Neustart: Aufatmen bei den Friseuren nach der Corona-Lockerung

Endlich wieder waschen, schneiden, föhnen

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Friseurin Bettina Purschke vom Salon „Haar Spa“ in Unterthingau freut sich, nun endlich wieder arbeiten zu dürfen.

Ostallgäu/Unterthingau – Seit vergangenen Montag atmet eine weitere Berufssparte auf: Die Friseure in unserer Region dürfen wieder arbeiten. Die bayerische Staatsregierung lockert nun peu à peu weitere Maßnahmen im Kampf um die Corona-Pandemie.

Sandra Gareiß ist seit 27 Jahren selbständig. In ihrem Beruf hat sie viele Höhen und Tiefen erlebt. Als Obermeisterin der Friseurinnung Ostallgäu/Kaufbeuren steht sie den 71 Mitgliedsbetrieben vor. Wie alle Friseure hat auch sie jüngst eine schwere Zeit durchlebt, wenn nicht die härteste in ihrer Laufbahn. Sechs Wochen lang musste sie ihr „Haar Spa“ in Unterthingau schließen. Auch für sie war es eine Art Achterbahnfahrt. Sie habe sich viele Gedanken gemacht, ob sie Mitarbeiter entlassen müsse. Die Friseurmeisterin kam um die Kurzarbeit nicht herum. Als Chefin hänge sie natürlich sehr an ihrem Team. „Ich kämpfe für jeden“, machte sie im Gespräch mit dem Kreisbote unmissverständlich deutlich. Zwei Tage vor der Wiederöffnung kam Gareiß mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. „Wir haben uns persönlich ausgetauscht, wie es ihnen geht, wie sie sich fühlen und ob sie auch etwas Angst haben“, müssen doch sämtliche Friseure eine Vielzahl an Auflagen meistern, damit nach den Lockerungen die Hygienevorschriften auch penibel eingehalten werden.

Friseurin Nadine Kollmann vom Salon „Haar Spa“ in Unterthingau darf wieder Strähnchen machen.

Da eineinhalb Monate kein Geld in die Kasse gespült wurde, ist die Erleichterung umso größer, dass die Friseure wieder ihrer Arbeit nachgehen dürfen. Wenn auch etwas eingeschränkt. Beim Thema „Mund-Nasen-Maske“ wird Sandra Gareiß sehr deutlich: „Das ist wie eine Verschleierung meiner Persönlichkeitsrechte.“ Denn sowohl das Personal als auch die Kunden sind gezwungen, die Masken aufzuziehen. Zum Standard eines Friseurbesuchs gehört aktuell Haare waschen, um dadurch mögliche Viren abzutöten. Danach geht die eigentliche Arbeit los.

Trotzdem können viele Dienstleistungen, wie beispielsweise Augenbrauen färben, Rasieren, Bartschneiden und eine Ohr­enthaarung nicht stattfinden. „Daran führt erst einmal kein Weg vorbei“, hofft die Obermeisterin auf eine baldige Besserung der Maßnahmen. Hinzu kommt, dass es keinen Service gibt. Die Zeitungen sind weggeräumt, der Kaffee, um die Wartezeit zu überbrücken, ist gestrichen. Termine gehen nicht mehr spontan, sondern nur noch nach Anmeldung.

Dennoch bekommen Sandra Gareiß und ihr Team nur positive Rückmeldungen nach ihrer Wiedereröffnung. „Die Menschen wollen wieder schön sein und sich gut fühlen. Die Haare spielen dabei eine enorm wichtige Rolle“, freut sie sich über ihre Kunden, deren Aggressionen wegen der Corona-Krise immer wieder hochkochen. „Die Leute sind einfach satt. Viele wollen und können es einfach nicht mehr hören“.

Sandra Gareiß ist froh, dass sie für ihre Kunden wieder da sein darf, auch wenn ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedingt durch die Corona-Krise den ganzen Mai über nun sechs Tage arbeiten werden. Die Kunden wird es freuen.

von Stefan Günter

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