Einweihung des wieder hergestellten Orchestergrabens im Kaufbeurer Stadttheater

Barocker Augen- und Ohrenschmaus

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Amor (Maria Theresia Mühlbacher, Mitte) triumphiert: zwei glückliche Paare haben sich gefunden, links Endimione (Lilli Jordan, Sopran) und Diana (Anna-Lena Elbert, Sopran), rechts Leucilla (Alicia Grünwald, Sopran) und Orion (Stefan Steinemann, Altus/Kontertenor). Im Hintergrund das Jägerballett.

Kaufbeuren – Barocke Opulenz war am Wochenende vom 13. und 14. Januar im Kaufbeurer Stadttheater zu erleben. Der Kulturring Kaufbeuren e.V. hatte das Ensemble Palestra Musica Augsburg zusammen mit dem Ensemble La Danza München und dem Kaufbeurer Sprecher Peter Pius Irl eingeladen, dort drei kurze barocke Werke, eine geglückte Verbindung von Musik, Theater und Poesie, aufzuführen.

Voraussetzung dafür war der wieder nutzbar gemachte Orchestergraben. Im ursprünglichen Kaufbeurer Stadttheater gab es einen Orchestergraben, der Platz für 30 Musiker bot. Im Zuge von Modernisierungen zwischen 1960 und 1971 wurde dort ein blecherner Lüftungskanal installiert, der die weitere Nutzung fast völlig verhinderte. Abgedeckt diente der Orchestergraben daraufhin als Vorbühne. Durch die Erneuerung der Lüftungsanlage bei der vor zwei Jahren abgeschlossenen Renovierung des Foyers kann der Orchestergraben nun wieder seinem eigentlichen Zweck dienen.

Der wieder benutzbare Orchestergraben im Stadttheater.

Nach einem einleitenden Quintett mit barocken Instrumenten folgte zunächst „Pan und Syrinx“, eine Kantate für Sopran und Basso Continuo von Michel Pignolet de Monteclair nach einer Legende aus Ovids Metamorphosen. Anna-Lena Elbert erzählte in Gesang und Rezitativ die vom Ensemble La Danza getanzte und pantomimisch dargestellte Geschichte: Der verliebte Hirtengott Pan (Maria Theresia Mühlbacher) verfolgt die keusche Nymphe Syrinx (Jing Li). Sie flieht vor ihm und verwandelt sich im letzten Moment in Schilf. Pan trauert um seine Liebe, hört aber aus dem Schilf ein Echo seiner Klagen und erschafft aus den Schilfrohren eine Flöte – die Panflöte. Letztlich triumphiert Amor, der Gott der Liebe (Astrid Balzer).

Am Wiener Kaiserhof waren Ballett-Pantomimen sehr beliebt. 1671 komponierte Kaiser Leopold I. nach dem witzigen und satirischen Libretto von einem anonymen Autor eine Persiflage auf „Orpheus und Eurydike“: Orpheus (Birgit Boley) und Eurydike (Astrid Balzer) sind ein streitendes Paar. Eurydike stirbt an einem Schlangenbiss und wird von den drei Parzen in den Hades verfrachtet. Orpheus will durch sein Leierspiel Pluto (Giles Bennett) zur Freigabe von Eurydike bewegen. Er spielt so entsetzlich, dass Pluto ihm bereitwillig Eurydike wieder herausgibt, nur damit er aufhört zu spielen. Aber ein Handel mit dem Herrn der Unterwelt war schon immer problematisch...

Die Barockoper „Diana amante“ des Münchner Hofkomponisten Giuseppe Antonio Bernabei mit Ballett-Musik von Melchior d‘Ardespin entstand 1688 nach dem Libretto von Luigi Orlandi. Nach jahrhundertelangem Dornröschen-Schlaf wurde dieses Kleinod barocker Opernkunst in Kaufbeuren wieder zum Leben erweckt. Natürlich geht es darin ebenfalls um Liebe: Orion (Stefan Steinemann, Altus/Kontertenor) liebt Leucilla (Alicia Grünwald, Sopran), diese schwärmt jedoch für Endimion (Lilli Jordan, Sopran), der wiederum ist für Diana (Anna-Lena Elbert, Sopran) entflammt. Am Ende siegt aber auch hier Amor (getanzt von Maria Theresia Mühlbacher) – es gibt zwei glückliche Paare und viele fröhlich tanzende Jägerinnen und Jäger.

Durch den Abend führte Peter Pius Irl, der für das Publikum nicht nur den Inhalt der französischen und italienischen Texte zusammenfasste, sondern auch Interessantes zum Hintergrund der Werke wusste. Ein besonderes Kabinettstückchen war die Demonstration von Gesten, die ein Barockschauspieler zu beherrschen oder unter allen Umständen zu unterlassen hatte. Irl gab aus einem Schauspiel-Lehrbuch des 17. Jahrhunderts die Anweisungen, Alicia Grünwald und Stefan Steinemann führten sie aus.

Wer nun bedauert, diese bezaubernde Aufführung mit den farbenprächtigen Kostümen von Brigitte Günczler verpasst zu haben, kann sich freuen: Eine weitere Vorstellung ist am Sonntag, 28. Januar um 16 Uhr vorgesehen. Karten gibt es im Vorverkauf in der Kulturring-Geschäftsstelle im Stadtmuseum Kaufbeuren (Tel. 08341/966 83 966), bei allen Reservix-Vorverkaufstellen (u.a. Engels Genussreich, Buchhandlung Menzel) sowie im Internet unter www.kulturring-kaufbeuren.reservix.de.

von Ingrid Zasche

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