„Ein echtes Leuchtturmprojekt“

Fachklassen-Neubau am Jakob-Brucker-Gymnasium auf der Zielgeraden

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Höchstmöglicher Ertrag: Die Fotovoltaik-Elemente sind möglichst flach angeordnet, damit in Abhängigkeit vom Sonnenstand keine gegenseitige Verschattung erfolgt.

Kaufbeuren – Noch stehen die Baugerüste für die Verkleidung der Außenhülle am Neubau für die zukünftigen Fachklassen des Jakob-Brucker-Gymnasiums. Aber im Inneren sind die verschiedenen Handwerksgewerke intensiv damit beschäftigt, hochkomplexe Technik in die Räumlichkeiten einzurüsten.

Bei einem von der Stadt initiierten Presserundgang mit beteiligten Architekten- und Ingenieurbüros wurde deutlich, dass bei der Konzeption dieses Gebäudes zum Teil völlig neue und zukunftsweisende Wege begangen wurden. Besonderes Lob gab es dabei für die Schule, die Testverfahren in bestehenden Klassenräumen ermöglichte und alle Entscheidungen voll mittrug. „Hier entsteht ein echtes Leuchtturmprojekt, welches große Wirkung entfalten wird“, sagte Baureferent Helge Carl.

Während der Sommerferien hat sich am neuen Fachklassentrakt einiges getan. Die Fassadendämmung wurde montiert und alle Fenster sind eingesetzt. Die auf dem Dach fertig installierte Fotovoltaik-Anlage wartet nur noch auf ihren Anschluss im Haus, um dann im Verbund mit zwei Wärmepumpen die gesamte Energieversorgung sicherzustellen. Doch damit nicht genug: Als Gebäude mit sogenanntem Energie plus-Standard werden nur etwa zwei Drittel der erzeugten Energie im Haus benötigt, der Rest steht für die anderen Gebäude auf dem Gelände zur Verfügung. Möglich wird dies auch durch eine „extrem hochgradig gedämmte Hülle“ aus Steinwolle und Alu-Verblendung, wie Markus Merz von dem für Ausschreibung und Bauleitung zuständigen Büro mse Architekten in Kaufbeuren erklärte. Im Zusammenspiel aller Komponenten hat dies laut Carl Fördermittel aus dem Bundesprogramm für Investitionen in die Schulinfrastruktur generiert. Geld, welches auch für ein Monitoring nach Inbetriebnahme zur Begleitung des Bauherrn zur Verfügung steht. „Die ursprünglichen Planungsparameter werden dabei längere Zeit überprüft und gegebenenfalls nachjustiert“, so Kurt Güttinger vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Kempten.

Innovative Technik

„Das Grundwasser spielt bei allem eine wesentliche Rolle“, führte Güttinger aus und sprach von einer „glücklichen Gegebenheit“. Im Winter werde es zur Erwärmung und im Sommer zur Kühlung der Räume durch zu etwa 80 Prozent thermisch aktive Decken genutzt. Dadurch würden insgesamt zwölf Tonnen CO2 eingespart. Einen höchstmöglichen Ertrag liefert laut Dr. Thomas Lutzenberger vom Ingenieurbüro in Mindelheim die auf dem Dach montierte Fotovoltaikanlage. Durch flache Anordnung zur Vermeidung gegenseitiger Verschattung werden mit 282 Modulen auf 440 Quadratmetern rund 77 Kilowatt in der Spitze erzeugt. Neue Wege wurden auch bei der Beleuchtung beschritten, wobei die LED-Technik in jedem Klassenzimmer helligkeitsabhängig gesteuert werde, was bereits erfolgreich getestet wurde.

„Gestaltung und Technik müssen sich nicht widersprechen“, sagte Benjamin Hardt von köhler architekten aus Gauting, der die zentrale Funktion des neuen Traktes für Chemie, Biologie und Physik mit seinen guten Verbindungen herausstellte sowie das für jedes Klassenzimmer eigene Lüftungssystem mit zentraler Ansaugung und dezentraler Luftabgabe Richtung Fenster erläuterte. Auch das Fluchtwegekonzept ist durchdacht: Im Erdgeschoss führt aus allen Räumen eine Tür direkt nach außen und im Obergeschoss sorgt eine dynamische Fluchtwegesteuerung dafür, dass die im Raum befindlichen Personen durch Anzeigen zum nächsten ungehindert zugänglichen Weg ins Freie geführt werden. Zwei Dachluken öffnen sich automatisch bei Rauchbildung im Gebäude. Für den weiteren Baufortschritt sind laut Helge Carl keine massiven Verzögerungen in Sicht. Dorothea Rutte von der Abteilung Hochbau erwartet den Umzug und die Inbetriebnahme des Fachtraktgebäudes im kommenden Frühjahr.

von Wolfgang Becker

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