Einer der schönsten Plätze

Im historischen Rösslehaus verfügt die Tagesstätte ab sofort über helle und freundliche Räumlichkeiten. Foto: Frisch

Weiter auf dem Gelände des Bezirkskrankenhauses, aber in einem einem eigenen Gebäude, dem historischen „Rösslehaus“, ist ab sofort die Tagesstätte für seelische Gesundheit zu finden. Am vergangenen Montag fand die feierliche Einweihung mit dem Vorsitzenden der Bezirkskliniken Schwaben Thomas Düll und Oberbürgermeister Stefan Bosse statt. Ein „Angebot zur sinnvollen Tagesgestaltung“ will die Einrichtung auch weiterhin für die auschließlich in den eigenen vier Wänden lebenden Besucher sein. 150.000 Euro haben die Bezirkskliniken Schwaben in den Umbau der neuen Räumlichkeiten investiert und werden auch die laufenden Kosten decken.

„Ein naturräumliches Idyll“ nannte Thomas Düll in seiner Ansprache die Lage des Rösslehauses, das die Tagesstätte seit letzter Woche beherbergt. Das Gebäude, das vor rund 175 Jahren errichtet wurde und ursprünglich als Ausflugsziel und Sommerkeller diente, wurde auf zeitgenössischen Postkarten zuweilen als „schönster Platz in Kaufbeuren“ bezeichnet. „Das einzig Negative an diesem Umzug ist, dass uns die Idee dazu nicht früher gekommen ist“, so der BK-Vorsitzende. Der Wechsel aus dem Klinikhauptgebäude sei sinnbildlich dafür, dass die Tagesstätte für die rund 30 Besucher vor allem eine Brücke in den Alltag sein solle. „Die Menschen kommen ausschließlich freiwillig hier her und finden Angebote wie Kunst- und Ergotherapie oder Gesprächsgruppen vor. Auch alltägliche Arbeiten wie Kochen oder Abspülen gehören zum Ablauf“, erklärt Gerhard Becker, der Geschäftsleiter von „Wohnen und Fördern“ der Bezirkskliniken Schwaben. Die Besucher seien aber keine Patienten im herkömmlichen Sinne und würden demnach nicht von Ärzten, sondern Ergotherapeuten und Sozialpädagogen unterstützt. Es gebe auch keine Konzentration auf bestimmte Krankheitsbilder. Oberbürgermeister Stefan Bosse wies in seiner Rede darauf hin, wie sehr sich das Verständnis der Psychiatrie auch in der öffentlichen Meinung mittlerweile gewandelt habe. Sei die Thematik über lange Zeit hauptsächlich „negativ besetzt“ gewesen, werde sie heute in weiten Teilen als das angesehen, was sie sei: „Eine wichtige Hilfe und Stütze für sehr viele Menschen“. Angenehme Orte wie die Tagesstätte in ihren neuen Räumen seien ein sichtbares Zeichen für die positiven Aspekte der Psychiatrie. „Das BKH ist seit Beginn ein integraler Bestandteil unserer Stadt“, so Bosse. Den „Dienst am Menschen“, der hier geleistet werde, lobte auch Pastoralreferentin Adelheid Weigl-Gosse, die zusammen mit dem Geistlichen Thomas Blab eine kleine Segnung mit gemeinsamem Gebet vornahm. Als Symbol für die gegenseitige menschliche Unterstützung, die in der Tagesstätte täglich stattfinde, hängten beide eine Girlande aus Papiermännchen auf. Wie dabei bildlich ein Mensch den anderen halte, so sollten sich auch die Besucher der Einrichtung hier „sicher und geborgen fühlen“. Das Konzept der offenen Tagesstätten sieht Gerhard Becker als zukunftsweisend: „Wir werden in naher Zukunft zwei weitere Tagesstätten in Füssen und Krumbach anbieten können.“ Die Füssener Einrichtung soll demnach noch vor den Sommerferien 2011 eröffnet werden, für einen Neubau in Krumbach seien vor den Osterfeiertagen die erforderlichen Bauanträge gestellt worden.

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