Lockerung der Besuchsregelungen

Endlich wieder Besuch: Große Freude bei Bewohnern der Kaufbeurer Seniorenheime

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Abstand mit Nähe: Über das eingerichtete Kontaktfenster mit Lautsprecher ist eine gute Verständigung möglich.

Kaufbeuren – Die gesamte Gesellschaft ist wegen der Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Beschränkungen mit erheblichen Einschnitten konfrontiert. Manche sind weniger, andere mehr betroffen. Zu Letzteren gehören insbesondere die Menschen in Alten- und Pflegeheimen. Doch zu den von Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder in der vergangenen Woche verkündeten Lockerungen gehörte auch die Aufhebung der Kontaktsperre für die Bewohner der Heime, gerade rechtzeitig zum Muttertag.

Söder hatte zwar zu besonderer Vorsicht in Alten- oder Pflegeheimen gemahnt, aber auch gesagt, ihm sei es wichtig, wieder Besuchsmöglichkeiten für Mütter und Großmütter zu schaffen. „Das Menschliche muss im Vordergrund stehen“, sagte Söder. Tatsächlich entstanden emotionale Momente bei den lange vermissten Begegnungen, wie der Kreisbote auf Nachfrage erfuhr.

Für alle Einrichtungen galten strenge Auflagen. Grundlage bildet die Vierte Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (4. BayIFSMV) vom 5. Mai. Dazu gehörten unter anderem telefonische Voranmeldungen, Registrierung des Besuchers, beschränkte Besuchszeiten sowie die weiterhin geltenden Mindestabstands- und Hygienebestimmungen. Die Besuchskonzepte wurden von den Heimleitungen in Abhängigkeit der jeweiligen Infrastruktur umgesetzt. Etliche Angehörige machten von dieser Möglichkeit Gebrauch und waren wie die Bewohner selbst über die Angebote trotz aller Einschränkungen erfreut.

Espachstift

100. Geburtstag: Große Freude herrschte bei Jubilarin Pauline Brehm über das Ständchen ihrer Nichte und deren Mann.

Pünktlich zu ihrem 100. Geburtstag am vergangenen Samstag konnte Bewohnerin Pauline Brehm ihre Nichte und deren Ehemann unter strengen Hygienevorschriften und Besuchsregeln im Espachstift wiedersehen. Besonders gelungen war das dargebotene Ständchen mit schönen Akkordeonklängen. „Frau Brehm war überglücklich, ihre Familie wieder zu sehen“, so Einrichtungsleiter Christian Jakob. Gleiches galt für ihre Nichte, die sehr glücklich war, den 100. Geburtstag zwar nur kurz, aber immerhin noch etwas feiern zu können.

Hospitalstiftung zum Hl. Geist

Auch in der Hospitalstiftung zum Hl. Geist gab es Möglichkeiten für Kontakte von außen.

Etwas Orientierungssinn benötigten die Besucher des Heims der Hospitalstiftung am Kaufbeurer Gartenweg. „Da wir ein großes Heim sind, wollten und konnten wir die Besuche räumlich gut entzerren“, erläuterte Heimleiter Wolfgang Scupin. Gemäß des hauseigenen Schutz- und Hygienekonzepts wurden Besuchsbetreuer für jeden Wohnbereich eingesetzt, die die Besucher an ihrem speziellen Zugang des Heims abholten und nach dem Besuch wieder dorthin zurück brachten. „Trotz der strengen Regelungen von der Terminvereinbarung über die Maskenpflicht bis zur Besuchszeitbegrenzung, waren die besuchten Bewohnerinnen und Bewohner alle glücklich über die wieder möglichen Besuche“, lautete das Fazit des Heimleiters.

Heinzelmannstift

„Wir haben alle Angehörigen am Freitag telefonisch informiert, dass rechtzeitig zum Muttertag wieder Besuche in Pflegeeinrichtungen möglich sind“, berichtete Marianne Baur als stellvertretende Geschäftsführerin. Man habe sich aber entschlossen, vorerst Besuche nur an einem Kontaktfenster im Erdgeschoss und im Garten sowie in einem Besucherraum im Erdgeschoss zuzulassen. Alle Angehörigen hatten vorab Termine vereinbart und es herrschte reger Betrieb. Die Angehörigen hätten deutlich signalisiert, dass die Möglichkeiten für Besuche sehr gut sind. Sie seien froh über das vorsichtige Agieren und noch nicht komplette Öffnen des Hauses.

Durch die Hygienevorgaben ist ein Besuch im Zimmer auch nur in 1,5 Meter Abstand möglich. So werden die Bewohner zum Besucherraum gebracht und der Angehörige sitzt dem Bewohner gegenüber. An einem Kontaktfenster besteht die Möglichkeit über Lautsprecher zu kommunizieren, was vor allem bei hörbeeinträchtigten Senioren gut ankam. Dort kann man durch die Acrylglasscheibe auch näher beieinandersitzen, was wiederum für Senioren mit Sehproblemen besser ist. Eine dritte Kontaktstelle als Alternative gibt es bei schönem Wetter für Besuche im Garten, ebenfalls mit Acrylglasscheibe. Rückmeldungen von Angehörigen gingen von „die Mutter macht einen guten Eindruck, sie schaut gut aus“ bis zu der Feststellung, dass „die vielen Möglichkeiten des Kontaktes helfen, nicht vergessen zu werden“. Eine Bewohnerin äußerte am Muttertag aber auch, dass sie traurig ist, weil sie nicht weiß, wie lange das noch so geht. Sie würde so gerne wieder zu ihrem Sohn nach Hause gehen.

„Der enge Kontakt zum Ehepartner oder zu den Kindern und von ihnen in den Arm genommen zu werden, fehlt vielen Senioren sehr. Das spürt man besonders bei Senioren mit Demenzerkrankung, bei denen sehr viel auf der Gefühlsebene abläuft“, sagte Marianne Baur. In der Einrichtung werden auch Kontakte über Skype hergestellt, und über eine Kommunikations-App können Fotos, Videos und Texte an Angehörige verschickt werden.

Besuch in Kliniken

Aufgrund der Lockerung des bayernweit verfügten Besuchsverbotes für Kliniken dürfen seit vergangenen Samstag Patienten pro Tag wieder eine Person als Besuch empfangen, heißt es in einer Pressemitteilung des Klinikums. Allerdings gilt: Die Besuchszeit geht von 14 bis 18 Uhr und die Besucher müssen beim Betreten der Klinik einen Fragebogen ausfüllen. Die Dauer des Besuches darf maximal eine Stunde betragen und es muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

von Wolfgang Becker

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