Eine Vision wird Wirklichkeit

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Das Forschungsprojekt „Intelligentes Lademanagement an P&R-Plätzen” geht in die entscheidende Phase. Zukünftig sollen am Buchloer Bahnhof die Elektroautos nur dann geladen werden, wenn genügt Strom aus heimischen erneuerbaren Energien bereitsteht. Unterstützt wird das Projekt von Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Mauch (v. li.), Eckart Wruck von den Lechwerken, Landrätin Maria Rita Zinnecker und Bürgermeister Josef Schweinberger.

Buchloe – Bislang war es nur eine Vision. Die Batterien von Elektroautos werden nur dann aufgeladen, wenn der Strom ökologisch aus heimischen Energien erzeugt wird oder anders ausgedrückt, ein intelligentes Ladesystem lädt nur dann, wenn die Sonne scheint oder sich heimische Windräder drehen.

An der Verwirklichung dieser Vision wird nun kräftig gearbeitet. Es geht im nächsten halben Jahr sogar in die entscheidende Phase. 14 ausgewählte Pendler, die in Buchloe jeden Tag auf die Bahn umsteigen, erhielten für ein halbes Jahr kostenlose Elektroautos im Rahmen des Forschungsprojektes „ePlanB“ gestellt. 

Dafür müssen sie am Buchloer Bahnhof nicht nur den Stecker einstecken, sondern über ein Onlineportal auch Informationen zum Ladezustand der Batterie und zum geplanten Abfahrzeitpunkt eingeben. In dieser Phase des Projektes beginnt das Laden der Batterie dann auch nicht unbedingt sofort, sondern erst dann, wenn die Computer der Lechwerke grünes Licht geben. 

Die Ladephase beginnt, wenn genügend Strom aus erneuerbaren Energien zur Verfügung steht. Natürlich ist sichergestellt, dass die Batterien auch dann geladen werden, wenn an einem Tag keine Sonne scheint und sich kein Windrad dreht. Solche Tage sind aber eher die Ausnahme. 

14 Pendler konnten im letzten halben Jahr bereits die gestellten Elektrofahrzeuge verschiedener Hersteller testen. Die Daten der Fahrzeugnutzung wurden erfasst und ausgewertet. Letzte Woche erfolgte der Fahrzeugwechsel. Insgesamt sind vier halbjährige Feldversuche geplant. 

In den vergangenen sechs Monaten wurden die Elektroautos noch ungesteuert geladen. Das heißt, das Laden begann sofort, nachdem die Fahrzeuge an die Ladestationen am Buchloer Bahnhof gesteckt wurden, erklärte Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Mauch von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft. Die gewonnenen Daten bestätigten, dass beim ungesteuerten Laden die größte Strommenge morgens ab sechs Uhr bezogen wurde. Die Effektivität der Photovoltaikanlagen beginnt, so Professor Mauch, jedoch meist erst mittags, wenn die Batterien schon fast wieder ganz geladen waren. 

Dies mache deutlich, dass dynamisches Laden notwendig sei. Für die Lechwerke als Projektteilnehmer sind die Ergebnisse ebenso wichtig. Zeigen sie doch auf, wie die Stromnetzinfrastruktur bei einer langfristig zunehmenden Elektromobilität effizienter genutzt werden kann. 

Die Gesamtfahrleistung der an dem Versuch beteiligten Elektroautos betrug 7194 Kilometer. LEW-Kommunikations-chef Eckart Wruck konnte bei der Fahrzeugübergabe berichten, die bisherigen Teilnehmer seien von ihren Fahrzeugen begeistert gewesen. Lediglich die Reichweite der Autos wurde moniert. Diese lag, je nach Fahrzeugmarke, zwischen 140 und 210 Kilometer. 

Finanziert wird das Forschungsprojekt von den Lechwerken, dem Freistaat Bayern, dem Landkreis Ostallgäu und der Stadt Buchloe. Insgesamt liegt der Etat bei 1,3 Millionen Euro. Sowohl für Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger als auch für Landrätin Maria Rita Zinnecker bedeutet dieses Forschungsprojekt einen Schritt in die ökologische Zukunft, zudem stehen sie damit an der Spitze der Bewegung nicht nur in Bayern. 

Etwas überrascht wurde die Landrätin von Professor Mauch. Er präsentierte öffentlich die Idee, in der Tiefgarage des Landratsamtes in Marktoberdorf eine oder mehrere intelligente Ladestationen zu errichten, die von den Photo- voltaikanlagen auf dem Dach des Landratsamtes gespeist werden sollen. Immerhin hat der Landkreis, so die Landrätin, bereits ein Elektrofahrzeug als Dienstwagen. Für Mauch könnte es das Anschlussprojekt an das Buchloer Experiment sein.

von Siegfried Spörer

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