Mehr als 4000 Menschen besichtigen den Tunnel-Rohbau

Einmalig: Tag des offenen Tunnels in Bertoldshofen

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Einmal im Leben: Vergangenen Freitag konnte die Tunnelbaustelle Bertoldshofen im Rohbau besichtigt werden. Viele tausend Besucher durchwanderten die gigantische Röhre.
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Marktoberdorf/Bertoldshofen – Noch ist der Grund unbefestigt, Wasser tropft von den Tunnelwänden und Neonröhren tauchen das derzeit größte Straßenbauwerk Schwabens in ein fast mystisches Licht. Als die Blaskapelle Bertoldshofen mit einem schallenden Marsch die eintreffenden Besucher zur Feier des Tunneldurchschlags begrüßt, wird die Stimmung noch bizarrer. Inmitten der 594 Meter langen, grauen, gigantischen Röhre, direkt vor der Tunneldurchschlagswand wird der Festakt mit mehreren hundert Gästen und Schaulustigen begangen: Denn endlich ist Licht am Ende des Tunnels.

Am Ende dieses Tages jedenfalls sollen laut Veranstalter rund 4000 Menschen die Röhre besichtigt haben, die das Herzstück der Ortsumfahrung Marktoberdorf-Bertoldshofen ausmacht. Der eigentliche Tunneldurchschlag erfolgte zwar bereits am Barbaratag im vergangenen Dezember, als die zwei aufeinander zulaufenden Tunnelröhren punktgenau aufeinander trafen und sich miteinander verbanden. Vergangenen Freitag wurde nun gefeiert und das Bauwerk der Öffentlichkeit vorgestellt. Da der Tunnel sich noch in unterschiedlichen Stadien des Rohbaus befinde, so das Staatliche Bauamt Kempten, sei aktuell ein sehr guter Zeitpunkt, um einen Eindruck von den anspruchsvollen Arbeiten unter Tage zu erhalten. Noch laufen die letzten Ausbruchsarbeiten, die Außenschale der Tunnelröhre ist weitestgehend fertig gestellt und die Arbeiten der Betoninnenschale werden vorbereitet. Mehrere Mitarbeiter der beteiligten (Tunnel-)Baufirmen waren vor Ort, um den zahlreichen interessierten Besuchern die technische Seite der Tunnelbaustelle im Detail zu erklären. Wieder andere waren gekommen, um die Ausmaße der Tunnelröhre und der bergmännischen Spezialmaschinen zu bestaunen, die sowohl im Tunnel als auch auf dem Gelände vor den Tunneleingängen im Norden und Süden in Reih‘ und Glied aufgestellt waren.

Festakt zum Tunneldurchschlag

Zunächst jedoch würdigten die politischen Vertreter von Stadt, Land und Bund die Baustelle als ein „Meisterwerk“ der Ingenieurskunst. Markus Kreitmeier, Bereichsleiter Straßenbau beim Staatlichen Bauamt in Kempten, sprach vom Tunneldurchschlag als einem Meilenstein auf dem Weg zur Fertigstellung des 36 Millionen Euro teuren Bauwerks. Ende 2021 werde dann der Verkehr durch den Tunnel fließen. Auch Dr. Erwin Lohner, Präsident der Regierung von Schwaben, zeigte sich stolz, die größte Baustelle des Regierungsbezirks plangemäß und unfallfrei voranschreiten zu sehen. „Mit diesem Tunnel und der Ortsumfahrung Bertoldshofen entlasten wir die letzten zwei Orte, die die B472, die südlichste Querachse Bayerns, bisher kreuzte: Marktoberdorf und seinen östlichen Teilort.“ Auch Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell stieß ins selbe Horn: „Die Zeit naht, dass in Bertoldshofen die Gläser im Schrank nicht mehr klirren, wenn ein Lastzug nach dem anderen durchs Dorf rollt.“ Mit der insgesamt 56 Millionen Euro teuren Umfahrung, die auch einen Anschluss an die B12 vorsieht, wird eine Entlastung von 6000 bis 8000 Fahrzeugen pro Tag für Marktoberdorf prognostiziert.

Sie komme sich klein in dieser gigantischen Röhre vor, gab Land­rätin Maria Rita Zinnecker zu. Als Tunnelpatin würdigte sie insbesondere die Leistung „ihrer“ Mineure. „Dies ist ein besonderer Tag“, sagte sie und schaute auf das gemeinsame Bemühen der politischen Ebenen zurück, das das Bauvorhaben nach langem Stillstand erst ermöglicht hatte. Rundum zufrieden sei er heute, betonte auch Bundestags­abgeordneter Stephan Stracke, der sich für das Projekt beim Verkehrsministerium stark gemacht hatte. Seinen Überschwang teilte er mit dem Straßenbauamt in Kempten, das er das „Beste in ganz Deutschland“ nannte. Zur firmenintern sichersten Baustelle kürte Mario Frankhauser, Chef der Tunnelbaufirma BeMo Tunnelling, den Rohbau in Bertolds­hofen. Er sprach im Namen seiner Mineure von einer tunneltechnisch sehr anspruchsvollen Arbeit, die unter anderem den Aushub von rund 75.000 Kubikmeter Gestein und Bodenmasse erfordert hatte. Der bergmännische Ruf „Glück auf!“ war an diesem Tag oftmals zu hören, den kirchlichen Segen spendeten der evangelische Pfarrer Klaus Dinkel und der katholische Kaplan André Harder.

Zum Ende des offiziellen Teils wurde es dann doch noch laut: Projektleiter Roland Arnold gab das Signal zu einer simulierten Sprengung, die den nördlichen Tunnelausgang kurzzeitig in Rauchschwaden hüllte. Wieder ergriff den Besucher ein bizarres Moment, als sich die Schwaden auflösten und sich das Licht auf dem Weg zum Ausgang seinen Bann brach.

von Angelika Hirschberg

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