Tonspuren 2015 tauchen in die Welt des Theaters ein

Inspirierend und experimentell

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Auch eine Videoinstallation mit Live-Sound ist im Rahmen des Projekts „Spurensuche“ entstanden.

Irsee – In den historischen Mauern des Klosters Irsee verbindet sich die Geschichte mehrerer Jahrhunderte einmal im Jahr beim Musikfestival Tonspuren mit unkonventionellen sinnlichen Musikerlebnissen.

In experimentell angelegten Projekten wollen die Künstlerinnen und Künstler der Tonspuren sich auf eine Entdeckungsreise in die Welt der Musik begeben und im musikalischen Erleben Neues entdecken und entstehen lassen. Entstanden ist auch in diesem Jahr, in dem die Tonspuren erstmalig in die Welt des Theaters eingetaucht waren, ein begeisterndes Programm, das sich in Konzerten, Präsentationen und Dialogen auf vielfältige Weise künstlerisch mit dem Thema „Erinnerung“ auseinandersetzte. 

Drei wesentliche Kriterien, die sich in den Festivals wiederfinden sollen, haben die Initiatoren der Tonspuren erarbeitet: Internationalität, Regionalität und Musikvermittlung. Diese Ansprüche lassen sich – mit Blick auf die Geschichte des Klosters Irsee – mit der Person des aramenisch-christlichen Mönchs Komitas Vardapet verbinden. Sein Schicksal und das von rund 1,5 Millionen Armeniern, die in einem grausamen Völkermord im vergangenen Jahrhundert ihr Leben lassen mussten, weisen Parallelen zur wechselvollen Vergangenheit des Klosters Irsee auf. 

Diese Nähe zur Geschichte Irsees waren für den Gitarristen und künstlerischen Leiter der diesjährigen Tonsuren, Marc Sinan, ausschlaggebend, in Koproduktion mit dem Berliner Maxim-Gorki Theater die Geschichte des Mönchs in einem dokumentarischen Musiktheater festzuhalten, das den Auftakt der Tonspuren 2015 bildete. 

Musikvermittlung als zentrales Element der Tonspuren 

Der pädagogische Charakter der Musikvermittlung bei den Tonspuren steht dabei für Dr. Stefan Raueiser, Leiter des Schwäbischen Tagungs- und Bildungszentrums Kloster Irsee, neben dem musikalischen Erlebnis als „integraler Bestandteil“ im Zentrum des Festivals. Deshalb waren zentrale Programmpunkte im Festverlauf auch den jungen Nachwuchskünstlern gewidmet. 

Im Rahmen des Ferienprogramms „Kinderspuren“ hatten sich Kinder aus dem Raum Irsee kreativ mit dem Thema Erinnerungen auseinandergesetzt und spielerisch entdeckt, wie Erinnerungen durch Musik wiedergegeben werden können. Die Kinder hatten sich auf die Suche nach Liedern, Geschichten und Erinnerungen aus ihren Familien begeben und seien so den „musikalischen Biographien“ ihrer Familien begegnet, so die Veranstalter. Diese wurden in einem musikalischen Memory umgesetzt und am Samstag in einer Werkstatt den Zuhörern präsentiert. 

„Spurensuche – Erinnerung im Hier und Jetzt“ 

Seit Dezember haben darüber hinaus Studierende der Staatlichen Berufsfachschule für Glas und Schmuck Kaufeuren-Neugablonz und der Berufsfachschule für Musik Krumbach in mehreren Workshops gemeinsam mit Besuchern der „Blauen Blume“, einer Begegnungsstätte für ältere Menschen, an ihrem Projekt gearbeitet. 

In Gesprächen, dokumentiert und festgehalten auf Ton- und Videoaufnahmen, waren die Workshop-Teilnehmer den Spuren der Erinnerung der Seniorinnen und Senioren gefolgt, die es in einer abschließenden Projektwoche klanglich und gestalterisch umzusetzen galt. Entstanden ist laut Information der Veranstalter eine „multimedial inszenierte Performance“, die nicht nur die Erinnerung, sondern auch das Vergessen von Erinnerung im Alter thematisiert. 

Auch hier verbanden sich in den Präsentationen Elemente des Theaters mit der Musik und ließen so außergewöhnliche Kunstwerke entstehen, die alle Sinne ansprachen und so die Erinnerungen der Seniorinnen und Senioren in klanglichen Collagen kreativ aufarbeiteten und bewahrten. 

Regisseur Patrick Schimansky führte Regie beim Projekt „Spurensuche – Erinnerung im Hier und Jetzt“. Er zeigte sich erfreut über die Offenheit der Workshop-Teilnehmer, „installativ und performativ zu arbeiten“, wodurch sich die Ideen der Jugendlichen mit aktuellen Ansätzen des deutschen Theaters „sehr in Deckung bringen lassen“. Die Arbeiten zu ein und demselben Thema seien „erstaunlich unterschiedlich ausgefallen“. 

Am Sonntag präsentierten die Studierenden ihre Ergebnisse des Begegnungsprojekts dann in Form eines Rundgang durch die Klostermauern der Öffentlichkeit, in dem die Besucher in die visualisierten und „verklanglichten“ Erinnerungen der Besucher der „Blauen Blume“ eintauchen konnten. 

Das Konzert am Sonntagabend in der Klosterkirche bildete dann das eindrucksvolle Finale der Tonspuren, in dem der via-nova-chor München unter der Leitung von Florian Helgath und die Solisten der Tonspuren die durch Marc Sinan musikalisch intervenierten Originalwerke des Mönchs und Komponisten Komitas Vardapet aufführten.

von Sabrina Hartmann

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