Stadt stellt mit Investor korrigierte Pläne für Afraberg-Bebauung vor

Eine Oberstadt für Kaufbeuren: Pläne für Afraberg

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Der Blick von der geplanten Stadtterrasse vor der Zeppelinhalle sei laut den Planern neben den Freiflächen ein Mehrgewinn für die Stadtbewohner und Gäste.

Kaufbeuren – Die Informationsveranstaltung zu einer neuen Bebauung am Afraberg auf dem rund 3,5 Hektar großen Gelände war eine in mehrfacher Hinsicht gelungene Veranstaltung. Das lag einerseits an der Leitung von Prof. Martin Schirmer durch das dicht getaktete Programm, der das Ergebnis der nach vier durchgeführten Workshops mit ausführlichen Beratungen und Überlegungen ermittelten Planungsüberlegungen zusammen mit Fachleuten vorstellte. Andererseits auch an den gut 150 interessierten Besuchern, die den Weg in das Haus St. Martin gefunden hatten und die Möglichkeit zur aktiven Beteiligung ausgiebig nutzten. Allerdings blieben noch viele Fragen offen, die erst im weiteren Verfahrensverlauf geklärt werden können.

Oberbürgermeister Stefan Bosse freute sich über die zahlreich erschienenen Besucher, darunter auch Florian Biasi als Vertreter des Investors Panntum aus München sowie die beteiligten Architekten und Landschaftsplaner, die auch für Fragen zur Verfügung standen. Er betonte, dass kein „geschlossenes Konzept“ vorgestellt werde, sondern nun die Meinungen der Bürger gefragt seien. In einer Einführung legte Baureferent Helge Carl zunächst noch einmal die Bedeutung der vorgesehenen Bebauungsmaßnahme dar: „Dies ist ein Schlüsselgrundstück von enormer Bedeutung für die Stadt und ihre weitere Zukunft.“ Er prägte den Begriff „Oberstadt“ und zeigte anhand von alten Karten die historischen Bezüge des Areals auf, dem er eine „Scharnierfunktion“ zuwies und das künftig historische Strukturen wie das sogenannte Hauberrisserhaus wieder sichtbarer werden lasse.

Vier Themenfelder

Der aus Würzburg stammende Prof. Schirmer ist Vorsitzender des aus Architekten, Landschaftsplanern, Stadträten sowie dem Bau- und Umweltreferat bestehenden Gestaltungsbeirats. Auch er betonte die große Bedeutung der „Oberstadt“, die den Afraberg mit seinem Freiraum in Form von Grünflächen als Kulisse nutze. Er bezeichnete die räumliche Verbindung vom Rathaus zum Hauberrisserhaus als „identitätsstiftende Sichtachse“, deren Qualität man sich mit dem Blick vom Afraberg aus nutzbar machen könne. In den seit Januar erfolgten vier Sitzungen des Gestaltungsbeirats waren die Themenfelder Nutzungen (1), Erschließung (2), Freiflächen (3) und Stadtbild (4) „ergebnisorientiert“ erarbeitet und in das bestehende Konzept eingearbeitet worden, die Schirmer detailliert vorstellte. Er machte deutlich, dass es sich um einen „ersten städtebaulichen Entwurf auf dem Weg zum Bebauungsplanverfahren“ handele. Dabei wurde er von Thomas Glogger von 3+ Architekten in Augsburg und Landschaftsarchitekt Uli Möhrle unterstützt.

Großes Potenzial

In der vorgestellten Präsentation war erkennbar, dass das Areal mit seinem historischen Bestand (Hauberrisserhaus Ensembleschutz, Zeppelinhalle und alte Gießerei Einzeldenkmäler) sowohl großes Potenzial als auch Herausforderungen für die Planung und Umsetzung darstellen. Ein deutlicher Mehrgewinn bestehe in der Wiederherstellung des ehemaligen Stadtgrabens mit angedeuteter Fortführung der Stadtmauer, einer Stadtterrasse mit Gastronomie vor der als Markthalle mit kleinteiligem Handel nutzbaren Zeppelinhalle und neuen, die Grünflächen erschließenden Wegebeziehungen mit einem tiefer gelegten Panoramaweg an der Hangkante sowie ein Biergarten am ehemaligen Schützenhaus. Auch eine Kita und betreutes Wohnen seien eingeplant, eine barrierefreie Anbindung in der Nähe des Hirschkellers sei noch offen.

„Sehr gute Veranstaltung“

Investor Biasi betonte den Willen zur Umsetzung des städtebaulichen Konzeptes mit dem Beirat und zeigte sich sehr erfreut über die rege Beteiligung: „Das war alles sehr konstruktiv mit den Themen der letzten Wochen.“ Er habe im Vorfeld zugunsten der Freiflächen und des historischen Wertes auf etwa 2.500 Quadratmeter Wohnbebauung am Hauberrisserhaus verzichtet. Auch der OB zeigte sich von der „engagierten und sachlichen Mitarbeit“ der Bürger sehr erfreut, die sich mit fachkundigen Fragen und Anregungen eingebracht hatten. Schirmer sagte gegenüber dem Kreisbote: „Das war eine sehr gute Veranstaltung, dessen Beteiligung der Bedeutung des Objektes angemessen ist.“ Er war auf alle schriftlichen Anmerkungen der Besucher an den Stellwänden zu den Themenfeldern dezidiert eingegangen und hatte sie beantwortet.

In der Diskussion und in schriftlicher Form an den Thementafeln brachten die Besucher ihre Anregungen zu den vorgestellten Plänen ein.

Besucher Günther Kuhn brachte es auf den Punkt: „Insgesamt freut mich der Entwurf mit dem geplanten Freiraum. Aber energetische Fragen oder zur Nachhaltigkeit kommen wohl erst später.“ Referent Carl stellte abschließend den groben Zeitplan vor. Der Bebauungsplan soll bis Ende 2020 stehen und eine Realisierung könnte ab 2021 mit etwa fünfjähriger Bauzeit erfolgen.

von Wolfgang Becker

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