Erste Erfahrung mit der Faulung – Biessenhofen liefert Material an

Energie aus Klärschlamm

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Jede Menge Technik ist da verbaut zur Klärschlammfaulung: Hinten Betriebsleiter Siegfried Batzer.

Marktoberdorf/Biessenhofen – Die Energie, die im Klärschlamm steckt, kann die Stadt Marktoberdorf inzwischen besser nutzen als früher. Mit der 3,4 Millionen Euro teuren Klärschlammfaulung wird Strom erzeugt und Wärme ausgekoppelt. Ein weiterer Effekt ist, dass sich die Menge des Restmaterials, das bislang zur Verwertung nach Altenstadt gebracht wird, um circa 30 Prozent reduziert.

Die neue Anlage beim Klärwerk im Norden Marktoberdorfs ist für zwei Gemeinden von Vorteil. Davon profitieren die Kreisstadt und Biessenhofen. Denn die 4000 Einwohner zählende Kommune kann – so ist es vertraglich vereinbart – im Monat bis zu 350 Tonnen Klärschlamm anliefern. Die erste Fuhre wird Ende Mai herangekarrt.

Bei einem Rundgang im Klärwerk informierten Siegfried Batzer, der seit 1991 bei der Stadt Marktoberdorf arbeitet und seit 2005 Betriebsleiter der Anlage ist, sowie Gebäudemanager Richard Siegert die interessierten Gemeinde- und Stadträte über die Klärschlammfaulung. Stationen waren die Verfaulungsanlage und der Gasbehälter sowie der Keller der Kläranlage, wo die zwei Blockheizkraftwerke (Leistung 75 KW) stehen, zu denen bald eine dritte Maschine hinzu kommen wird.

Energieintensiv

Das Klärwerk und das Hallenbad sind die zwei Einrichtungen der Stadt Marktoberdorf, die am meisten Energie verbrauchen. Im Hallenbad wurden, so schilderte es Gebäudemanager Siegert dem Kreisbote, zwischen 2010 und 2012 drei Blockheizkraftwerke eingebaut, um den Verbrauch von zugekauftem Strom deutlich zu minimieren.

Einen deutlichen Effekt soll jetzt auch die Investition im Klärwerk bringen. Dort benötige man 1,1 Kilowattstunden Strom im Jahr, um alle angeschwemmten Fäkalien aus Marktoberdorf und den Stadtteilen zu reinigen (mit Ausnahme von Sulzschneid). Das Ziel sei es, mit der 2015 vom Stadtrat beschlossenen Modernisierung 40 Prozent des Stroms selbst zu erzeugen. Dies sei bereits erreicht worden, schilderte Siegert vor den Stadt- und Gemeinderäten. Erzeugt werde sowohl Strom – in erster Linie für den Eigenbedarf – als auch Wärme.

Sowohl Siegert als auch Abwassermeister Batzer wiesen freilich darauf hin, dass es im Sommer zu einem Überschuss an Wärme komme, die nicht benötigt werde. Daher müsse sie ungefähr drei Monate lang in die Atmosphäre abgelassen werden.

Nach dem Bau der Klärschlammfaulung wurde Ende 2016 der Probebetrieb aufgenommen. Seit einem Jahr ist die Anlage im regulären Betrieb. Im Mai 2018 beginnt die Zusammenarbeit zwischen Marktoberdorf und Biessenhofen, wo die Kläranlage ertüchtigt wurde und deren Schlamm nun an Marktoberdorf geliefert wird. Der Rest des Materials wird vom Entsorger, der Firma Hubert Schmid, weiterhin zur Firma Emter nach Altenstadt gefahren, wo er verbrannt wird.

Doch verringert sich die Menge erheblich. Für 2019 rechnet man laut Betriebsleiter Batzer noch mit 2000 Tonnen gepresstem Schlamm, die zum Verwertungsbetrieb an der B 472 gebracht werden. Wohlgemerkt inklusive des Materials aus Biessenhofen. Da gab es Jahre, in denen diese Menge allein aus der Stadt Marktoberdorf schon höher war. Zum Vergleich: 2016 waren es 2200 Tonnen.

Der Umweltaspekt

Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell unterstrich den Umweltgedanken. Woanders baue man zur Energieerzeugung gar Mais und Getreide an. Sein Biessenhofener Amtskollege Wolfgang Eurisch erwähnte, dass nach der Ertüchtigung des eigenen Klärwerks im Mai noch daran gearbeitet werde, die Qualität des Schlammes zu verbessern, um daraus Strom zu gewinnen. Und mit schelmischem Blick setzte er dann die Bemerkung drauf: Wenn in Marktoberdorf mal die Lichter ausgingen, dann läge das nicht an der Qualität des Biessenhofener Klärschlamms.

jj

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