„Ein erfolgreiches Geschäftsjahr“

VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu stellt Ergebnis 2017 vor

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Kaufbeuren/Landkreis – „Offenbar machen wir vieles richtig“, freut sich Dr. Hermann Starnecker, Vorstandssprecher der VR Bank Kaufbeuren-Ostallgäu, beim diesjährigen Bilanzpressegespräch. Die Bilanzsumme stieg auf 1,7 Milliarden Euro (2016: 1,6 Milliarden Euro). Auch bei den Kundeneinlagen und im Kreditgeschäft verzeichnete die Bank Zuwächse.

Damit trotzt die VR Bank dem allgemeinen Trend sinkender Erträge und liegt weiterhin über dem Verbandsdurchschnitt der Bayerischen Genossenschaftsbanken. „Die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB spüren wir natürlich schon“, sagt Starnecker. Und auch die ständig zunehmenden Regularien würden der Bank zu schaffen machen. Dennoch kann die Bank eine stolze Bilanz vorweisen: 2017 gab es dreimal Platz 1 für ausgezeichnete Beratung durch die zwei renommierten Testinstitute Finanzmagazin Focus-Money und die Gesellschaft für Qualitätsprüfung.

„Die zunehmende Regulierung der Bundesbank bindet zum Teil erhebliche Ressourcen“, sagt Vorstand Christoph Huber und nennt ein Beispiel. Unter Vorgabe verschiedener Parameter war ein Mitarbeiter einen ganzen Monat damit beschäftigt, Kennzahlen für die Bundesbank über die Auswirkungen der Niedrigzinsphase auf die eigene Bank zu ermitteln. Die Auswirkungen der europäischen Finanzpolitik zeigen sich beim Bilanzgewinn: Dieser sank im dritten Jahr in Folge und liegt nun bei 1,62 Millionen Euro (2016: 1,79 Millionen Euro, 2015: 2,04 Millionen Euro). Auch das Zinsergebnis verringerte sich um 520.000 Euro auf 31,59 Millionen Euro. Dennoch konnte sich die Genossenschaftsbank trotz angespannter Situation wieder gut behaupten. Wenn die Vertreterversammlung Mitte Mai zustimmt, erfolgt aus dem Gewinn noch die Ausschüttung einer vorgeschlagenen Dividende von drei Prozent (2016: 3,5 Prozent) an die Mitglieder der Genossenschaftsbank. Teile des Bilanzgewinns sollen auch genutzt werden, um das Eigenkapital mit 2,74 Prozent (2,5 Millionen Euro) zu stärken.

Herausforderung Digitalisierung

Die größte Herausforderung neben Nullzinsen und Regulatorik ist für Starnecker die Digitalisierung: „Wir erleben im Bankensektor rasante Veränderungen, das traditionelle Bankgeschäft wird geradezu auf den Kopf gestellt. Früher kamen die Kunden in die Geschäftsstelle. Heute fordern sie eine Vielzahl von Kommunikationswegen. Als moderne Bank müssen wir uns alle Zugangswege offen halten: mit Smartphone, online per E-Mail, telefonisch oder persönlich vor Ort.“ Dieser Spagat sei eine riesen Herausforderung.

Zukunft mit VideoService

Aus diesem Grund wurde nicht nur die Internetseite überarbeitet und übersichtlicher gestaltet. Um dem Ziel, Service auch zu erweiterten Öffnungszeiten bieten zu können, hat die Bank als erstes Geld­institut überhaupt gemeinsam mit dem Flughafen München einen VideoService entwickelt: Info­Gate. Dabei kann der Kunde über einen lebensgroßen Monitor live mit einem Mitarbeiter der Bank kommunizieren, jeweils von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr. „Der VideoService ist eigentlich ein zusätzlicher Schalter: Egal ob Überweisung, Dauerauftrag oder Termin beim Berater – das alles kann von Angesicht zu Angesicht mit dem VideoService erledigt werden, auch wenn die Geschäftsstelle geschlossen hat“, erläutert Huber die innovative Technik. Wie berichtet, testet die VR Bank seit Oktober vergangenen Jahres den Service an vier Standorten: In Rieden, Wertach, Markt­oberdorf und Neugablonz. Mit dem VREE-Konto gibt es zudem für Kinder und Jugendliche ein besonderes Angebot, bei dem sie den Umgang Geld lernen können.

2017 ein bewegtes Jahr

Akzente setzte die Bank im letzten Jahr außerdem mit zwei großen Veranstaltungen: Zunächst die 150-Jahrfeier im Modeon mit einem eigens zum Jubiläum geschriebenen Musical sowie dem bekannten Kaufbeurer Kabarettisten Wolfgang Krebs. Im September folgte dann noch der 1. VR Tag im Festspielhaus in Füssen. Der Familientag lockte rund 4.000 Besucher an. Dafür sorgte unter anderem eine Kochshow mit dem TV-Koch und Fernsehstar Nelson Müller.

In diesem Zusammenhang hatte der Vorstandssprecher ein großes Lob für die Mitarbeiter. „Neben all diesen Zusatzbelastungen haben sie ihr Routinegeschäft bravourös gemeistert“, freut sich Starnecker, „das belegen Platz 1 in der Privat- und der Firmenkundenberatung durch Focus-Money sowie durch die Gesellschaft für Qualitätsprüfung, welche bereits nach dem neuen DIN-Verfahren testet.“

Die Stärken

Finanzkrise und Nullzinspolitik – viele Kunden sind verunsichert. Welche Anlageform lohnt sich heute noch? Und wo ist mein Geld sicher? „Ganzheitliche Beratung und solides Wirtschaften“, sind laut Starnecker zwei wichtige Punkte, die der Kunde bei seiner Anlage berücksichtigen sollte. Daraus erarbeiten die Mitarbeiter eine auf den Kunden zugeschnittene Anlagestrategie, die ihm Sicherheit für sein Vermögen und eine Verbesserung der Gesamtrendite bieten.

Überwiegend Wachstum

Die Bank konnte ihre Marktstellung sowohl im Privat- als auch im Firmenkundengeschäft weiter ausbauen: Das Kreditgeschäft wuchs um 7,1 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro an. Auch die Entwicklung der Kundengelder verlief mit einer Steigerung um 4,1 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro sehr erfreulich. Aufgrund der aktuellen Zinssituation bevorzugten die Kunden weiterhin Sicht- und Tagesgeldanlagen. Diese stiegen um 6,3 Prozent und die Spareinlagen um 1,2 Prozent. Reduziert haben sich hingegen erneut die befristeten Einlagen: Diese sanken um 78,3 Prozent auf ein Restvolumen von 2,8 Millionen Euro.

Neben Wertpapieren und Fonds stehen Immobilien weiterhin hoch im Kurs – viele Kunden suchen wegen der niedrigen Zinsen nach wie vor die Anlage in Sachwerten, was 2017 zu weiter gestiegenen Immobilienpreisen führte. Die höheren Preise werden, zumindest teilweise, durch die zinsgünstigen Immobilienkredite ausgeglichen. Dadurch legten die Wohnbaudarlehen mit einem Plus von 9,1 Prozent auf 678 Millionen Euro zu.

Spenden und Crowdfunding

Knapp 168.000 Euro spendete die VR Bank im vergangenen Jahr an Vereine, Gruppierungen, Schulen und Kommunen. Seit Herbst 2017 bietet die Bank engagierten Vereinen und gemeinnützigen Organisationen außerdem eine weitere Möglichkeit, Geld für ihre Vorhaben zu sammeln: Crowdfunding. Über eine eigene Plattform im Internet können so auch größere Projekte mit der Unterstützung Vieler realisiert werden. „Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung – diese genossenschaftlichen Werte sind es, die wir unterstützen wollen“, sagt Huber. „Um diesen Werten mehr Gewicht zu verleihen, haben wir die Crowdfunding-Plattform ins Leben gerufen. Denn hier kommt es auf das Engagement des Vereins an. Wer es schafft, Viele für seine Idee zu begeistern, kann Großes erreichen.“ Dass das klappt, haben die Stadtkapelle Kaufbeuren und der VfL Buchloe bereits vorgemacht und Projekte im Wert von 8.000 Euro bzw. 5.000 Euro realisiert. Zwei weitere Projekte in Wertach und Buchloe laufen schon.

Ausblick

Filialschließungen sind für 2018 nicht vorgesehen. Im Übrigen geben sich die Vorstände verhalten optimistisch. „Nach unseren Planungen werden wir wegen der niedrigen Zinsen nächstes Jahr erstmals wirklich eine Delle in den Erträgen erleben,“, sagt Starnecker, „aber wir sind gut aufgestellt und schauen durchaus positiv gestimmt in die Zukunft.“ „Wir rechnen mit dem jetzigen Zinsniveau“, ergänzt Huber, „der Zins wird in absehbarer Zeit nicht stark ansteigen, sondern langfristig vermutlich eher sehr langsam.“ Auf die Frage nach im Raume stehenden Fusionen antwortet Dr. Starnecker lächelnd: „Es gibt aktuell keine Pläne, aber wir sind für Gespräche immer offen.“

von Wolfgang Becker

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