Eine Zukunft ohne Kernkraft?

Lautstark rufen die rund 40 Demonstranten immer wieder „abschalten, abschalten“. Unterstützt von Kuhglockengeläut, Transparenten und symbolischen Atomfässern tun sie ihre Meinung kund. Der Grund: die Umweltschützer und Atomkraftgegner sind wütend, denn die Bundesregierung prüft eine Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken. Auch die CSU befürwortet den Ausstieg aus dem Atomausstieg – und erntete dafür heftige Kritik in Kaufbeuren. Hier fand am Freitag der CSU-Umwelt-kongress im Stadtsaal statt. Angereist waren unter anderem der bayerische Um-weltminister Markus Söder und CSU-Fraktionschef Georg Schmid.

Im Zukunftsdialog „Gemeinsam Bayern bewegen“ erarbeitet die CSU-Landtagsfraktion gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern Bayerns die Leitlinien der bayerischen Politik für die kommenden zehn Jahre und darüber hinaus. Ein wichtiger Schwerpunkt ist dabei die Umweltpolitik. Beim Klimakongress in Kaufbeuren hatten die CSU-Politiker mit Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft über Umweltpolitik diskutiert und in drei Projektgruppen mit BürgerInnen Lösungswege erarbeiten. Unter den Gästen war auch der Regionalreferent Schwaben vom Bund Naturschutz, Thomas Frey. Aus seiner Sicht sind die Atomkraftwerke „unverantwortlich“. Vor allem der Atommüll sowie ein möglicher „Supergau“ belaste die Materie schwer. Darüber hinaus würde durch eine Laufzeitverlänger-ung die Erneuerbaren Energien ausgebremst. Der Bund Natur-schutz glaubt, dass man bereits in 40 Jahren ohne Atomkraft auskommen könne. Die CSU hingegen sieht das ganz anders. In seiner Rede vor rund 200 Besuchern, unterstrich der bayerische Umweltminister Söder den Willen der CSU, Atomkraftwerke weiterhin am Netz zu lassen. Ein Ausstieg sei im Moment nicht möglich, denn dann müssten rund 60 Prozent des Stroms in Bayern andersartig produziert werden. Aber auch der Klimawandel und seine Folgen wurden auf der Konferenz thematisiert. Laut Söder verfolge die CSU ehrgeizige Ziele in Bayern, „da wir ein Land sind, dass vom Klimawandel besonders betroffen ist, vor allem die Alpen“. Der Bayerische Umweltminister sieht darin aber auch eine Chance durch moderne Technologien, zum Beispiel den CO2-Verbrauch pro Kopf auf unter fünf Tonnen zu senken, regenerative Energien auf 40 Prozent zu erhöhen, also Wasser, Solar und Wind zu stärken. Dies solle laut Söder aber nicht wie in der Vergangenheit allein über Preis und Regulation geschehen, sondern durch „Innovation und Intelligenz“. „Hier kann Bayern eine Vorreiterrolle einnehmen und damit Klimaschutz mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze gut verbinden. Dabei müsse aber Landschaft, Klima und Tourismus berücksichtigt werden. Aber auch Herausforderungen wie eine innovative Speicher-technologie stehen ganz oben auf der Liste der CSU, denn auf längere Sicht wollen die Christsozialen auch ein Ende der Atomkraft und Kohlekraft-werke. Eine Einigung von CSU und Bund Naturschutz in puncto Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke hat es in Kaufbeuren jedenfalls noch nicht gegeben.

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