Bei Kaufbeuren von Ost nach West

Entscheidung für den Verlauf der B12 im Abschnitt 5 ist gefallen

Entwurf B12 Ausbau
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So sehen aktuell die Pläne für den Ausbaubau der B12 im Bauabschnitt 5 zwischen Hirschzell und Untergermaringen aus.

Kaufbeuren – „Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie“, sagte Oberbürgermeister Stefan Bosse in seiner Begrüßung bei der Informationsveranstaltung für die Kaufbeurer Bürger für den vierspurigen Ausbau der B12 als Allgäuschnellweg zum derzeitigen Sachstand zwischen Hirschzell und Untergermaringen. „Nach der ersten Infoveranstaltung im letzten Jahr erfolgt nun der nächste Schritt“, so Thomas Hanrieder vom Staatlichen Hochbauamt (SHBA) in Kempten. Den Kaufbeurern wurden nach der abgeschlossenen Vorplanung für den gut neun Kilometer langen Planungsabschnitt 5 (PA 5) nunmehr die Ergebnisse für den Ausbau vorgestellt. Während der Abschnitt von Hirschzell bis Kaufbeuren eine Erweiterung auf der Ostseite der bisherigen Trasse vorsieht, findet auf Höhe Kaufbeuren ein Wechsel auf die Westseite statt.

Vielleicht war es der Corona-­Situation geschuldet, denn die ursprünglich für zwei Termine angesetzte Veranstaltung konnte aufgrund geringer Teilnehmerzahlen zu einem Termin zusammengefasst werden. Gut 40 Besucher waren im Gablonzer Haus anwesend, darunter einige Mitarbeiter aus der Verwaltung und Stadträte. „Ich stelle Ihnen heute die Erkenntnisse und darauf basierenden Entscheidungen für den vorgesehenen Verlauf der zweibahnig und vierstreifig ausgebauten B12 im PA 5 vor“, so Hanrieder als Abteilungsleiter Planung im SHBA eingangs seines Vortrages, wobei er auch Simone Sander als Projektleiterin für den PA 5 vorstellte.

In umfassender Form und in sehr detaillierten Schritten erläuterte er, welche Untersuchungen seitens extern beauftragter Fachbüros für die jetzige Variante zur Wahl der Anbauseite geführt hat. Er betonte, dass seitens der Behörde dabei stets der Schutz der Menschen und die Auswirkungen auf die Umwelt im Vordergrund gestanden hätten. Gerade der Flächenausgleich spiele eine große Rolle. Dabei werden nach Hanrieders Worten im Rahmen gesetzlicher Vorgaben am Beispiel einer Kiesgrube „Schandflecken“ zu „Kleinoden“ umgewandelt oder landwirtschaftlich genutzte Flächen wie ein als Monokultur existierender Fichtenwald naturschutzfachlich aufgewertet. Vorgesehen sind Ausgleiche beispielsweise in der Umgebung des Korbsees und im Gennachhauser Moos. Damit war auch die Nachfrage von Herbert Stumpe beantwortet, der einen Ausgleich im Entfernen alter Betonflächen für neue Betonflächen gesehen hatte.

„Rechts oder links“?

Der fünfte Planungsabschnitt ist auf der in insgesamt sechs Abschnitten unterteilten und 51 Kilometer langen Strecke von Kempten bis Buchloe nach den Abschnitten Sechs und Eins in der Reihenfolge als Nächster im Jahrestakt an der Reihe. Für den asymmetrischen Ausbau – also den wechselseitigen Anbau rechts und links der bestehenden Trasse – sei nach den Worten des Fachmanns eine der wichtigsten Entscheidungen: „Wo baue ich rechts und wo links an?“ Dafür wurde der PA 5 mit den weiterhin verbleibenden zwei Ausfahrten und 14 Brücken für die genaue Untersuchung nochmals in vier einzelne Teilabschnitte zerlegt. In einer Entscheidungsmatrix mit konkreten Zahlen und Fakten werden dann zwei große Gesichtspunkte in etlichen einzelnen Schritten betrachtet: aus umweltfachlicher und aus planerischer Sicht (siehe Infokasten). Ein Ampelsystem ergibt dabei für jeden Teilabschnitt ein Ergebnis. Insgesamt führt dies zur Entscheidung über die Anbauseite im PA 5.

Von Ost nach West

Nach Abwägung aller Aspekte ist folgender Ausbau vorgesehen: Im südlichen Abschnitt auf Höhe von Hirschzell bis inklusive der Anschlussstelle Kaufbeuren ist vorgesehen, die Erweiterung der zweiten Fahrbahn auf der Ostseite der bestehenden Bundesstraße anzulegen. Direkt nördlich der Anschlussstelle Kaufbeuren (großer Kreisel), bis etwa auf Höhe der bestehenden Gehwegunterführung Steinholz, erfolgt auf einer Länge von rund 750 Meter der Wechsel der Anbauseite (sogenannte Verschwenkung). Im gesamten nördlichen Streckenabschnitt – bis zum Anschluss an den PA 6 im Bereich Germaringen – wird der Anbau auf der Westseite der bestehenden B12 erfolgen. Nach derzeitigem Stand liegen die Kosten für den PA 5 insgesamt bei etwa 77 Millionen Euro und einer Bauzeit von rund drei Jahren.

Keine deutliche Verkehrszunahme

Befürchtungen einer deutlichen Verkehrszunahme durch den Ausbau zur Schnellstraße trat Hanrieder entgegen. Die Verkehrsuntersuchungen hätte gezeigt, dass auch ohne den Ausbau bis 2030 eine Verkehrszunahme von etwa 13 Prozent erfolge. Lediglich weitere zehn Prozent mehr sind es durch den Ausbau. Rechnerisch ergeben sich – bezogen auf Stand heute – damit 180 Fahrzeuge pro Stunde mehr. Auch die bisher am künftigen Allgäuschnellweg befindlichen Parkplätze werden von nunmehr acht auf vier in einem eigenständigen Verfahren reduziert. „Wenn es im nächsten Jahr zur Planfeststellung als nächsten Schritt geht, sehen wir uns wieder“, schloss der Abteilungsleiter nach dem jetzigen Vorentwurf mit Blick auf den nächsten Schritt.

Lärmschutz

Ob es bezüglich des Lärmschutzes im Abschnitt auf Höhe Hirschzell schon Erkenntnisse gebe, wollte Willi Gellings wissen. Der Lärmschutz sei nach bundesweit einheitlichen Kriterien definiert und festgelegt, sagte der Chefplaner. Nach jetzigem Stand gebe es keine Anspruchsberechtigung, was sich aber in der Zukunft durch einen höheren Maßstab noch ändern und zu einer Anpassung führen könne. Josef Marz zollte den Planern des SHBA ein großes Lob: „Sie haben sich viel Mühe gegeben, um umweltfreundlich zu bauen.“ Dies brauche nicht zerredet werden, was mit Beifall der Besucher quittiert wurde.

Wolfgang Becker

Umweltfachliche und planerische Aspekte

  • Umweltfachliche Gesichtspunkte, Erkenntnisse aus den Raumempfindlichkeitsanalysen und Vorgaben aus dem Regionalplan, wie
  • »Vorrang-/ Vorbehaltsgebiete für Bodenschätze und Wasserversorgung
  • »Trenngrün
  • »Landschaftliches Vorbehaltsgebiet
  • Zu beachtende Fachplanungen/-daten Dritter
  • »Bauleitplanung (verbindliche und vorbereitende)
  • »Schutzgebiete / -objekte (nach Naturschutz-, Wasser-, Wald-, Denkmalrecht)
  • »Sonstige Fachausweisungen (wie amtliche Biotopkartierungen, ABSP, Waldfunktionsplan)
  • Ergänzende projektbezogene Erhebungen
  • »Flächendeckende Vegetations- und Nutzungstypenkartierung
  • »Umfangreiches faunistisches Erhebungsprogramm (acht Tiergruppen und Einzelarten)
  • Planerische Gesichtspunkte
  • Zwangspunkte
  • »Bebauung, wie Fa. Hawe, Pizzeria, Fa. Roller
  • »Ingenieurbauwerke
  • Vorhandenes Wegenetz
  • »Anschlussstellen
  • »untergeordnetes Wegenetz
  • Leistungsfähigkeitsnachweise
  • »durchgehende Strecke
  • »Knotenpunkte
  • Trassierungstechnische Vorgaben
  • »Verkehrssicherheit
  • »Verkehrsqualität
  • Baugrund
  • »Bodenbeschaffenheit
  • »VersickerungsfähigkeitUmweltfachliche Gesichtspunkte
  • Erkenntnisse aus den Raumempfindlichkeitsanalysen
  • Vorgaben aus dem Regionalplan, wie
  • »Vorrang-/ Vorbehaltsgebiete für Bodenschätze und Wasserversorgung
  • »Trenngrün
  • »Landschaftliches Vorbehaltsgebiet
  • Zu beachtende Fachplanungen/-daten Dritter
  • »Bauleitplanung (verbindliche und vorbereitende)
  • »Schutzgebiete / -objekte (nach Naturschutz-, Wasser-, Wald-, Denkmalrecht)
  • »Sonstige Fachausweisungen (wie amtliche Biotopkartierungen, ABSP, Waldfunktionsplan)
  • Ergänzende projektbezogene Erhebungen
  • »Flächendeckende Vegetations- und Nutzungstypenkartierung
  • »Umfangreiches faunistisches Erhebungsprogramm (acht Tiergruppen und Einzelarten)
  • Planerische Gesichtspunkte
  • Zwangspunkte
  • »Bebauung, wie Fa. Hawe, Pizzeria, Fa. Roller
  • »Ingenieurbauwerke
  • Vorhandenes Wegenetz
  • »Anschlussstellen
  • »untergeordnetes Wegenetz
  • Leistungsfähigkeitsnachweise
  • »durchgehende Strecke
  • »Knotenpunkte
  • Trassierungstechnische Vorgaben
  • »Verkehrssicherheit
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  • »Bodenbeschaffenheit
  • »Versickerungsfähigkeit

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