Sicht von Steh- und Sitzplätzen auf die Eisfläche im neuen Eisstadion

Getrübte Sicht aufs Eis?

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Die Stufen der Stehplätze sind so angelegt, dass man hinterein­ander stehen muss.

Kaufbeuren – Unter ESVK-Fans ist es seit Wochen ein großes Thema: Die Sicht von Steh- und Sitzplätzen auf die Eisfläche im neuen Eisstadion. In diversen Foren wird zum Teil heftig darüber diskutiert, dass Teilbereiche der Eisfläche gar nicht beziehungsweise nur eingeschränkt sichtbar seien. Viele Fans vermuten nun Pfusch am Bau beziehungsweise fehlerhafte Planungen. Nachbesserungen müssten her. Der Kreisbote hat sich daher mit dem Vorstandsvorsitzenden des Kommunalunternehmens Eisstadion (KU), Markus Pferner, getroffen und die Baustelle zusammen besichtigt.

Die Vorwürfe mancher Eishockeyfans hören sich recht massiv an. Da werden schnell Erinnerungen an Augsburg wach. Denn auch dort war nach den Umbaumaßnahmen des Curt-Frenzel-Stadions die Empörung der Eishockeyfans groß. Denn die Sicht auf die Eisfläche war miserabel. Die Nachbesserungen gingen später in die Millionen und die verantwortlichen Architekten wurde verurteilt, Schadensersatz zu bezahlen. Kommt das jetzt auch auf Kaufbeuren zu? „Ein klares Nein“, entgegnete Pferner. Zwar nehme er die Anliegen der Fans ernst, jedoch sei die aktuell geführte Diskussion eine „ohne Fachwissen“. Dennoch habe man in den letzten Tagen noch einmal geprüft, inwieweit manche Kritiken berechtigt seien. Das Ergebnis: „Alles was geplant und bislang umgesetzt wurde, entspricht der DIN-Norm“, so Pferner. In manchen Bereichen erfülle man sogar noch bessere Werte.

Aber worum geht es einigen Fans eigentlich genau? Zum einen wird moniert, dass die Stadionbesucher im Bereich der Stehplätze auf einer Stufe hintereinander stehen müssen. Bei einem Ungleichgewicht in der Körpergröße gebe es dann entsprechende Sichtschwierigkeiten. Oder einfach ausgedrückt, ist der Vordermann größer, wird es schwierig dem Geschehen auf dem Eis zu folgen. Geschuldet ist dieses einer entsprechenden Treppenbreite, ohne erneute Erhöhung. Zwar sei dies technisch noch lösbar (Sockelerhöhung um 15 Zentimeter), jedoch verspricht sich Pferner davon keinen wirklichen Mehrgewinn. Stattdessen glaubt er, dass die Besucher in der Lage seien, dieses Problem selbst zu lösen, indem sie den Kleineren den Vortritt gewähren. „So funktioniert das auch in Weißwasser seit Jahren hervorragend“, erklärte Pferner. Wie berichtet, fungierte das Eisstadion in Weißwasser als Vorbild für die Planungen in Kaufbeuren.

Zum anderen glauben viele Fans, dass die Sicht von den Sitzplätzen auf die Eisfläche gravierend eingeschränkt sei. Aktionen, die sich direkt an der Bande und in dessen Nähe abspielen, würden die Besucher sitzend nicht sehen können. Laut Pferner sei eine hundertprozentige Sicht im Eisstadion schlicht baulich nicht möglich, da die eigentliche Spielfeldbande zu einem Teil aus einem undurchsichtigen Bereich (Sockel) bestehen muss (Vorgabe DEL), auf dem sich dann die durchsichtige Schutzwand aufbaut. Allein daraus ergeben sich Bereiche, die nicht immer einsehbar sind. Um die Sicht zu verbessern, haben die Verantwortlichen sogar den Sockel (könnte laut DIN 1,25 Meter betragen) auf 1,15 Meter gesenkt. Somit entsteht ein eingeschränktes Sichtfeld auf die Eisfläche von rund 2,4 Metern, ab Sockel, wenn sich die Aktion direkt vor einem sitzenden Besucher abspielt. Eigentlich ließe die DIN-Norm sogar fünf Meter zu. „Damit haben wir eine Verbesserung von über 50 Prozent erzielt“, betonte der KU-Vorstand. Klar ist aber auch, dass die Bande dadurch teurer wird, denn das Schutzglas kostet deutlich mehr als das Material im Sockel. Denn die Gesamthöhe muss aus Sicherheitsgründen gleich bleiben.

Auch dem Vorwurf, man hätte die Tribünen steiler bauen müssen, erteilte Pferner eine Absage. Dann nämlich hätte man die Kubatur des Gebäudes deutlich verändern müssen. Die Kosten wären vermutlich deutlich gestiegen, schätzt Pferner. Aber auch hier liege man im Rahmen der DIN-Norm.

Damit hält die Stadt an den Planungen fest. Gravierende Nachbesserungen in Sachen Blickachsen, wie etwa in Augsburg, wird es laut Pferner in Kaufbeuren nicht geben. Auch die Kosten blieben im angekündigten Rahmen.

Er selbst sei schon mit vielen kritischen Fans im neuen Eisstadion gewesen und habe mit ihnen mal Platz genommen. „Am Ende waren alle überzeugt, die nötige Sicht auf das Spiel zu haben“, erklärte Pferner abschließend.

von Kai Lorenz

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