Eine "verstümmelte Nebenabteilung"

Rege Beteiligung bei der Eintragung in die Unterschriftenliste gegen die Pläne von Kienbaum beziehungsweise des Verwaltungsrates. Foto: Bauer

Etwa sechs Millionen Euro Defizit , das ist das seit Jahren wirtschaftliche Ergebnis des Klinikverbundes Ostallgäu-Kaufbeuren. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, dieser defizitären Entwicklung zu begegnen, wurde nunmehr Kienbaum & Partner beauftragt, Lösungswege aus der auf Dauer ruinösen Entwicklung zu finden (der KREISBOTE berichtete). Am vergangenen Freitag stellte die Beraterfirma nun dem Verwaltungsrat das mit Spannung erwartete Konzept vor. Vier Konzeptvarianten, die von „Es bleibt beinahe alles wie es ist“ bis hin zur Schließung von drei Standorten reichten die Vorschläge. Die Szenarien „Schließung der Klinik Marktoberdorf“ und „Hochgradige Spezialisierung der Standorte Marktoberdorf, Obergünzburg und Buchloe“ werden nun in ihren Auswirkungen intensiv geprüft, um am 26. Mai eine endgültige Entscheidung treffen zu können.

Natürlich würden vorher alle betroffenen Kommunen und Interessenträger, die Krankenkassen und das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit an der Entscheidung beteiligt, betonte Landrat Johann Fleschhut auf Nachfrage des KREISBOTEN. Auf die Frage, warum man im Verwaltungsrat auch die Möglichkeit der Schließung der Klinik Marktoberdorf ins Auge gefasst habe, erklärte Fleschhut: „Dadurch könnten sehr schnell Einsparungen im siebenstelligen Bereich erzielt werden und der Klinikverbund könnte deutlich schwarze Zahlen schreiben.“ Die zentrale Lage von Marktoberdorf mache ein Abwandern von Patienten in andere Bereiche unwahrscheinlich, außerdem begünstige die geringe Entfernung zur Klinik Kaufbeuren das weitere Aufrechterhalten der medizinischen Versorgung. Für den Fall, dass man sich für das Szenario Spezialisierung entscheide, sollten die Zukunftsfachbereiche Geriatrie und ambulantes Operieren in Marktoberdorf angesiedelt werden. Außerdem müsse man der von Ulrike Propach (Vorsitzende des Fördervereines Krankenhaus Marktoberdorf) geäußerten Einschätzung, die Klinik Marktoberdorf habe in den vergangenen Jahren am besten gewirtschaftet, entgegentreten. Wenn überhaupt, sähe er die Chancen von Marktoberdorf ausschließlich in der Spezialisierung, wobei dann aber auch die Erstversorgung durch den Durchgangsarzt (D-Arzt) gewährleistet werden sollte, erklärte der Landrat. Diese Spezialisierungsoption sah der Großteil der am Montagabend auf dem Rathausplatz versammelten Demonstranten allerdings sehr kritisch. Als „verstümmelte Nebenabteilung von Kaufbeuren“ bezeichnete Gerhard Küster (Stadtrat Grüne) diese Handlungsoption. Für ihn sei es „ein hinterlistiger Plan mit der Absicht, die Filetstücke aus den anderen Kliniken in das Kaufbeurer Millionengrab-Klinikum“ zu verlagern. Er sei es leid, dass in einer Art Salamitaktik ständig am Krankenhaus Marktoberdorf herum organisiert würde, erklärte auch Christian Wagner (Ortsvorsitzender SPD). Er könne nicht verstehen, warum ausgerechnet ein profitables Krankenhaus geschlossen werden solle, außerdem sollte es der Erhalt von fünf Krankenhäusern allen Menschen wert sein, dass es Defizite gebe. Die Organisatorin der Demonstration, Ulrike Propach, dankte den versammelten Menschen für ihr Zeichen, das sie mit ihrem Engagement setzten. Die mögliche Konzentration von Spezialfachrichtungen in Marktoberdorf könnte maximal 30 bis 60 Betten erhalten, außerdem sei eine Notfallversorgung nicht mehr gewährleistet, da der Weg ins Kaufbeurer Klinikum zu weit. Sie forderte die Versammelten auf, sich in die ausliegende Unterschriftenliste einzutragen, sich in Briefen und E-Mails an den Verwaltungsrat zu wenden und außerdem von Leserbriefen Gebrauch zu machen.

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