Energieteam soll es richten

KREI

SBOTE Schwangau/Ostallgäu – Was der Kaufbeurer Stadtrat jüngst in seiner Entscheidung über den Fortgang ausgesetzt hat, ist im Landkreis in vollem Gange: Ein Klimaschutzkonzept. Bis 2020, das bekräftigte Landrat Johann Fleschhut (FW) in der jüngsten Sitzung des Kreistages, soll die Hälfte der Energie im Landkreis aus regenerativen Rohstoffen gewonnen werden. Beim Strom, das rechneten die Experten des Energiezentrums Allgäu (eza) vor, ist die 50-Prozent-Marke bereits geknackt. Diplomingenieurin Heidi Schön von eza brachte die CO2-Bilanz des Landkreises auf den neuesten Stand. 9,53 Tonnen CO2 verbraucht jeder Ostallgäuer pro Jahr, erklärte sie. Beim Thema Stromverbrauch hatte sie positive Neuigkeiten zu vermelden. Da einer der fünf Stromerzeuger im Landkreis ursprünglich vergessen hatte, den Strom anzugeben, den er mit dem Forggensee-Wasser erzeugt, fließt tatsächlich mehr grüner Strom aus Ostallgäuer Steckdosen, als bisher angenommen, nämlich über 50 Prozent. Anders sehe es bei der Wärme aus, hier stammen immer noch 85,1 Prozent der Energie aus fossilen Rohstoffen, 76 Prozent sind es, wenn man Strom und Wärme zusammenrechnet. „Ein wichtiges Thema wird die Altbausanierung sein“, prognostizierte sie. Martin Sambale von eza erläuterte dem Gremium, wie es weitergehen soll. Entwicklungsplanung und die energetische Sanierung öffentlicher Gebäude seien originäre Landkreisaufgaben und vor allem wegen ihrer Vorbildwirkung wichtig. Wie auch in den Gemeinden, soll ein Energieteam gegründet werden, das neben einer „Ist-Analyse“ ein Aktivitätenprogramm erstellt, um weiterhin CO2 einzusparen. In diesem Team sollen die Ämter des Verwaltung sowie Unternehmer, Bürger, Fachleute, Kommunen und die Land- und Forstwirte an einem Tisch sitzen. Dass jedem Amt ein Sitz eingeräumt wurde, andere Stellen, wie etwa die Kommunen, aber insgesamt mit nur einem Sitz auskommen müssten, kritisierte Grünen-Kreisrat Hubert Endhardt. Für ihn sei dies ein Zeichen, „dass das Landratsamt das Energieteam gut unter Kontrolle haben will“. Zudem reiche ein Unternehmer-Sitz nicht aus, wenn die Unternehmen mit 40 Prozent am CO2-Ausstoß beteiligt sind. Kämmerer und weitere Amtsleiter sollten jedoch am Tisch sitzen, empfahl Sambale, um gleich die Machbarkeit von Vorschlägen beurteilen zu können. Von einem „Quantensprung in der Kreispolitik“ sprach Pfrontens Bürgermeister Josef Zeislmeier (SPD), und beantragte, alle drei, statt wie vorgeschlagen fünf Jahre, eine neue CO2-Bilanz zu erstellen. Er plädierte dafür, „gerade im Bauamt die Dinge auf den Weg zu bringen“, etwa durch Energie optimierte Bebauungspläne. Ein Vorschlag, der auf einschlägiger Erfahrung beruht, denn erst vor wenigen Monaten kamen optimierende Vorschläge eines Energieexperten zu einem Neubaugebiet in Pfronten-Ried zu spät, um noch berücksichtigt zu werden. „Wir sind ja schon mittendrin“, meinte der Landrat und führte die Realschule Buchloe, dass neue Landratsamt und die Realschule in Marktoberdorf als Beispiele für energetische Baumaßnahmen an. Dennoch seien er und die er Kreisräte „Realpolitiker“. Der Forderung, die der Fernsehjournalisten Dr. Franz Alt kürzlich im Rahmen einer Präsentation in Hopfen am See formulierte, nämlich bis 2030 auf 100 Prozent regenerative Energie im Ostallgäu umzustellen, erteilte der Landkreischef eine Absage: „Es macht keinen Sinn, die Latte so hoch zu legen, dass wir gar nicht mehr drüberspringen können.“ Die Räte stimmten der Fortführung des Projekts und auch der Bildung eines Energieteams zu. kb

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