Bedingungen nicht ideal

Eisstadion Kaufbeuren: Stadtrat stimmt der kommerziellen und nicht sportlichen Nutzung zu

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Eine erweiterte Nutzung der erdgas schwaben arena im Sommer scheint nun möglich.

Kaufbeuren – Um den Bedarf einer Multifunktionsnutzung des Eisstadions abzuklären, hat die Kaufbeurer Stadtverwaltung die Tourismusberatungsgesellschaft Kohl & Partner aus Österreich mit einer Analyse beauftragt. Wie berichtet, war die Nachfrage bereits im Verwaltungsausschuss angezweifelt worden – und wurde im Stadtrat jetzt fachmännisch bestätigt. Bernhard Pohl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, der den Antrag zu einer Multifunktionsnutzung gestellt hatte, beharrte aber auf seiner Position.

Elisabeth Hiltermann, Standortleiterin Bayern von Kohl & Partner, stellte den Räten ihre Auswertung vor. Die Frage, wie man das jährliche Defizit des Kommunalunternehmens Eisstadion von 1,5 Millionen Euro abfedern könne, sei durchaus erlaubt. Veranstaltungen in der erdgas schwaben arena anzubieten liegt da nahe. Ein Vergleich mit sieben Eisstadien in weiteren bayerischen Städten, darunter Kempten, München, Bad Tölz, Garmisch-Partenkirchen und Memmingen, habe gezeigt, dass die wenigsten ihre Location aktiv am Markt anböten. Im Allgäu gebe es einige Veranstaltungshäuser wie beispielsweise die bigBox in Kempten, das Modeon in Marktoberdorf oder das Kloster Irsee und dadurch sei der Markt gut abgedeckt auf der Angebotsseite. Diesen Markt zu bearbeiten, würde für Kaufbeuren einen großen Aufwand bedeuten. Hiltermanns Fazit lautete, dass der Eisplan der erdgas schwaben arena nur wenige Zeitfenster aufweise und wenn dann nur in der eisfreien Zeit von April bis August. Der Aufwand und die Kosten stünden in keinem Verhältnis zu den am Markt anzubietenden Nutzungstagen. Das Eisstadion in Kaufbeu­ren biete also „weder ausreichend freie Zeiten, noch ideale Bedingungen“, was zum Beispiel Lager, Zugänge und Parkflächen angeht. Auch personell müsste aufgestockt werden, um weitere Veranstaltungen durchführen zu können.

Bernhard Pohl wiederholte seine Auffassung, sein Antrag sei als „Einstieg“ und „Richtungsweiser“ zu sehen, das Stadion „über die Jahre hinweg als Veranstaltungsort zu etablieren“. Somit wäre auch das Thema Stadthalle vom Tisch. Er wünscht sich, auch im Winter „den ein oder anderen Samstag“ für Veranstaltungen zu nutzen und hält dies auch für machbar. Dabei verwies er auch auf eine mittelfristig einzubauende zweite Eisfläche. Im Zuge des Bürgerentscheids zum Eisstadion sei mit einer Multifunktionsnutzung geworben worden und das solle man einhalten.

Oberbürgermeister Stefan Bosse entgegnete, er kenne niemanden, der außer den Freien Wählern damit geworben hätte. „Natürlich wollen wir in Kaufbeuren auch Konzerte“, sagte er, „aber die Halle ist für den Eissport konzipiert“. Allein das Verlegen eines mobilen Bodens dauere einen Tag, bis überhaupt etwas stattfinden kann. Dadurch würden komplette Wochenenden blockiert.

Dass es für Veranstaltungen in der Eisarena keinen Markt gebe, habe sich schon im Verwaltungsausschuss abgezeichnet, befand Ralf Baur (SPD). Es bestehe überhaupt kein Zweifel mehr, dass eine ganzjährige Multifunktionsnutzung sich nicht rechne, sagte Dr. Thomas Jahn (CSU). Den Freien Wählern warf er „Realitätsverweigerung“ vor. Das sah auch Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU) so: „Bernhard Pohl ist unbelehrbar“. Er ignoriere einfach eine Marktanalyse. „Politik entsteht, wenn Positionen künstlich aufrecht erhalten werden“, bemängelte Oliver Schill (Grüne). Er hielt die Debatte für nicht zielführend und für „vertane Zeit“, weil der Ruf der Freien Wähler nach multifunktionaler Nutzung zu unkonkret sei. Ernst Holy (KI) sagte, er habe kein Problem damit, in der eisfreien Zeit Events zu veranstalten, wünschte sich aber nach der Analyse ein Ende der „endlosen Diskussion“. Seiner Meinung nach hätte man das Geld besser in die Anschaffung eines mobilen Bodens, der auf Beton verlegbar ist, mit Kosten von etwa 30.000 Euro gesteckt.

Um die ganze Debatte laut Bosse zu „befrieden“, hatte die Verwaltung einen Beschlussvorschlag ausgearbeitet, der eine kommerzielle und nicht sportliche Nutzung der erdgas schwaben arena unter Beachtung der beihilferechtlichen Regelungen vorsieht. Diesem stimmten alle anwesenden Stadträte zu, nachdem der FW-Antrag von den übrigen Fraktionen abgelehnt worden war. In dem Beschluss verankert ist auch die Anschaffung eines mobilen Hallenboden, wie schon vor längerer Zeit von CSU und KI beantragt.

von Martina Staudinger

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