Elyas M‘Barek spielt in berührendem Film „Dieses bescheuerte Herz"

„Der Held muss eine Reise machen"

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Lenny (Elyas M'Barek) ist mit David (Philip > Noah Schwarz) auf dem Weg ins Krankenhaus

Schauspieler Elyas M´Barek war 2001 erstmals unter der Regie von Dennis Gansel in dem Kinofilm „Mädchen Mädchen” zu sehen. In der ARD-Serie „Türkisch für Anfänger“ wurde er als Cem bekannt. In Bora Dagtekins „Fack Ju Göhte”-Reihe übernahm M´Barek die Hauptrolle des (Fake-) Lehrers Zeki Müller. Im letzten Jahr spielte er in Simon Verhoevens mehrfach preisgekröntem Flüchtlingsfilm „Willkommen bei den Hartmanns” mit. Ab dem 21. Dezember ist M´Barek in dem Drama „Dieses bescheuerte Herz” zu sehen. Kreisbote-Redakteurin Sandy Kolbuch traf den Münchner und sprach mit ihm über die Rolle.

Der Film „Dieses bescheuerte Herz“ basiert auf einem gleichnamigen Spiegel-Bestseller, den Lars Amend mit dem herzkranken Daniel Meyer geschrieben hat. Kanntest Du das Buch, bevor Dir die Rolle angeboten wurde?

M´Barek: Nein gar nicht. Ich habe es auch bewusst nicht gelesen, weil es für mich unerheblich war. Zum einen wollte ich unvoreingenommen in die Geschichte gehen und zum anderen basiert das Drehbuch auf der Geschichte, ist aber nicht die wirkliche Verfilmung dessen. Einiges wird anders erzählt, als im Buch.

Hast Du Lars Amend und Daniel Meyer kennengelernt?

M´Barek: Nein, auch nicht. Ich hätte mir bei den beiden auch keine Tipps holen können, weil meine Figur Lenny ja von nichts eine Ahnung hat. Mir war es wichtig, eine komplette Naivität zu besitzen und diese auch zu erhalten.

Wie hast Du dich denn auf die Rolle vorbereitet?

M´Barek: Die Vorbereitung bestand vor allem aus Gesprächen mit dem Regisseur und der Drehbuchautorin über das Drehbuch. Wir hatten viele Lesungen und haben uns über Änderungen und Ideen unterhalten.

Der Umgang mit Krankheiten ist immer ein schwieriges Thema. Wie siehst Du das?

M´Barek: Ich denke Lenny macht es genau richtig. Er behandelt das Kind nicht als krank oder behindert. Man sieht im Film, wie David mit Samthandschuhen angefasst und behandelt wird. Im Film funktioniert es gut. David gefällt, dass er von Lenny als normaler Junge behandelt wird und dadurch entsteht auch die Freundschaft zwischen ihnen.

Lenny trifft im Film ziemlich unerwartet auf die kranken Kinder im Hospiz. Was macht diese Begegnung mit ihm?

M´Barek: Lenny sieht zum ersten Mal, dass es wirklich Ernst ist. Er dachte, dass er kurz Zivi spielt, bis sein Vater nicht mehr sauer auf ihn ist. Plötzlich merkt er, dass das Leben endlich ist und die Kinder wirklich sterben. Und ihm wird bewusst, dass es auch dem Jungen, um den er sich kümmern soll, irgendwann so ergehen wird.

Der Film zeigt eine Entwicklung von Lenny vom Nichtsnutz zum angehenden Arzt. Auch bei „Fack Ju Göhte“ durchläufst Du als Zeki Müller eine Entwicklung. Ist Dir eine Entwicklung bei deinen Rollen wichtig?

M´Barek: Ja natürlich. Eine Entwicklung der Figuren ist das Geheimnis eines jeden guten Drehbuchs. Der Held muss eine Reise machen.

Was hat Dich an dem Drehbuch gereizt?

M´Barek: Ich fand spannend zu sehen, wie sich zwei völlig fremde Menschen annähern und sich zwei völlig unterschiedliche Leben plötzlich vereinbaren lassen. Ich fand die Geschichte und den Plot sehr berührend. Und ich hatte dadurch große Lust auf dieses Drehbuch.

Im Film dreht sich alles um den kranken David und seine alleinerziehende Mutter und um Lenny und seinen alleinerziehenden Vater. Wir würdest Du die Konstellation der Figuren beschreiben?

M´Barek: Alle retten sich gegenseitig: Lenny gibt David ein Stück weit seine Kindheit zurück und seiner Mutter etwas Freiraum und er selbst lernt das normale Leben kennen und kommt dadurch seinem Vater wieder näher. Die vier Personen bilden ein schönes Quadrat, das einer Symbiose nahe kommt, wobei sie nicht alle miteinander verwandt sind.

Wie sieht Deine berufliche Zukunft aus?

M´Barek: Ich habe noch keine Pläne für das kommende Jahr. Ich werde mal gucken, was sich ergibt und mir überlegen, worauf ich Lust habe.

Hast Du Ambitionen auch hinter der Kamera aktiv zu werden und ein Drehbuch zu schreiben oder Regie zu führen?

M´Barek: Warum (lacht)? Nee, ganz ehrlich, man muss doch nicht bei allen Hochzeiten tanzen und sollte bei dem bleiben, was man kann.

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