Eine Ära in Kaufbeuren

Zweiter Bürgermeister Gerhard Bucher beendet sein politisches Wirken

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Nach einem in jeder Form erfüllten Leben mit der Politik und für die Gesellschaft geht Gerhard Bucher nun in eine mehr privat geprägte Zukunft.

Kaufbeuren – Es gibt Menschen in der Stadt, die den Namen „Bucher“ besser zuordnen können, als den eines Landes- oder Bundespolitikers. Das ist auch kein Wunder, denn schließlich beendet Gerhard Bucher nach 36 Jahren im Stadtrat und 24 Jahren als Zweiter Bürgermeister und Stellvertreter des Oberbürgermeisters mit Ablauf des 30. April seine politische Tätigkeit im Ehrenamt für die Stadt Kaufbeuren.

Damit prägte der im Ortsteil Kemnat Ansässige seit Jahrzehnten maßgeblich die Geschicke der Stadt mit. Der Kreisbote sprach mit dem 75-Jährigen über ein Leben mit der Politik und für die Stadt.

„Ich habe mich schon als junger Mann für die Politik interessiert“, erzählt Bucher. „Das leidenschaftlich gerne gespielte Schafkopfspiel habe ich aufgehört und stattdessen am Stammtisch mit diskutiert, wenn sich die Älteren unterhalten haben.“ Insbesondere in der Diskussion über die Gebietsreform 1972 der bis dahin selbstständigen Gemeinde Kemnat. Er sei von Anfang an ein Verfechter für die Zuordnung zu Kauf­beuren gewesen, weil er dort gerade mit Blick auf die Schulen mehr Potenzial gesehen habe, als bei der ebenfalls möglichen Angliederung an Irsee. Damit war das Interesse an politisch aktiver Beteiligung und eigener Übernahme von Verantwortung endgültig geweckt.

So kandidierte Gerhard Bucher 1978 erstmalig für den Kauf­beurer Stadtrat, im Ergebnis reichte Platz 22 bei der CSU aber nicht aus. Der Sprung ins Gremium gelang dann 1984, als Bucher auf Platz 16 landete. „Damit zog ich als letzter Kandidat für die Partei in den Stadtrat, womit ich sehr zufrieden sein konnte, denn ich war ja in der Stadt kaum bekannt, sondern privat und beruflich mehr im Umland unterwegs“, erinnert sich der Senior.

Meilensteine

„Ein Anliegen war mir immer die Osttangente“, sagte Bucher auf die Frage nach prägenden Erinnerungen. „Bei Vergleichen mit anderen Städten hatten diese ihren innerstädtischen Verkehr besser gelöst.“ Das hätte sich durch die ganze Amtszeit gezogen, sei bis heute nicht gelöst und mache andere Lösungen beispielsweise für Radwegeanbindungen schwieriger. Besonders positiv ist dem zukünftigen „Privatier“ ein Projekt in Erinnerung, an dem er maßgeblich beteiligt war: der Ausbau des Reifträgerweges. Nach langen Jahren der Diskussion mit Streitereien war es Bucher geglückt, durch Verhandlungen die jetzige Lösung zu erreichen. „Der endgültige Verlauf fehlt aber leider noch, denn eigentlich müsste die Straße direkt auf der OAL 6 zwischen Pforzen und Germaringen münden.“ Sie befindet sich am Ende des Reifträgerweges und ist über einen Weg in rund 500 Meter Entfernung mit einem an der OAL 6 angegliederten Pendlerparkplatz verbunden.

Bei der erstmalig angestrebten Kandidatur für den Landtag 1994 schaffte der Listenkandidat Bucher den Sprung nicht und landete letztlich als erster Nachrücker für Schwaben. 2003 dagegen war er nach seinen Worten von eigenen Parteifreunden regelrecht „ausgebootet“ worden, indem durch einen weiteren, relativ unbekannten Listenkandidaten, sein Einzug in den Landtag verhindert worden war. „Es gab natürlich keinen Anspruch auf das Amt, aber ich hätte es mit dem aufgebauten Netzwerk gerne gemacht und auch gekonnt“, klingt es zwar enttäuscht, aber ohne Groll aus Buchers Mund.

Wenig Freiraum

Ein starker Rückhalt war von Anfang an seine Ehefrau Afra, der zudem ein großer Anteil für die Erziehung der vier Kinder zufiel. „Sie hat mich immer unterstützt. Allerdings sind die Kinder aus heutiger Sicht damals etwas zu kurz gekommen“, erläutert Bucher. „Doch sie haben bei den vielen Aktivitäten in den Vereinen für das Gemeinwohl bestimmt auch etwas Positives mitbekommen.“ Es habe wenig Freiraum gegeben, „man funktionierte halt“, aber es habe auch Zeiten gegeben, die aufgrund der Begeisterung keine Belastung dargestellt hätten. Heute würde er selbst bezüglich Schule und Ausbildung von vorneherein andere Weichen stellen und damit günstigere Voraussetzungen für viele Pläne schaffen.

Zukunftspläne

Für die Zukunft hat Gerhard Bucher noch einiges vor. Ganz oben auf der Liste steht die klassische Alpenüberquerung auf dem E5 von Oberstdorf nach Meran durch die Allgäuer, die Lechtaler und die Ötztaler Alpen, die für viele Wanderer als Überquerung des Alpenbogens einen Traum darstellt. Nach wie vor spielt aber auch seine Familie eine große Rolle, mit der er sich auf gemeinsame Hüttenabende freut. Er möchte seine Gesundheit und das Leben genießen und natürlich: Wie bisher auch viele Menschen in Stadt und Land treffen und damit weiterhin „nah am Menschen“ sein. Für sein Wirken und die langjährigen Verdienste um das Gemeinwohl wird Gerhard Bucher mit der Verleihung des Kaufbeurer Ehrenrings gewürdigt. Dies hatte der Kaufbeurer Stadtrat in seiner letzten Sitzung der ablaufenden Periode einstimmig beschlossen.

Doch manchmal wiederholt sich Geschichte: Im neuen Stadtrat wird wieder ein Gerhard Bucher die Interessen der Kaufbeurer Bürger vertreten: Der namensgleiche älteste Sohn des ausscheidenden Bürgermeisters wird ab 1. Mai im Stadtrat sitzen und damit in die Fußstapfen seines Vaters treten.

von Wolfgang Becker

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