„Glück auf“ von der Tunnelpatin

Ehrenamt für Landrätin Zinnecker: Besuch auf der Baustelle des Tunnels Bertoldshofen

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Eine Patin – ganz ohne Tunnelblick – bei der Übergabe der Statue im Baucontainer bei Bertoldshofen. Landrätin Maria Rita Zinnecker (v. li.), Bereichsleiter Markus Kreitmeier und Abteilungschef Ralf Eisele vom Bauamt Kempten, Roland Arnold (Projektleiter der Firma BeMo, Michael Rieg (Bauamt Kempten), Bernhard Hackl (Bauleitung BeMo), Hermann Zacherl vom Ingenieurbüro Gebauer sowie Manuela Gruber und Paul Kratzer von der Autobahndirektion Südbayern.

Bertoldshofen – Im bergmännischen Tunnelbau ist es guter Brauch, den Gedenktag der heiligen Barbara zu feiern. Sie ist Schutzpatronin der Tunnelbauer und Bergleute. Genauso ist es Tradition, dass eine Tunnelpatin den Bau begleitet und gleichsam als „irdische Vertreterin“ der heiligen Barbara den Mineuren bei der anspruchsvollen Arbeit Glück bringt. Die Patenschaft für den Tunnel Bertoldshofen übernimmt Landrätin Maria Rita Zinnecker, die nur fünf Kilometer entfernt zu Hause ist.

Offiziell wird die Tunnelpatin zwar erst bei Tunnelanschlag in ihr Ehrenamt eingeführt, wenn der bergmännische Vortrieb an dem 55 Millionen Euro teuren Projekt beginnt. Das wird voraussichtlich im Februar 2019 der Fall sein. Doch Landrätin Zinnecker besuchte bereits am Barbaratag die Mitarbeiter der Baufirma BeMo Tunnelling vor Ort.

Nachdem Projektleiter Roland Arnold das große Bauwerk ebenso erklärt hatte wie die „Rechte und Pflichten“ der Tunnelpatin, die von den Bergleuten traditionsgemäß beim Vornamen und mit Du angesprochen wird, überreichte er ihr symbolisch eine Statue der heiligen Barbara. Diese stammt aus Tirol; die Firma BeMo Tunnelling hat ihren Sitz in Innsbruck. Die Statue wird in einer Nische am Stollen bei Bertoldshofen angebracht. Wenn die Baumaßnahme in gut zwei Jahren vollendet ist, darf die Tunnelpatin sie mit in ihr Heim nehmen.

Zinnecker freute sich nach der Information vor Ort im Kreis der Bergleute über diese Ehre und wünschte allen am Bau Beteiligten einen unfallfreien Verlauf und „Glück auf“.

Europaweit im Tunnelbau tätig

Die Firma BeMo mit Sitz in Innsbruck ist seit mehreren Jahrzehnten eine anerkannte Adresse im Tunnelbau. 2014 kamen zusätzlich noch die Bereiche Ingenieursbau, Spezialtiefbau sowie Industrie- und Stahlbau hinzu. In Deutschland hat das Unternehmen eine Niederlassung in Werne (Nordrhein-Westfalen). Zudem gibt es mehrere Büros; das nächste ist in Eching nahe München. Die Baustellen befinden sich in Österreich, Deutschland, Skandinavien und England, wie Projektleiter Arnold schilderte.

Dessen Part war es auch, das Leben der heiligen Barbara von Nikomedia vorzustellen, die als Märtyrerin verehrt wird. Sie lebte im dritten Jahrhundert und war die Tochter eines reichen heidnischen Kaufmanns, die sich weigerte, trotz der Qualen des Vaters den christlichen Glauben aufzugeben. Die Tochter wurde nach einem Gerichtsverfahren zum Tode verurteilt und vom eigenen Vater enthauptet. Zuvor hatte sie sich in die Felsspalte eines Tunnels geflüchtet, was ihr aber nicht half. Ihre Symbole sind der Turm, der Palmzweig und die Leuchte.

Aufgabe der Tunnelpatin soll es sein, den Mineuren beim Vortrieb Glück zu bringen und „gute Seele der Baustelle“ zu sein. Seit Menschengedenken, so Projektleiter Arnold, habe es unter Tage ein Betretungsverbot für Frauen gegeben. Ausgenommen war immer nur die Tunnelpatin. Das mit dem Betretungsverbot sei jetzt nicht mehr so.

Die Mitarbeiter der Firma BeMo arbeiten, wie Arnold auf Nachfrage des Kreisbote erklärte, im Rhythmus „Zehn Tage auf der Baustelle – vier Tage frei“. Jeden Tag gibt es zwei Schichten. Es wird nahezu rund um die Uhr gearbeitet. Beim Ausheben der Schichten am Nordportal Nordseite habe man inzwischen die sechste von elf Lagen erreicht, informierten Arnold und sein Stellvertreter, Bauleiter Bernhard Hackl.

Der Tunnel bei Bertoldshofen, knapp 600 Meter lang, ist derzeit die größte Maßnahme im Allgäu, wie Bereichsleiter Markus Kreitmeier vom Staatlichen Bauamt Kempten verdeutlichte. Hinzu komme gleichzeitig der dreistreifige Ausbau der B 472 zwischen Bertoldshofen und Ob, wofür der Staat weitere 20 Millionen Euro investiere. Für den Tunnelbau greife die Behörde auf das fachliche Know-how der Autobahndirektion Südbayern zurück, wo es Spezialisten in der Planung, Ausschreibung und Überwachung von Tunnel-Baumaßnahmen gibt.

jj

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