Fliegender Wechsel in Buchloe

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Es war ein fliegender Wechsel. 14 Pendler mussten kürzlich die Schlüssel ihrer Elektrofahrzeuge an die Nachfolger abgeben. Die dürfen nun als Projektteilnehmer für ein halbes Jahr kostenlos mit Elektroautos fahren.

Buchloe – Zufriedene Gesichter gab es zu Hauf. Ein Jahr nach dem Beginn des Forschungsvorhabens „ePlanB“ über den Einsatz von „intelligenten Ladestationen“ für Elektroautos in Buchloe zogen die Verantwortlichen eine erste positive Zwischenbilanz. „Wir haben ein intelligentes Ladesystem entwickelt, das die Batterien von geparkten Elektroautos dann auflädt, wenn viel Strom aus heimischen erneuerbaren Energiequellen eingespeist wird“, sagte Norbert Schürmann, Vorstandsmitglied der Lechwerke (LEW).

Zufriedene Gesichter gab es aber nicht nur bei den Verantwortlichen für das Projekt, das von den Lechwerken, der Forschungsstelle für Energiewirtschaft, dem Landkreis Ostallgäu und der Stadt Buchloe durchgeführt und vom Bayerischen Wirtschaftsministerium finanziell gefördert wird. 

Vor allem die Autotester, die jeweils ein halbes Jahr ein Elek­tro­auto gestellt bekamen, waren begeistert. Noch mehr Freude war den 14 Probanden anzusehen, die vor einigen Tagen die Schlüssel ausgehändigt bekamen und nun die nächsten sechs Monate kostenlos und umweltfreundlich Autofahren können. In diesem Zeitraum soll, so Norbert Schürmann, das Ladesystem mit Blick auf die lokalen Verteilernetze weiter optimiert werden. „In der 3. Feldphase untersuchen die Projektpartner, inwiefern das Lademanagementsystem die maximale Lastvorgabe des Verteilnetzbetreibers einhalten kann, etwa bei Netzengpässen. Dazu werden entsprechende Situationen vom Netzbetreiber simuliert und als Signal an die Ladestationen gegeben. LEW-Vorstandsmitglied Norbert Schürmann betonte, dass damit die dezentrale Energieversorgung in der Region gestärkt und die Netzinfrastruktur effizienter genutzt werden könne. 

„Die Pendler haben uns gut unterstützt“, bilanzierte Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Mauch, Geschäftsführer der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE). Über ein Online-Portal oder über ein zentrales Eingabe-Terminal geben die Probanden die Daten über den Ladezustand der Batterie und den geplanten Abfahrtszeitpunkt ein. Für jedes Fahrzeug erstellt das System dann einen Ladeplan sobald das Fahrzeug an die Ladesäule gesteckt wird. Dieser Ladeplan errechnet sich aus den Prognosen der Photovoltaik-Erzeugung (PV) und den Eingaben des Pendlers zum Ladestand und Abfahrtszeitpunkt. Ändert sich die reale PV-Einspeisung werden die Ladepläne innerhalb von ein bis zwei Minuten angepasst. 

Ein weiteres Ziel des Projektes war es, Pendler stärker für das Thema Elektromobilität zu sensibilisieren. Eine Befragung der Teilnehmer des zweiten Feldversuches hatte gezeigt, dass alle Projektteilnehmer vom Fahrerlebnis mit den Elektroautos begeistert waren. Die Pendler seien auch vielfach auf das Projekt angesprochen worden, was bedeuten würde, dass auch die nicht am Projekt beteiligte Bevölkerung für die Elektromobilität sensibilisiert worden sei. Die Gesamtfahrleistung der einzelnen Fahrzeuge seit Beginn des Feldtests liegt nach Angaben der Lechwerke zwischen 7600 und 17.000 Kilometern. 

Die durchschnittliche Tagekilometerleistung pro Elektroauto in der zweiten Feldtestphase lag zwischen 20 und 130 Kilometern. Mehr als die Hälfte der Projektteilnehmer kann sich vorstellen, auf ein Elektroauto umzusteigen. 

In der ersten Phase des auf drei Jahre angelegten Projektes wurden zunächst Erfahrungen mit der Elektromobilität im Pendelverkehr und Referenzdaten gesammelt und ausgewertet. Dafür wurden, wie berichtet, am Park&Ride-Platz am Buchloer Bahnhof eine Ladeinfrastruktur mit acht Ladesäulen und 16 Ladepunkten errichtet. Die ersten 14 Pendler aus der Region hatten Elektroautos erhalten, die aber zunächst noch ungesteuert geladen wurden. 

Die in der ersten Phase erhobenen Referenzdaten bestätigten, dass beim ungesteuerten Laden die größte Strommenge morgens um sechs Uhr bezogen wird. Die Erzeugungsspitze der PV-Anlagen beginnt jedoch meistens erst gegen Mittag, wenn die Batterien der Fahrzeuge bereits fast vollständig geladen waren. Auf Basis dieser Daten wurde dann eine Steuerung des Lademanagements entwickelt, die den Ladevorgang flexibel in Zeiten verschiebt, in den die Einspeisung durch die PV-Anlagen am höchsten ist. 

Der Feldtest besteht aus vier Phasen, in den insgesamt 56 Pendler für jeweils sechs Monate ein Elektroauto erhalten.

von Siegfried Spörer

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