"Ein schlimmes Jahr"

Das Offizierheim war gut gefüllt: Der Neujahrsempfang von Bundeswehr und Stadt stieß auf breite Resonanz.

Beim gemeinsamen Neujahrsempfang der Bundeswehr und der Stadt Kaufbeuren konnten Oberst Richard Drexl und Oberbürgermeister Stefan Bosse über 300 Gäste im Offiziersheim (OHG) der Bundeswehr begrüßen. Die optimistische Stimmung aus dem Vorjahr war allerdings der harten und ernüchternden Sachlage gewichen, dass durch die Standortentscheidung die Funktionen der TSLw 1 aufgeteilt und an andere Orte verlegt werden sollen. Der Kommandeur sprach von einem „kollektiven Schock“ und der OB von einer „Niederlage, deren Dimension noch immer nicht fassbar ist“. Beide Redner versuchten sich in Ursachenforschung, sahen aber auf örtlicher Ebene ihre Hausaufgaben als gemacht an.

Mit den Worten „Liebe Trauergemeinde“ suchte Oberst Drexl in einem Rückblick nach Gründen für die Entscheidung. Diese habe zwar keine wilden Streiks oder einen Aufstand verursacht, aber für große Niedergeschlagenheit bei den Beschäftigten gesorgt. Er musste jedoch feststellen, dass weder die Anstrengungen im „Optimierten Eigenmodell“ (OEM) noch hervorragende Leistungsdaten ausgereicht hätten. Auch das enorme soziale und gesellschaftliche Engagement der größten Luftwaffenschule habe diese unvorhersehbare Entscheidung nicht verhindern können und über Kaufbeuren hinaus zu einem Kahlschlag in der Region geführt: „Die Luftwaffe verlässt den Flugzeugträger Bayern.“ Kurios nannte der Kommandeur die Anfang Dezember letzten Jahres ergangene Weisung der Wehrbereichsverwaltung, keine Auszubildenden mehr einzustellen. Diese sei Anfang Januar widerrufen worden (siehe Seite 5). Die Auflösung der beiden unterstellten Musikkorps in Neubiberg und Karlsruhe bezeichnete der Oberst als „Schande“. Ausblick Mit Blick in die Zukunft skizzierte Drexl den im Frühjahr erwarteten Realisierungsplan. Voraussichtlich sei mit der Unterstellung zum neu bezeichneten Ausbildungszentrum Ende 2013/Anfang 2014 zu rechnen. Für ein mögliches Kooperationsmodell im Bereich Fluglotsenausbildung wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, welche bis Mitte 2012 ein Konzept erarbeiten soll. Eine Verlagerung nach Untermeitingen und Erndtebrück könnte in Abhängigkeit von Haushaltsmitteln bis 2018 erfolgen. Der Kommandeur versprach, die Rolle in Stadt und Region bis zum letzten Tag wahrzunehmen und nannte beispielhaft die Unterstützung von Projekten wie „Helfen macht Schule“, „Urlaub ohne Koffer“, Altenweihnacht, „Wärmestube, Frauenhaus und Hospizverein. „Aufstehen!“ „Erfolg heißt, einmal mehr aufstehen als hinfallen.“ An diese Weisheit von Sir Winston Churchill knüpfte Oberbürgermeister Stefan Bosse das Motto seiner diesjährigen Rede zur aktuellen Situation mit dem Begriff „Aufstehen“. Er skizzierte die Aktivitäten zum Erhalt des Fliegerhorstes und kam zu dem Ergebnis, „dass man nicht mehr tun konnte“. Er stellte klar, dass die Stadt weder das riesige Gelände noch die Gebäude brauche und machte deutlich: „Wenn wir die Entscheidung drehen könnten, würden wir sie drehen!“ Die Stadt sei froh um jeden Tag, den die Bundeswehr bleibt. Er sei sich aber mit dem Stadtrat einig, den Rückschlag zu überwinden und den eingeschlagenen Weg an Maßnahmen fortzusetzen. Zukunft Kaufbeurens Die Entwicklung des Kommunalunternehmens Kliniken Kaufbeuren-Ostallgäu bezeichnete der OB als „Schicksalsfrage“. Eine sinnvolle Alternative zu einer engen Kooperation zwischen Landkreis und Stadt gebe es aber nicht. In seinen Ausführungen ging Bosse auch auf die Themen Haushalt und Wirtschaft ein. Durch die Schlüsselzuweisungen des Freistaates Bayern in Rekordhöhe sei aller Voraussicht ein Haushalt ohne Nettoneuverschuldung möglich. Mit dem bald eröffneten Modepark Röther und dem Baubeginn des Unternehmens HAWE seien Impulse für Kaufbeuren zu erwarten. 2012 werde ein Jahr mit reger Bautätigkeit. „Wir bauen Kaufbeurens Zukunft“, so der OB und nannte beispielhaft Maßnahmen am Neuen Markt, an mehreren Schulen und am Klinikum. Damit würden bei solider Finanzplanung wichtige Impulse für die Stadt gesetzt. Abschließend bedankte sich das Stadtoberhaupt bei allen Menschen, die ehrenamtlich tätig sind und unser Zusammenleben in vielen Bereichen verbessern. Der Empfang wurde von einer Bläsergruppe des Luftwaffenmusikkorps 1 aus Neubiberg musikalisch umrahmt.

Auch interessant

Meistgelesen

Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Gewinnspiel: Wir verlosen Ferien-Freizeitpakete im Wert von 5.000 Euro
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Neuer Lebensabschnitt wartet
Neuer Lebensabschnitt wartet
"Von Bürgern für Bürger"
"Von Bürgern für Bürger"

Kommentare