Mit einer Idee aufwarten, die trägt

Seit etwas mehr als 100 Tagen ist Stephan Stracke (CSU) für die Wähler des Stimmkreises 257 Abgeordneter im Deutschen Bundestag in Berlin. Wie es dem Abgeordneten in den ersten Monaten nach der Wahl ergangen ist und welche Vorhaben ihn gerade beschäftigen, erzählt er im Gespräch mit dem KREISBOTEN.

Seine „Jungfernrede“ hat der 35-jährige Abgeordnete bereits im Bundestag gehalten. Es sei „ein erhebendes Gefühl“ gewesen am Rednerpult zu stehen und in das Halbrondell zu blicken. Gesprochen hat Stracke zu einem Antrag der Partei Die Linke, der sich mit der Abschaffung sämtlicher Zusatzzahlungen im Gesundheitswesen beschäftigte. So schnell als möglich „in den Fachbereich zu kommen“ und sich das nötige Fachwissen anzueignen, war gleich zu Beginn seiner Amtszeit das erklärte Ziel. Nicht einfach für den Juristen, der bis zu seiner Wahl an der Obersten Baubehörde im Bayerischen Innenministerium tätig war. Denn er ist Mitglied im Ausschuss für Gesundheit; einer der derzeit schwierigsten Fachbereiche. Fragen nach der Qualität der Pflegeberufe und der Versorgung der Patienten sind in dem Ausschuss von entscheidender Bedeutung. Es reiche nicht aus nur am derzeitigen Gesundheitswesen zu kritisieren, sondern es müsse sich gefragt werden, was überhaupt gehe und „was wir wollen“, betont Stracke. Und ergänzt, dass „wir bis zur Mitte des Jahres davon eine Idee“ haben müssen. „Wir müssen mit einer Idee aufwarten, die trägt und wirklich mal langfristig ist.“ Denn nicht alle zwei Jahre könne eine Reform im Gesundheitswesen durchgeführt werden. Auch der Bevölkerung müsse dann klar gesagt werden, was möglich sei und auch, „dass es was kosten wird“, unterstreicht Stracke. Doch nicht nur die Einarbeitung in den Ausschuss für Gesundheit, sondern auch in den Petitionsausschuss, den Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie den Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union - bei denen der 35-Jährige stellvertretendes Mitglied ist - beschäftigen den Bundestagsabgeordneten, zudem will er den Kontakt zur Basis halten. Ende März eröffnet er deshalb sein Abgeordnetenbüro an der Alten Weberei in Kaufbeuren. Eingeführt wird dann beispielsweise eine Bürgersprechstunde, die allerdings nicht nur in Kaufbeuren im neuen Büro stattfinden soll, sondern an verschiedenen Orten im Stimmkreis. Derzeit werde auch die Homepage umgebaut und verschiedene Antrittsbesuche stünden im Stimmkreis an. Wichtig ist Stracke, dass er in Berlin stets die Situation in Bayern - speziell des Stimmkreises - miteinfließen lässt. So werde er die Elektrifizierung der Bahnstrecke München - Lindau begleiten. Die Arbeiten dazu sollen zwar noch 2010 beginnen, doch es gebe „noch eine Fülle an Detailproblemen“, wie beispielsweise beim Lärmschutz, berichtet Stracke. Auch der vierspurige Ausbau der B12 oder die Umfahrung von Füssen seien Themen, die angegangen werden müssen. Doch kann er das nicht allein: „Die Kommunen müssen ihre Hausaufgaben machen und zwar zusammen mit dem Landkreis“, fordert Stracke. Zentraler Punkt für ihn ist die Vernetzung. Denn die Region Allgäu liege zwischen zwei Metropolen - Stuttgart und München. Die Zwischenlage müsse optimal ausgenutzt werden, um Projekte überhaupt „anschieben“ zu können. Vergessen werden dürfe auch die Landwirtschaft nicht. Immerhin: „Jeder sechste Arbeitsplatz hängt noch von der Landwirtschaft ab.“ Bundestagsabgeordneter Stracke ist der Überzeugung, „dass wir eine gemeinsame Antwort des Bauernstandes brauchen wie wir uns EU-weit positionieren wollen“. Es müsse mit einer Stimme gesprochen werden. Wichtig sei, dass „möglichst viel für den Landwirt“ am Ende übrig bleibt. Die Einführung des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes und der damit verbundenen Reduzierung der Mehrwertsteuer für das Deutsche Beherbergungswesen von 19 auf sieben Prozent hält Stracke „aus Allgäuer Perspektive“ für sehr positiv. „Jetzt können unsere Betriebe noch bessere Angebote machen und auch investieren.“ Die Wettbewerbssituation zum Nachbarland Österreich werde entschärft und die Hotellerie und Gastronomie werde konkurrenzfähiger. Dass die christlich-liberale Koalition eine bessere Arbeit mache als ihr Ruf, ist Stracke der Überzeugung. Dennoch sei es jetzt entscheidend, dass „die Koalition Fahrt aufnimmt“. Es reiche nicht aus zu sagen, dass es das Jahrzehnt der Erneuerungen sei; diese Aussage müsse hinterfüttert werden. Es werde eine klar erkennbare Linie gebraucht: „Wo sehen wir die Entwicklung Deutschlands in zehn Jahren?!“ Dennoch ist, laut Stracke, positiv hervorzuheben, dass die Bereitschaft schnell zu handeln erkennbar sei, wie am Beispiel des Wachstumsbeschleunigungsgesetz zu sehen ist. Dieses setze deutliche Signale für die Wirtschaft. Einige Schulklassen aus dem Stimmkreis haben den neuen Bundestagsabgeordneten in Berlin schon besucht. Doch nicht nur in Berlin möchte sich Stracke mit den Schülern auseinander setzen, sondern auch vor Ort. Über seine Arbeit in Berlin wird Stracke den Schülern der Beruflichen Oberschule am 16. April in Kaufbeuren berichten. Dabei soll vor allem die Diskussion und der Austausch mit den Schülern nicht zu kurz kommen.

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