Eine bundesweite Bedeutung

Bei der jüngsten Versammlung des Naturschutzgroßprojekts „Moorallianz“ konnten die Vorsitzenden, die Landräte Johann Fleschhut (Freie Wähler) und Gebhard Kaiser (CSU), eine erfolgreiche Bilanz des ersten Jahres ziehen. Der Zweckverband ist einer der fünf Sieger im bundesweiten Wettbewerb „chance.natur – Zukunftspreis Naturschutz“. Ziel des Projektes ist, die Allgäuer Moore in ihrer Vielfalt und Bedeutung für das gesamte Ökosystem der breiten Bevölkerung nahe zu bringen, zu erforschen und teilweise auch touristisch zu erschließen.

Dabei spielt die Zusammenarbeit mit den Institutionen des Naturschutzes sowie mit den ansässigen Landwirten eine zentrale Rolle. Wie bedeutsam das Projekt nicht nur für die Region ist, stellte Projektleiter Günter Riegel auf der Verbandsversammlung eindringlich dar: erste Untersuchungen im Rahmen des Pflege- und Entwicklungsplans haben ergeben, dass beispielsweise von den 75 in Bayern vorkommenden Libellenarten bereits jetzt 47 in den Allgäuer Mooren gefunden wurden. Darunter sind mehrere seltene und vom Aussterben bedrohte Arten wie die Arktische Smaragdlibelle oder die Kleine Moosjungfer. Dies weist den Mooren eine zentrale Bedeutung auf Bundesebene, ja sogar für den ganzen mitteleuropäischen Raum zu. Und vieles ist bislang noch unentdeckt, denn das Kerngebiet des Projekts umfasst rund 15000 Hektar. Von besonderem Interesse sind beispielsweise die Moorlandschaften im Kemptener Wald, im Sulzschneider Forst und am Bannwaldsee (Schwangau), daneben das Elbseegebiet und der Wirlinger Wald (um Buchenberg). Gegliedert ist die Arbeit des Zweckverbandes in zwei Teile: einmal den Naturschutzteil, in dem zusammen mit Gemeinden, Grundstückseigentümern und Landwirten mögliche Maßnahmen zum Schutz der Gebiete erarbeitet werden. Wichtig sei dabei vor allem, dass gerade die Landwirte „mit ins Boot“ geholt würden, erklärt Günter Riegel, denn diese seien häufig misstrauisch, wenn es um ihren eigenen Grund und Boden ginge. „Jeder Beteiligte profitiert davon, wenn diese einmaligen Ökosysteme geschützt und erhalten werden. Zudem gibt es gerade für die Landbesitzer unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und sich im Bereich Naturschutz oder Tourismus ein zweites Standbein aufzubauen“. Momentan werden wichtige Maßnahmen unter anderem aus dem Fördertopf des bayerischen Klimaprogramms 2010 finanziert. Denn auch hier sei „ohne Moos nix los“, wie Landrat Fleschhut scherzhaft bemerkte. Ziel sei es aber auf lange Sicht, darauf hinzuarbeiten, dass die „Moorallianz“ sich bereichsweise selbst finanziere, betont Gwendolin Dettweiler, die im zweiten Teilbereich, der „Regionalentwicklung“, aktiv ist. Dabei stellt der Tourismus einen Kernpunkt dar. „Wir möchten hier nicht das Rad neu erfinden, sondern mit bereits bestehenden Strukturen und touristischen Knotenpunkten zusammenarbeiten.“ erklärt die Regionalmanagerin. Das Moor soll für die Besucher „mit allen Sinnen erlebbar sein“. Geplant sind beispielsweise Moorbäder im Wellnessbereich, Moorwanderungen und –radtouren, die von sogenannten „Moorbahnhöfen“ ausgehen, Erlebniscamps für Kinder sowie die verstärkte Vermarktung regionaler kulinarische Genüsse wie dem „Moorkräuterkäse“. Gastwirte, Bauernhöfe und ansässige Unternehmen sollen als Partner gewonnen werden. Und auch für Studenten beispielsweise der Biologie wird das Projekt zukünftig eventuell besonders interessant sein: momentan gibt es schon einen Praktikanten, Bedarf steigend.

Auch interessant

Meistgelesen

Festzug mit Hindernissen
Festzug mit Hindernissen
Stadt in festlichem Gewand
Stadt in festlichem Gewand
Silikon entzündet sich
Silikon entzündet sich
Behinderungen auf der B12
Behinderungen auf der B12

Kommentare