Prozess wird neu aufgerollt

Ehemaliger Vorstand des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung geht in Berufung

Tierheim  Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung e.V.
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Ende vorigen Jahres wurde der ehemalige Vorsitzende des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung e.V., und damit auch Leiter des Tierheimes in Beckstetten, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Doch die Haft trat er nicht an.

Kaufbeuren/Beckstetten – Ende vorigen Jahres wurde der ehemalige Vorsitzende des Tierschutzvereins Kaufbeuren und Umgebung e.V., und damit auch Leiter des Tierheimes in Beckstetten, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Das Amtsgericht in Kaufbeuren sah die Betrugsvorwürfe gegen Stefan M. als erwiesen an, ebenso die Vorwürfe gegen seine Ehefrau, die wegen Untreue in einem abgetrennten Verfahren zu eineinhalb Jahr verurteilt worden war – beide ohne Bewährung (wir berichteten mehrfach).

Einige Tierschutzfreunde sahen beide Angeklagte schon länger hinter Gittern sitzen. Dem ist aber nicht so, wie jetzt Recherchen des Kreisbote ergaben. Demnach haben Stefan M. und seine Ehefrau gegen das Urteil Berufung eingelegt. Dies bestätigte auf Anfrage das Amtsgericht Kaufbeuren. Beide Fälle landen nun vor dem Landgericht in Kempten. Dort werden die beiden Prozesse samt Beweisaufnahme und Zeugenvernehmungen komplett neu aufgerollt. Das bestätigte das Gericht unserer Zeitung. Angesetzt sind für Stefan M. noch im Mai drei Verhandlungstage, für seine Ehefrau ein Tag im Juni.

Neben dem Strafverfahren erwartet Stefan M. noch ein Zivilprozess. Der Kaufbeurer Tierschutzverein will die nach seiner Meinung nach veruntreuten Gelder in Höhe von rund 170.000 Euro einklagen. Das bestätigte der Rechtsvertreter des Vereins, Bernhard Pohl, auf Anfrage unserer Zeitung. Pohl rechnet im Sommer mit einer Entscheidung.

Mit in der Haftung sei demnach auch die ehemalige Schatzmeisterin des Tierschutzvereins, die strafrechtlich nicht mehr belangt werden kann. Gegen sie wurde das Strafverfahren gegen Bezahlung einer Geldbuße eingestellt.

Auf freiem Fuß

Doch warum befinden sich beide Angeklagten nicht im Gefängnis? Der Grund: Stefan M. und seine Ehefrau haben nach dem Urteilsspruch des Amtsgerichtes Kaufbeuren Berufung eingelegt. Eine Strafhaft im Rahmen der Strafvollstreckung ist nämlich erst dann relevant, wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliegt, das nicht mehr anfechtbar ist. „Dieses Stadium ist bislang noch nicht erreicht, da das Verfahren in der Berufungsinstanz ist.“ Das teilte der Sprecher des Landgerichts, Richter Dr. Christopher Selke, auf Anfrage mit.

Mit der ersten Verurteilung von Stefan M. hatte das Amtsgericht Kaufbeuren den Haftbefehl aufgehoben. Der war ausgestellt worden, da Stefan M. unentschuldigt der Verhandlung ferngeblieben war. Der ehemalige Tierheimleiter von Beckstetten war damals nach seiner Inhaftierung in Handschellen zur Gerichtsverhandlung gebracht worden.

Stefan M. soll über mehrere Jahre ein monatliches Honorar von knapp 5000 Euro an seine Ehefrau gezahlt haben, ohne dass ein gültiger Vorstandsbeschluss vom Tierschutzverein vorgelegen und ohne dass die Ehefrau eine offizielle Funktion im Tierheim Beckstetten inne gehabt haben soll.

Den Verein soll Stefan M. weiter finanziell geschädigt haben, so die damalige Anklage vor dem Amtsgericht Kaufbeuren, weil er für mehr als 30.000 Euro durch einen Privatdetektiv zwei Mitarbeiterinnen überwachen lassen haben soll. Auch hierzu soll kein Vorstandsbeschluss vorgelegen haben.

Das Gericht legte Stefan M. damals auch zur Last, 7760 Euro aus einer Erbschaft ohne Rechnung und Beschluss als Nachlassverwalter direkt auf sein Konto geleitet zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem ersten Verfahren dem Angeklagten „kriminelle Energie“ vorgeworfen. Er habe genau gewusst, was er getan habe. Daher auch der Versuch, sich durch nachträgliche Beschlüsse abzusichern, so die Staatsanwaltschaft.

Stefan M. und seine Ehefrau sahen sich dagegen in der Opferrolle. Er und seine Frau hätten sich für den Tierschutzverein aufgeopfert. Ohne ihn wäre das Tierheim geschlossen worden. Stefan M. sagte damals wörtlich: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst“. Alles sei von außen aufgebauscht worden.

Der Kreisbote wird über das Verfahren aus Kempten berichten.

Siegfried Spörer

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