Freier Flug für die Bienen

Einigung zwischen Bundeswehr und Hobby-Imker

Bretterwand an Grundstück Kaufbeuren
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Die lange Bretterwand als Auslöser für den Unmut und der aktuell noch reduzierte Rest der Wand, die in Kürze komplett entfernt wird.

Kaufbeuren – Die Meinungsverschiedenheit zwischen der Bundeswehr am Fliegerhorst Kaufbeuren auf der einen und Hobby-Imker Ralf Nahm auf der buchstäblich anderen Seite des Fliegerhorstzaunes ist friedlich beigelegt. Eskaliert war die Situation Anfang Mai, weil die Bundeswehr eine rund zehn Meter lange Bretterwand entlang des Zaunes aufstellte – ohne vorherigen Hinweis. Aus Sicht von Nahm erfolgte dies quasi als Antwort auf ein zwei Wochen zuvor an den Kommandeur der Ausbildungseinrichtung Oberst Martin Langer gerichtetes Schreiben. Der Bau sorgte für Unmut bei Nahm, der sich daraufhin an die Medien wandte. Die Unstimmigkeiten sind in einem Gespräch am vergangenen Montag ausgeräumt worden und es wurde eine „einvernehmliche Lösung“ gefunden, wie es von beiden Seiten heißt.

Eigentlich keine große Sache, denn in dem von Catrin Riedl als Lebensgefährtin von Nahm Mitte April an Oberst Martin Langer gerichteten Schreiben bekundete diese ihre Gesprächsbereitschaft ebenso, wie der Kommandeur, dessen Antwortschreiben zeitverzögert wenige Tage nach dem Bau der Wand bei Riedl eintraf.

„Friedfertige Sorte Carnica“

Doch die Geschichte von Anfang an, denn sie begann eigentlich schon im letzten Jahr. Im Sommer 2020 hatte Nahm zwei Bienenvölker der seiner Aussage nach „friedfertigen Sorte Carnica“ unmittelbar am Zaun mit Ausflugloch nach Osten hin zum Fliegerhorstgelände angesiedelt, da das sich anschließende Freigelände günstig erschien. In diesem Jahr erfuhr Nahm nunmehr durch eine Nachbarin von der Absicht der Bundeswehr zu einem Zaunbau. Ein daraufhin erfolgter telefonischer Kontakt mit dem für die Infrastruktur und Sicherheit der Liegenschaft zuständigen Kasernenkommandanten brachte keinen Erfolg. Die fehlende Reaktion des Ansprechpartners bezüglich des beabsichtigten Bauvorhabens führte zu dem von Riedl an den Kommandeur des Fliegerhorstes gerichteten Brief.

Zaun als Schutzmaßnahme

In seinem Antwortschreiben wenige Tage nach dem Zaunbau begründete Langer die Maßnahme mit der „Fürsorgepflicht für die Fliegerhorstangehörigen“, die einen Laufpfad nahe des Zaunes „regelmäßig nutzen“. Nach Nahms Darstellung konnte er selbst hingegen „nur selten sportlich tätige Personen“ auf diesem Pfad beobachten und es habe nie einen Vorfall mit den Bienen gegeben. In seinem Schreiben brachte der Kommandeur in seiner Eigenschaft als Standortältester wiederum ausdrücklich den Wunsch nach einem „guten nachbarschaftlichen Miteinander“ zum Ausdruck und zeigte sich gesprächsbereit für eine gemeinsame Lösung.

„Guter Kompromiss“

Bei einem Gespräch am vergangenen Montag zwischen Oberst Langer und Presseoffizier Benjamin Dempfle auf der einen und Catrin Riedl und Ralf Nahm auf der anderen Seite einigten sich beide Seiten auf einen von Riedl vorgeschlagenen zwei­stufigen Kompromiss: Zunächst die Reduzierung der Bretterwand seitens der Bundeswehr auf ein Minimum. Innerhalb von drei Wochen werden die Kästen der Bienenvölker durch Nahm um 90 Grad nach Süden gedreht, sodass eine andere An- und Abflugrichtung entsteht. Danach erfolgt der komplette Rückbau der Wand. „Es war von Anfang an unser Bestreben nach einer einvernehmlichen Lösung“, betonte Riedl. „Wir haben uns vor einigen Jahren ausdrücklich für einen Hausbau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Fliegerhorst entschieden, weil es zwischen Bundeswehr und Bevölkerung ein sehr gutes Miteinander gibt!“ Auch Langer zeigt sich erfreut: „Es war uns sehr wichtig und unser Ziel, in einem ausgewogenen Gespräch miteinander einen Kompromiss zu finden. Das ist gelungen“. „Mit diesem Kompromiss können wir alle sehr gut leben“, sagte der Presseoffizier abschließend.

Wolfgang Becker

  • Kommentar
  • Kanonen auf Spatzen?
  • Das hat bestimmt schon jeder einmal erlebt: Missverständnisse und mangelnde Kommunikation entwickeln manchmal eine Eigendynamik, die von den beteiligten Akteuren nur schwer oder gar nicht mehr eingefangen werden können. Wenn dann von beiden Seiten noch Überaktionismus hinzukommt, fällt sprichwörtlich „das Kind in den Brunnen“ oder „die Kuh bricht im Eis ein“.
  • Im Fall der Bienen am Fliegerhorstzaun kam es zwar nicht zum Kampf „Eurofighter gegen Bienen“. Wenn aber – wie im vorliegenden Fall – auf eine schriftliche Anfrage als Antwort eine zehn Meter lange Bretterwand vor zwei nebeneinander stehenden Bienenstöcken entsteht, ist der Vergleich mit den „Kanonen auf Spatzen“ durchaus angebracht. Dass der betroffene Hobby-Imker sich dadurch düpiert fühlte, ist menschlich verständlich. Sein sofortiges Einschalten der „coronamüden“ Medien brachte – ohne Kenntnis der vermutlich im Dunkeln liegenden Beweggründe – eine Lawine ins Rollen, die für deutschlandweite Aufmerksamkeit mit Blick sowohl auf die Bundeswehr als auch auf die Stadt sorgte.
  • Damit hat die eingangs beschriebene Eigendynamik ihren Lauf genommen – Zaunbau einerseits und sofortige Information der Medien andererseits. Und das, obwohl ja beide Seiten ihre Gesprächsbereitschaft bekundet hatten. Etwas Fingerspitzengefühl und Geduld beiderseits wären angebracht gewesen. Dass Medien so etwas gerne aufgreifen, ist dem Boulevard geschuldet. So kann auch unnötig „Porzellan zerschlagen“ werden – besonders dann, wenn mit „Kanonen auf Spatzen“ geschossen wird!
  • von Wolfgang Becker

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