Ausschuss beschließt zunächst Sanierungen in Bertoldshofen

Kanalerweiterung kostet Millionen

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Ausreichend dimensioniert und vor allem dicht müssen die Kanäle auf Marktoberdorfer Flur sein. Ihr Werterhalt ist ein teures Gut.

Marktoberdorf – Rund zehn Millionen Euro muss die Stadt in den kommenden Jahren womöglich für die hydraulische Sanierung des Kanalnetzes aufbringen. Hinzu kommen jährlich zwischen 600.000 und 700.000 Euro, die für bauliche Maßnahmen einzuplanen sind.

Da musste auch so mancher erfahrene Stadtrat kräftig schlucken, der im Stadtentwicklungsausschuss vergangenen Montag den Ausführungen des Sachverständigen lauschte. Den Sachstandbericht zur Erneuerung und Erweiterung der Kanäle stellte Ralph Mimler, Leiter Wasserwirtschaft des beauftragten Ingenieurbüros Riwa/Kempten, den Ausschussmitgliedern vor. Seit 2009 arbeiten Mimler und seine Kollegen an der Überprüfung des insgesamt rund 200 Kilometer langen Kanalnetzes auf Marktoberdorfer Flur. Dabei werden Kanäle und Schächte auf Undichtigkeiten und Überlaufgefahren hin untersucht. 

Mimler erinnerte daran, dass Kommunen per Gesetz dazu verpflichtet seien, ihr Kanalnetz alle zehn Jahre komplett zu überprüfen. Das sei vorgegeben, damit Abwasser aus Rohrleitungen nicht das Grundwasser verschmutze oder überlaufende Schächte nicht zu Überschwemmungen führten. Aus der Überprüfungspflicht ergebe sich automatisch auch ein Sanierungszwang, so der Experte. Denn gehe die Stadt ihren Pflichten nicht nach, müsste sie im Fall undichter Leitungen oder überschwemmter Keller für die Schäden aufkommen. 

Für Marktoberdorf kommt es nun dick. Bauliche Maßnahmen am Kanalnetz kosteten die Stadt seit 2009 bereits rund 3,5 Millionen Euro, im Jahr 2015 sollen weitere 650.000 Euro für die Sanierung der Schmutzwasserkanäle in Bertoldshofen hinzukommen. Der Stadtentwicklungsausschuss beschloss noch am vergangenen Montag einstimmig, diese Summe in den Haushalt für das laufende Jahr einzustellen und die Sanierung entsprechend in Auftrag zu geben. Ralph Mimler betonte, dass mittlerweile 90 Prozent des Kanalnetzes im Stadtgebiet überprüft seien. Die Ortsteile Rieder und Sulzschneid würden im laufenden Jahr noch kontrolliert. 

Wo allerdings das Kanalnetz nicht ausreichend für Starkregenereignisse dimensioniert ist, muss die Stadt nachbessern und tief in die Tasche greifen. In Marktoberdorf selbst, so ergaben Mimlers Untersuchungen, gebe es viele Straßenzüge, die eine Entlastung bräuchten. Die kostenintensivste Maßnahme macht dabei eine neu zu errichtende unterirdische Zuleitung (ein so genannter Sammler) von Marktoberdorfs Süden zum Regenüberlaufbecken in Thalhofen aus. Dieser Sammler Langweg würde wegen seiner Länge von fast zwei Kilometern und der sich daraus ergebenden Tiefe rund 7,1 Millionen Euro kosten, kalkulierte das Ingenieurbüro Riwa. 

Ein „immenser Aufwand“, wie auch Bürgermeister Wolfgang Hell zugestand. Deshalb hatte die Stadtverwaltung beschlossen, Mimler und das Ingenieurbüro Riwa mit der Berechnung und Einschätzung möglicher Varianten zu beauftragen. Beispielsweise wäre eine Abkopplung des Regenwasser durch eine Vielzahl von Sickerschächten denkbar. „Jetzt wird erst einmal durchkalkuliert“, sagte Hell. Bis Ende 2015 kündigte er eine Gegenüberstellung der Varianten zur Entscheidungsfindung an.

von Angelika Hirschberg

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