Zeit für einen Plausch

Ein Stimmungsbild unter Marktbestückern am Wochenmarkt in Neugablonz

Wochenmarkt in Neugablonz.
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Die Kundschaft hält sich an die Regeln und das Tragen von FFP2-Masken am Wochenmarkt in Neugablonz.

Neugablonz – Neugablonz schläft noch tief und fest, wenn einmal die Woche in der Früh die Markthändler ihre Stände auf dem Neuen Markt aufbauen. Immer am Samstag kommt dann Leben im Bereich des Gablonzer Hauses auf. Viele nutzen auch in Corona-Zeiten das frische Warenangebot. Dabei nehmen sie die derzeitigen Auflagen in Kauf.

Geduldig, mit dem gehörigen Abstand, warten die Kunden an jedem Stand. Kein Meckern, kein Vordrängeln – es geht gesittet zu, auch wenn es in Corona-Zeiten etwas länger dauern kann. Mit Einkaufskörben oder Taschen sind die meisten ausgestattet. Alle tragen vorbildlich eine FFP2-Maske, die seit dem 18. Januar nicht nur in allen öffentlichen Verkehrsmitteln sowie im Einzelhandel und in Arztpraxen, sondern auch auf Wochenmärkten Pflicht ist.

Besonders für die Älteren ist der Besuch auf dem Wochenmarkt ein Lichtblick. „Sie sind froh, dass sie raus können. Viele ältere Menschen haben keinen oder kaum Kontakte, sind sogar verwitwet. Ein netter Plausch ist immer drin“, erzählt Christine Gall von der Käserei Stich aus Ruderatshofen, während sie einen Stammkunden bedient. Ob sich das Kaufverhalten verändert habe? „Ja, sehr sogar. Es kommen weniger Menschen“, kann sie es nicht ganz abschätzen, ob es nun am Tragen von FFP2-Masken oder der allgemeinen Situation liegt.

Direkt nebenan, aber mit dem nötigen Abstand, hat sich Dodel’s Wurstmobil aus Markt­oberdorf platziert. Zusammen mit einer Mitarbeiterin verkauft Chefin Barbara Dodel ihre frischen Waren. Auch sie hat kurz Zeit für ein Gespräch. „Das Geschäft im ersten Lockdown war der Wahnsinn“, erzählt sie hinter ihrer Plexiglasscheibe. „Jeder ist auf den Wochenmarkt gekommen.“ Nun sei es dann doch wetterabhängig.

Am Tag zuvor in Marktoberdorf gab es Dauerregen, in Neugablonz spielte das Wetter den Markthändlern dann glücklicherweise in die Karten. „Der erste Schwung kommt schon gegen 6.45 Uhr“, erzählt sie. „Die Maskenpflicht hindert die Kunden nicht an einem kleinen Plausch.“ Ganz im Gegenteil: „Sie suchen sogar das Gespräch, weil es vielen leider an den sozialen Kontakten fehlt. Wir haben viel Spaß und kommen alle gut miteinander aus“, widmet sie sich wieder einem wartenden Kunden.

Schräg gegenüber unter einem weißen Zelt verkauft Michael Morgenstern aus Kempten seine frischen Brot- und Backwaren. Er hat eine andere Sichtweise. Seiner Meinung nach seien in letzter Zeit mehr Menschen auf den Markt gekommen. „Eine Zeit lang war es noch erlaubt, ohne Masken den Wochenmarkt zu besuchen“, erinnert er sich zurück. Trotzdem habe sich das Kaufverhalten aus seiner Sicht verbessert. „Die Kunden sind gut drauf, lassen sich in eine Unterhaltung verwickeln und halten sich an die Regeln“, so der Oberallgäuer. Was ihm allerdings fehlt, ist die Gesichtszüge zu sehen. Das fühle sich dann doch etwas komisch an. „An den Augen erkenne ich aber, ob die Kunden gut drauf sind oder nicht.“

Sarah Schünemann wünscht ihren Kunden stets eine gute Gesundheit, wenn sie sie verabschiedet. Schünemann kommt aus einem Ronsberger Familienbetrieb. Der Fisch sei im Allgäu zwar nicht so beliebt wie das klassische Schnitzel, erzählt sie, dennoch habe der Verkauf von unterschiedlichen Fischen angezogen. „Es kommt auch aufs Wetter an. Bei strahlendem Sonnenschein rennen die Kunden uns die Stände ein, bei Regen ist der Markt leer.“ Hauptgesprächsthema bleibe aber die Coronakrise.

Stefan Günter

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