Einstimmige Resolution zur Schließung des Asylbewerberheimes in Rieden 

Geduldsfaden gerissen

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Seit 1980 ist das Asylbewerberheim in Rieden Anlaufpunkt für Flüchtlinge. Durch den jüngsten Angriff auf Mitarbeiter des Landratsamtes Neu-Ulm „ist der Geduldsfaden gerissen. Das Heim muss geschlossen werden“, fordern Erste Bürgermeisterin Inge Weiß und der gesamte Gemeinderat in einer Resolution.

Rieden-Zellerberg – Das Asylbewerberheim in Rieden soll zum Ende des Jahres geschlossen werden. Diesen Wunsch haben zumindest die Riedener Gemeinderäte. In der jüngsten Sitzung hat das Gremium hierzu einstimmig eine Resolution an die Bayerische Staatsregierung verabschiedet. Die Regierung von Schwaben sieht für eine Schließung aktuell keinen Grund, bietet aber Gespräche an.

So viele Zuschauer bei der Gemeinderatssitzung hat Rieden wohl selten gesehen. Rund 35 interessierte Bürger fanden sich am Montagabend zur Sitzung ein. Nicht ohne Grund, stand doch aus Dringlichkeitsgründen ein Vorfall im Asylbewerberheim auf der Agenda. Wie berichtet, hatte ein junges nigerianisches Asylbewerberpaar Ende August vor dem Asylbewerberwohnheim in Rieden mehrere Personen mit einer Glasscherbe bedroht. Das Paar musste von der Polizei überwältigt werden. Dieser Vorfall gab nun den Auslöser für eine einstimmige Resolution des Gemeinderates an die Bayerische Staatsregierung. Verbunden ist damit die Forderung, das Wohnheim wegen baulicher Mängel und der konfliktbeladenen Situation der Bewohner zum Ende des Jahres zu schließen.

Seit 1980 habe die Regierung von Schwaben in der Gemeinde Rieden diese Unterkunft für Asylbewerber angemietet. „Die Gemeinde hat sich der Herausforderung, Menschen aus den verschiedensten Ländern mit unterschiedlichen Kulturen und Religionen in Deutschland zu integrieren, in herausragender Weise gestellt“, zitierte Bürgermeisterin Inge Weiß aus der Resolution. „Obwohl dies mitunter mit erheblichen Konflikten verbunden war, haben wir im Sinne der Humanität in unserer 1350 Einwohner-Gemeinde zum Teil bis zu 75 Personen aufgenommen. Wir haben eine Integrationsleistung erbracht.“ Das Gebäude, mitten in einem Wohngebiet gelegen, erfülle nach beinahe 40-jähriger Nutzung nun aber nicht mehr die Voraussetzungen, die an eine Unterbringung zu stellen seien.

Schreiben an Sozialministerin

Der Kaufbeurer Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (Freie Wähler) hatte am vergangenen Freitag gemeinsam mit der Ersten Bürgermeisterin Inge Weiß und dem zweiten Bürgermeister Johann Echter sowie der Geschäftsstellenleiterin der Verbandsgemeinde Pforzen, Eva Helmschrott, die Asylbewerberunterkunft in Rieden besucht und sich einen Eindruck von den Zuständen dort verschafft. In einem Schreiben an Sozialministerin Emilia Müller, Staatssekretär Johannes Hintersberger und Regierungspräsident Karl-Michael Scheufele fordert Pohl diese auf, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Unterbringung von Flüchtlingen spätestens zum Jahresende in Rieden beendet werde und auch künftig keine Flüchtlinge mehr dort untergebracht würden. „Es leben viel zu viele Menschen auf engstem Raum zusammen. Familien mit vier und mehr Kindern bewohnen offenbar nur einen einzigen Raum“. Vor Ort gebe es keine Ansprechpartner, der bauliche Zustand sei schlecht und die sanitären Einrichtungen unzureichend. Es sei doch völlig klar, dass dieser Zustand ein erhebliches Konfliktpotenzial berge, so Pohl.

Eine andere Sichtweise

Herbert Schwaiger, der seit 18 Jahren Hausmeister in der Riedener Einrichtung ist, wundert sich indes über die Ansichten des Landtagsabgeordneten: „Ich bin selber drei- bis viermal die Woche hier“. Die Heimleitung sei zweimal in der Woche vor Ort und die Caritas habe donnerstags eine regelmäßige Sprechstunde. Sobald irgendwo ein Mangel auftrete und gemeldet werde, würde der sofort in Angriff genommen. „Man muss aber leider auch sagen, dass manchmal ein Zimmer komplett hergerichtet werden muss, wenn eine Familie auszieht“, so der Hausmeister auf Nachfrage.

In dem Gebäude sind derzeit 44 Erwachsene und 18 Kinder und Jugendliche aus insgesamt 13 Nationen untergebracht, im Schwerpunkt aus Nigeria, Eritrea, Afghanistan und Somalia.

Regierung sieht keinen Handlungsbedarf

Die Regierung von Schwaben sieht aktuell jedenfalls keinen Handlungsbedarf, so Pressesprecher Karl-Heinz Meyer auf Nachfrage unserer Zeitung. So hätte am 31. August dieses Jahres eine Begehung stattgefunden, bei der weder gravierende bauliche Mängel noch Schimmel festgestellt worden seien, „weshalb wir momentan keine Gründe für Veränderungen sehen“. Feuchtigkeitsmessungen hätten zudem zum Ergebnis geführt, dass die Wände trocken seien.

Bereits vor der Gemeinderatssitzung hatte die Regierung von Schwaben Gespräche angeboten, bei denen auch Vertreter aus dem Helferkreis und der Caritas, sowie Ansprechpartner aus dem Landratsamt und der Polizei teilnehmen könnten, um gemeinsam Wege und Lösungen zu besprechen. Die Gemeinde Rieden hofft nun auf Ergebnisse aus den Gesprächen am Runden Tisch.

von Wolfgang Becker

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