen. Sein Ziel: Sich am heimischen Standort etwas Neues aufbauen. Dabei musste er leidvoll feststellen, dass hier alles etwas anders ist, als im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. 

„Wenn Du in den USA arbeiten willst, machst Du ein Geschäft auf und fängst einfach an. In Deutschland ist die Bürokratie erschreckend. Gewerbeschein von der Verwaltung, Steuernummer vom Finanzamt, alle möglichen Versicherungen und vieles mehr“, seufzt der selbstständige Fotograf. Doch der bestehende Freundeskreis hilft dabei ebenso wie die begonnene und zunehmende „Vernetzung“ im beruflichen Umfeld. 

Den Amerikanischen Traum leben 

Nach einer Ausbildung zum Koch lernte Wölfl während seiner späteren Tätigkeit im Münchner Restaurant Käfer den bekannten französischen Fotografen Jean-Paul Mann kennen und freundete sich mit ihm an. In der für den jungen Mann neuen Münchner Szene erwachte das schon länger schlummernde Interesse an der Fotografie. 

Bald darauf, Anfang der Achtziger Jahre, ging der heute 61-jährige nach Los Angeles in den USA. Dem jungen Mann war es in der Heimat zu eng geworden. Bei der Arbeit in einem Labor traf er den Freund aus München wieder, der nun quasi sein Mentor wurde. Parallel zu seiner Arbeit als Koch in Beverly Hills („ich musste ja Geld verdienen“) entstanden erste Kontakte als Fotograf zu Fotoagenturen. 

Über sein erstes Engagement bei einer Agentur landete Eddie bei den Schallplattenfirmen, für die er dann Cover von Musikgrößen gestaltete. Später kamen dann die Fotos von Filmstars in bekannten Printmedien der USA hinzu. Sein erstes Shooting fand mit Stevie Wonder statt, bei dem er quasi zur Familie gehört. Für Janet Jackson arbeitete er 18 Jahre. 

Vergangenheit und Zukunft 

Das Repertoire von Eddie Wölfl aus den Achtzigern bis heute umfasst viele Geschichten in Magazinen mit Bildern von Größen wie Ray Charles, Bing Crosby, Bruce Willis, Sting oder Al Jarreau sowie Beyoncé Knowles, Sylvester Stallone, Diana Ross, Christopher Lee und John Travolta oder den noch jungen Andre Agassi. 

Architekturen auf der ganzen Welt unter außergewöhnlichen Blickwinkeln gehören ebenso zu seinen Spezialitäten wie Details alter Straßenkreuzer und Naturschauspiele in Farbe und Schwarz-Weiß. Doch der Schwerpunkt liegt in seiner Arbeit mit den Menschen – nah dran im Porträt oder bei speziellen Arrangements festgehalten, die der gebürtige Kaufbeurer seit nunmehr rund 40 Jahren weltweit produziert. Auch sein Bild von Boxlegende Mike Tyson ziert das Cover von DVD-Spielen. 

Für die Zukunft stehen die Pläne von Eddie Wölfl fest: Sein Domizil soll Kaufbeuren sein. Von hier aus wird er weiter sehr viel unterwegs sein, die Verpflichtungen in allen Teilen der Welt bleiben bestehen. Aber es gibt auch andere Visionen: Wölfl träumt davon, Deutschland in seiner Gesamtheit näher kennenzulernen. Dabei möchte er intensiv mit Menschen in Verbindung treten und die landschaftlichen Schönheiten im Bild festhalten. von Wolfgang Becker

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