Eine Ära in der Stadtgeschichte

Ein Kaufbeurer Urgestein: Alt-Oberbürgermeister Rudolf Krause feiert seinen 80. Geburtstag Foto: Becker

Das Urgestein der Kaufbeurer Politik, Alt-Oberbürgermeister Rudolf Krause, feiert in diesen Tagen seinen 80. Geburtstag. Aber man sieht es ihm trotz einer gerade hinter ihm liegenden Genesung nicht an. Dem aus Niederschlesien stammenden gelernten Rechtsanwalt wurden schon viele Titel gegeben: „OB zum Anfassen“, „Rekord-OB“ und „Mann des Volkes“ um einige zu nennen. Und es ist ein Vergnügen zu hören, wenn er von Erlebnissen aus vergangenen Zeiten erzählt. Im Gespräch mit dem KREISBOTE blickt Rudolf Krause auf einige Stationen seines Lebens zurück.

In der Erinnerung kann Krause auf schöne Kindheitstage mit sieben Geschwistern im schlesischen Löwenberg zurückschauen, die mit Kriegsbeginn enden. Als der Vater in den Krieg ziehen muss und in russische Gefangenschaft gerät, steht die Mutter allein da. Ein Schlüsseldatum ist der 11. Februar 1945, der Tag seines vierzehnten Geburtstages. An diesem Tag beginnt morgens um halb fünf mit Mutter und Geschwistern die Flucht im Kugelhagel russischer Truppen zum etwa 80 Kilometer entfernten Zittau. Bei härtesten winterlichen Verhältnissen. Und ewig in Erinnerung bleiben ihm auch die Bilder des zerstörten Dresden, was wenige Tage später mit einem Sonderzug erreicht wird. Die Endstation Ottobeuren habe seine Mutter zunächst als „Oberbayern“ interpretiert. Aufbaujahre Nach dem Abitur in Memmingen kam Krause mit der Ausbildung zum Rechtspfleger 1953 nach Oberbeuren. Sein Jura-Studium in München und an der Hochschule für Verwaltungswissenschaft in Speyer finanzierte er sich auch durch Ferienarbeit als Waldarbeiter, im Rollfeldbau am Flugplatz bei den amerikanischen Streitkräften und bei der Stadt. 1957 heiratet Krause seine Frau Irene, die ihm zwei Kinder schenkte. Nach der Zulassung als Rechtsanwalt eröffnet er 1962 eine Kanzlei in Kaufbeuren. Der Start in die Politik erfolgte 1966 eher zufällig als Kandidat der SPD für den Stadtrat. Und bei der Nominierung als OB-Kandidat 1970 rechnete er selbst nicht mit einem Erfolg gegen den haushohen Favoriten und CSU-Kandidaten Hans Espermüller. Er gewann die Wahl mit 264 Stimmen Vorsprung und blieb über 22 Jahre OB. „Die Menschen wollten damals eben einen Juristen“, so Krause. Der Wechsel zu den Freien Wählern nach rund vier Jahren Amtszeit wegen innerparteilicher Querelen tat seiner Beliebtheit keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die FWG verdoppelte mit ihm als Spitzenkandidat 1978 ihre Sitze im Stadtrat von fünf auf zehn. Spannende Zeit Der Alt-OB erzählt von guten Kontakten zu Franz-Josef Strauß und aus seiner Zeit als Mitglied des Rundfunkrates zu Edmund Stoiber bei den wöchentlichen Treffen in München. In seiner Amtszeit gab es Entscheidungen um die Gebietsreform, den Bau von Gymnasium, Hallenbad, Kläranlage und Berufsschulzentrum. Das Gablonzer Haus wurde gebaut und die Fußgängerzone geschaffen. Aber auch der Verlust von Arbeitsplätzen bei den Olympia-Werken und die Ost-Tangente sorgten für Debatten. Ein persönlicher Höhepunkt war der Aufenthalt in Berlin während des Mauerfalls. Zufällig war Krause mit dem Stadtrat am Morgen des 10. November 1989 angekommen und erlebte vier Tage lang ein unbeschreibliches Gefühl „mit Gänsehaut“. Aufenthalte in Amerika und Afrika führten zu Kontakten und Freunden. Der Rücktritt 1992 vom Amt als OB erfolgte auf dringendes Anraten der Ärzte. Nach seiner Genesung war er noch zeitweilig anwaltlich bis 2009 tätig. Rückblick Ein schwerer Schicksalsschlag für die Familie war der Verlust des 20jährigen Sohnes an den Folgen einer Krankheit. „Ich wüsste nicht, was ich anders machen würde“, so der Jubilar und weiter: „Ich habe mich bemüht, auch wenn nicht alles so gelungen ist, wie man sich das vorgestellt hat.“ Er schaue mit Zufriedenheit und einer gewissen Genugtuung zurück. Seinen Hobbys, Reisen und historische Bücher, geht der 80jährige weiter gerne nach. Hat er noch Wünsche? „Ja“, meint er nach kurzem Nachdenken, „ein Buch sollte ich vielleicht mal schreiben.“ Das wäre zu wünschen, denn als Zeitzeuge und aktiver Politiker einer Ära in Kaufbeuren hat Rudolf Krause viel erlebt.

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