Theater im Turm spielt Paul Maars beliebtes Familienstück

Eine Woche voller Sams-Tage

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Herr Taschenbier (Bernd Frank) wundert sich: Das Sams (Cornelia Sagner) hat den Papierkorb angeknabbert: „Mmmmh, Plastik – schmeckt guut!“

Kaufbeuren – 28 Jahre nach der ersten Inszenierung von „Eine Woche voller Sams-Tage“ präsentiert das Theater im Turm erneut die Geschichte von Herrn Taschenbier und seinem Sams nach Paul Maars neunbändiger Kinderbuchreihe.

Vergangenen Samstagnachmittag fand im Pfarrsaal Herz Jesu die Premiere des Stückes in der aktualisierten Bühnenfassung statt, unter der gemeinschaftlichen Regie von Alexander Schmiddunser, Tom Schumann und Mario Kämper. Der erfolgreiche Kinderbuchautor und Illustrator Paul Maar gilt schon seit mehreren Spielzeiten als „meistgespielter lebender Theaterschriftsteller“ im deutschsprachigen Raum.

Der stets korrekte Herr Taschenbier, der sich vor seinem Chef Herrn Oberstein, seiner Zimmerwirtin Frau Rotkohl und auch sonst vor fast allem fürchtet, hat eine ungewöhnliche Woche erlebt, mit Ereignissen, die zu den jeweiligen Tagesnamen passten. Nun begegnet ihm am Samstag ein merkwürdiges Wesen: trommelbäuchig, grünhäutig, mit Froschfüßen, roten Wuschelhaaren und blauen Punkten im Gesicht – „kein Affe, kein Schwein, aber auch kein Kind“ – und so schließt Herr Taschenbier messerscharf, dass das ein Sams sein muss. Daraufhin nennt ihn das Sams „Papa“ und erklärt ihm „wer ein Sams erkennt, dem gehört es, der muss es mit nach Hause nehmen und ihm zu essen geben“. Damit stellt es die Welt von Herrn Taschenbier – der glänzend verkörpert wird von Bernd Frank – völlig auf den Kopf. Zunächst knabbert das Sams Herrn Taschenbiers Krawatte, seine Stempelkarte und den Papierkorb an – „Samse essen alles“ – und es kann gerade noch gehindert werden, auch Stücke aus den Möbeln zu beißen. Cornelia Sagner spielt das fröhlich-freche, naive, meist in Reimen sprechende Sams voll kindlicher Logik, das man einfach lieb haben muss. Dass sein Chef anruft und ihm frei gibt und dass Zimmerwirtin Rotkohl ihm „ausnahmsweise“ das gewünschte Hühnchen im Zimmer serviert, hält Herr Taschenbier für puren Zufall. Als er wünscht, seine herrische, ständig keifende Zimmerwirtin säße auf einem Schrank, von dem sie nicht mehr herunterkommt, tritt auch das prompt ein, und das akrobatische Zusammenspiel zwischen Herrn Taschenbier und Frau Rotkohl (Bernd Frank und seine Frau Sabine Frank) bei der Rettungsaktion ist köstlich anzusehen.

Beim Anprobieren im Kaufhaus sprengt das Sams zwei Anzugjacken durch bloßes Einatmen, und aus der reiß-, jedoch nicht bissfesten Lederhose beißt es ein Stück heraus. Schließlich bringt die genervte Abteilungsleiterin (Birgit Ries) einen Taucheranzug, in dem das Sams auch atmen darf „Gummi dehnt sich...“ Herr Taschenbier wünscht, das Sams solle nur einen Tag in der Schule verbringen, um ein bisschen Vernunft zu lernen. Das Sams hält das für einen „blöden Wunsch“, muss ihn aber erfüllen. In der Schule bringt das Sams dann Studienrat Groll (Oliver Chmiel) durch permanentes Duzen und Missverstehen sämtlicher Äußerungen so zur Verzweiflung, dass er die Direktorin (Melanie Claus) zu Hilfe holt. Als diese kommt, hat es aber die Klasse bereits wieder verlassen.

Herrn Taschenbiers Chef Herr Oberstein (Mario Kämper) überhäuft ihn mit Arbeit, während er selbst ins Wirtshaus geht. Natürlich kommt das Sams auch ins Büro. Taschenbier stellt fest, dass das Sams schneller im Kopf addieren kann als seine Rechenmaschine und zusammen erledigen sie die ganze Arbeit in Rekordzeit. Als Oberstein mit „drei oder vier Bierchen zu viel“ zurückkommt, verstellt das Sams alle Uhren und spielt Poltergeist, bis Oberstein Gespenster zu sehen glaubt: „ein rothaariger Affe im Taucheranzug...“ Am nächsten Tag entdeckt Frau Rotkohl das ins Zimmer geschmuggelte Sams. Frau Rotkohl schickt das Sams zum Abwaschen „dieser ganzen blauen Punkte“. Als das Sams wiederkommt, hat es den Mund voll Wasser, mit dem es Frau Rotkohl besprüht. Diese verlangt nun seine Entfernung, aber Taschenbier wird ihr gegenüber erstmals energisch. Das Sams hat inzwischen fast alle seine Punkte eingebüßt und kündigt seinen nahen Abschied an. Taschenbier glaubt nicht an die Wunschpunkte und wünscht sich als Test einen Eisbären (die Regisseure Alexander Schmiddunser und Tom Schumann im Wechsel). Dieser kommt zusammen mit einem veritablen Schneesturm, „denn Eisbären brauchen es kalt!“ Schnell wünscht Taschenbier den Eisbären wieder weg.

Vom allerletzten Wunschpunkt wünscht sich Taschenbier eine Wunschmaschine – die funktioniert aber mangels Einschaltmöglichkeit leider nicht. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als darauf zu warten, dass er noch einmal so eine ungewöhnliche Woche erlebt und das Sams wiederkommen darf.

Ein wieder geniales Bühnenbild, zwei Erzählerinnen (Ulrike Tabery und Gabi Bischoff) und der Chor der Schulkinder, die mit dem Lied von den Wochentagen die Umbauzeiten verkürzen, runden die geschlossene Ensembleleistung ab, die das kleine Premierenpublikum mit begeistertem Applaus belohnte. Ein Besuch der Aufführung lohnt sich aber nicht nur für kleine, sondern auch für große Zuschauer.

von Ingrid Zasche

Aufführungstermine:

• Pfarrsaal Herz Jesu Kirche Neugablonz:

Fr., 2. November, 18 Uhr

Sa., 3. November, 16 Uhr

So., 4. November, 16 Uhr

Vorverkauf: Buchhandlung Menzel, Sudetenstr. 119, Kaufbeuren

• Stadttheater Kaufbeuren:

Sa., 10. November, 16 Uhr

So., 11. November, 16 Uhr

Sa., 17. November, 16 Uhr

So., 18. November, 16 Uhr

Vorverkauf: Lotto Toto Engels, Hafenmarkt 5, Kaufbeuren

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