Entgegen dem Trend

Kriminalstatistik 2020: Mehr Straftaten in und um Marktoberdorf

Polizei  Schild Marktoberdorf
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Trotz leicht angestiegener Fallzahlen betont die Polizei in Marktoberdorf: „Innerhalb des Landkreises Ostallgäu lebt es sich im Schutzbereich der Polizeiinspektion Marktoberdorf am sichersten!“

Marktoberdorf – Gut ein Jahr ist es her, dass der Polizei Markt­oberdorf ein bemerkenswerter Rauschgiftcoup gelang. Sie wurde im Februar 2020 in einen Ortsteil gerufen, weil es dort nach Marihuana rieche. Bei ihrer polizeilichen Kontrolle konnte sie dann sechs Personen festnehmen, die nicht nur fleißig Cannabis rauchten, sondern bei denen sich auch knapp acht Kilogramm Marihuana sowie 78.000 Euro Bargeld fanden. Ein klarer Fall von Rauschgifthandel, so Dienststellenleiter Helmut Maucher. Im November sprach das Landgericht Kempten drei der sechs Personen schuldig und ordnete Haftstrafen zwischen drei und fünf Jahren an.

Dies ist nur eine – immerhin spektakuläre – von insgesamt 897 Straftaten, die sich im vergangenen Jahr im Dienstbereich der Polizeiinspektion (PI) Marktoberdorf ereignet hat. Die Anzahl der Delikte ist entgegen dem bayernweiten Trend vor Ort gestiegen – um genau 67 Fälle im Vergleich zum Vorjahr (das bedeutet ein Plus von 8,1 Prozent). Insgesamt jedoch blickt die Polizei Marktoberdorf auf ein ruhiges Jahr zurück, wie Dienststellenleiter Maucher bei der alljährlichen Vorstellung der Kriminalstatistik betonte. „Der Schutzbereich der Polizeiinspektion Marktoberdorf gehört zu den sichersten Regionen Bayerns“, zog Maucher Bilanz. Dies belegt eindrücklich auch die so genannte Kriminalitätshäufigkeitszahl. Sie erfasst die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner und liegt in Marktoberdorf bei 2306 für das vergangene Jahr. Auf ganz Bayern gerechnet, liegt die Häufigkeitszahl bei 4528, also knapp doppelt so hoch. Auch in Kaufbeuren, Sonthofen oder Mindelheim ist die Zahl jeweils höher als für den Bereich Marktoberdorf. Laut Bernd Stapfner, Polizeihauptkommissar und Mauchers Stellvertreter, sei die Häufigkeitszahl hier zwar um 158 Fälle angestiegen, „dennoch erreicht die PI Markt­oberdorf einen hervorragenden Wert. Die Wahrscheinlichkeit, bei uns Opfer einer Straftat zu werden, ist sehr gering.“

Stolz und sehr erfreut präsentierte Dienststellenleiter Maucher außerdem die Aufklärungsquote in seinem Schutzbereich. Sie ist zwar im Jahr 2020 um ein Prozent niedriger als noch 2019, liegt jedoch immer noch auf sehr guten 74,2 Prozent. Das bedeutet, dass knapp drei Viertel aller in und um Marktoberdorf registrierter Straftaten aufgeklärt wurden.

Deliktzahlen im Einzelnen

Die Zahl der Straftaten im Bereich der Gewaltkriminalität, der Wohnungseinbrüche und der Rauschgiftdelikte ist im vergangenen Jahr zurück gegangen. Annähernd gleich hoch ist allerdings das Phänomen des Telefonbetrugs geblieben, das der Polizei auch in Marktoberdorf zu schaffen macht. Steigende Fallzahlen verzeichnet die Polizei im Bereich des Warenbetrugs, der sexuellen Selbstbestimmung, bei den Beleidigungen und den Sachbeschädigungen. Ordnungswidrigkeiten gegen Bestimmungen des Infektionsschutzgesetzes, so genannte Corona-Verstöße, fließen zwar nicht in die Kriminalitätsstatistik mit ein. Sie rufen jedoch auch die Polizei auf den Plan: gerade in diesem Bereich kamen vergangenes Jahr 176 Verstöße zur Anzeige.

Das sagt die Statistik im Einzelnen: Kein Mord und auch kein Totschlag, das ist die gute Nachricht. Allerdings schlugen drei Vergewaltigungen und zweimal Raub zu Buche. Die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen ging von 29 (2019) auf 16 in 2020 zurück. Das sei vermutlich eine Folge des pandemiebedingten Lockdowns, so Maucher, der keine Wirtshausschlägereien, keine Raufereien bei Großveranstaltungen aufzunehmen hatte. Und weil die Menschen mehr zuhause waren, abends nicht ausgingen und tagsüber im Homeoffice gearbeitet hatten, sei auch die Zahl der Einbrüche von sechs auf fünf gefallen. Auch wenn sich ein großer Teil der Bevölkerung vor einem Einbruch in die eigenen vier Wände fürchtet: „Es ist viel wahrscheinlicher, Opfer eines Telefonbetrügers zu werden“, bestätigte Maucher. Insgesamt gab es 44 Fälle davon, die an die Polizei herangetragen wurden. Sie waren zu einem großen Teil zwar nicht erfolgreich, und doch kann der Beuteschaden hoch sein.

Callcenterbetrug

So ist im Mai 2020 ein Markt­oberdorfer Opfer des Phänomens „Falscher Amtsträger“ geworden. Ein Anrufer gab sich als „Fahnder aus München“ aus und täuschte vor, dass angeblich die Kontodaten des Angerufenen gehackt wurden. Aus Gutgläubigkeit gab das Opfer die Kontodaten heraus und der Täter konnte damit aus der Türkei mehrere Überweisungen veranlassen. Es entstand ein Beuteschaden von knapp 110.000 Euro. Einmal in die Türkei überwiesen, konnte der Geldtransfer nicht mehr gestoppt werden.

Der so genannte Callcenterbetrug sei ein Schwerpunkt der polizeilichen Ermittlungen, wie der Dienststellenleiter bestätigte. Die Täter täuschten meist falsche „Notlagen“ vor, um die Opfer zur Herausgabe von Wertgegenständen oder Bargeld zu veranlassen. Sie gaben sich gerne als Polizisten oder andere Amtsträger aus und riefen unter falschen Nummern an. Maucher warnte erneut eindringlich: „Die Polizei ruft sie nicht an, und schon gar nicht unter der 110.“

„Wir stehen da erst am Anfang“

Auffällige Steigerungen verzeichnet die Kriminalstatistik bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (wie beispielsweise sexuelle Belästigung und sexuelle Übergriffe). 16 waren es im Vorjahr, 27 sind es bereits 2020. Und Maucher prognostizierte weitere Zunahmen. „Wir stehen da erst am Anfang“, befürchtete er. Er führte die Steigerung größtenteils auf das Hin- und Herschicken pornografischer Bilder innerhalb der so genannten Messenger-Dienste, wie Whatsapp, zurück. Das betreffe zum einen Klassenchats, und damit Jugendliche und deren Eltern. Hier greife die Polizei umfassend und konsequent ein. Auf der anderen Seite leitete das US-amerikanische FBI ein Großverfahren gegen weltweit agierende Täter ein, die kinderpornografische Inhalte herstellten, verarbeiteten und verbreiteten. In diesem Zusammenhang wurden 2020 rund 150.000 Nutzer-(IP)Adressen vom FBI nach Deutschland übermittelt – und schlugen so auch in der PI Markt­oberdorf auf. „Über FBI und Bundeskriminalamt gelangten die entsprechenden IP-Adressen auch zu unserer Dienststelle, die mit den Ermittlungen gegen die festgestellten Nutzer vorging,“ erklärte Maucher.

Beharrlicher Stalker

Beleidigung ist kein Kavaliersdelikt, wiederholte der Dienststellenleiter auch bei der Vorstellung der statistischen Zahlen für diesen Straftatsbereich. Hier stieg die Zahl der Anzeigen von 43 (2019) auf 63 in 2020. Die Steigerung sei maßgeblich auf einen Streit zweier Personengruppen auf einem öffentlichen Parkplatz zurückzuführen. Darüber hinaus wurden einige Fälle angezeigt, die auf einen Täter, einen beharrlichen Stalker zurückzuführen sind.

von Angelika Hirschberg

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