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Entscheidung naht im kommenden Jahr

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Der parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn (li.) informierte sich mit MdB Stephan Stracke (Mitte) bei Major Stefan Heinz über die Ausbildung am Waffensystem Eurofighter. © Becker

Kaufbeuren – „Ich schaue mir die Dinge vorher an, bevor Entscheidungen darüber gefällt werden“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär (PStS) und Vertreter der Verteidigungsministerin, Thomas Silberhorn (CSU), in der vergangenen Woche.

Dabei bezog er sich auf eine für 2019 erwartete Entscheidung über die Zukunft der Ausbildungseinrichtung für die Technikerausbildung am Luftfahrzeug Tornado und Eurofighter, die nach der Schließungsentscheidung von 2011 nach Lechfeld verlagert werden soll, aber bis mindestens 2024 in Kaufbeuren verbleibt. Zudem gibt es laut Silberhorn mittlerweile „veränderte Rahmenbedingungen“, die zu einer Überprüfung von bundesweit 50 Standorten führen, zu denen auch Kaufbeuren gehört. Im Rahmen eines Informationsbesuches ließ er sich auf Einladung von Kaufbeurens MdB Stephan Stracke (CSU) in die Ausbildung am Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe (TAZLw) in Kaufbeuren einweisen.

„Ich bin gekommen, um mir den Standort Kaufbeuren anzuschauen, weil dies ein Anliegen des Wahlkreisabgeordneten und der Stadt Kaufbeuren war“, so der Staatssekretär eingangs eines Pressegespräches im Anschluss an die Besichtigung des Waffensystems Eurofighter (EF). Zuvor hatte er sich mit Oberst Dirk Niedermeier als Kommandeur und den Führungskräften der Abteilung Süd des TAZLw sowie Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse hinter verschlossenen Türen getroffen.

Silberhorn erläuterte, dass der 2011 zur Schließung vorgesehene und nunmehr bis 2024 verlängerte Standort sich zusammen mit 50 anderen Orten in einer Überprüfung befinde. Mehrere Aspekte hätten Einfluss auf eine Entscheidung, die er 2019 erwarte. Dazu gehöre neben der sukzessiven Erhöhung des Personalstandes der Bundeswehr und dem damit einhergehenden Abgleich für den Aufwuchs auch die Organisation der luftfahrzeugtechnischen Ausbildung. Demnach sei vorgesehen, die Tornado-Ausbildung 2028 auslaufen zu lassen, da die Nutzung des Waffensystems maximal bis 2035 laufen soll. Ob für wenige Jahre eine Verlagerung Sinn mache, werde geprüft. Das gelte auch für die Ausbildung am Eurofighter. Möglich sei eine Weiterführung der Ausbildung durch die Bundeswehr (Optimiertes Eigenmodell = OEM) ebenso wie durch die Industrie oder im Rahmen einer Kooperation zwischen Bundeswehr und Industrie.

„Besuch war hilfreich“

An welchem Standort – ob Kaufbeuren oder Lechfeld – hängt auch davon ab, wo die zukünftig weiteren Transportflugzeuge des Typs A 400 M stationiert würden, die nach dem Wunsch der Ministerin einer multinationalen Nutzung zugeführt werden sollen. Lechfeld ist ein möglicher Kandidat für die Stationierung. „Viele Dinge greifen ineinander und wir bitten aufgrund der Planbarkeit und Berechenbarkeit hinsichtlich des Zeitfensters um Geduld“, sagte Silberhorn, „natürlich sind wir als Bundeswehr gerne dort, wo wir gerne gesehen sind.“ Mit Blick in die Zukunft erläuterte er, dass für die Nachfolge des EF ab 2040 eine deutsch-französische Zusammenarbeit vereinbart sei, um die Vielfalt der Waffensysteme zu reduzieren und damit eine europäische Lösung anzustreben. „Der Besuch war ausgesprochen hilfreich für mich“, so der erstmalig in Kaufbeuren weilende Politiker nach einer Einweisung in das Baumuster EF durch Major Stefan Heinz, „denn zwischen Aktendeckeln schaut die Welt anders aus als in realen Fernen.“

„Klarheit statt Hängepartie“

Stracke, der zusammen mit seinem Fraktionskollegen Dr. Reinhard Brandl den Staatssekretär begleitete, bedankte sich und sagte: „Mir war es wichtig, dass in einer Phase der Entscheidung erkannt wird, was an diesem Standort geleistet wird und was dessen Attraktivität als solche und für die Einbettung in die Region ausmacht. Mir wäre das OEM am liebsten und ich glaube, dass der Standort aufgrund seiner hohen Ausbildungsqualität gute Chancen hat.“ Das laufende Interessenbekundungsverfahren sehe er als Fenster zur Präsentation und hoffe, dass die „Hängepartie“ zugunsten Kaufbeurens beendet werde. Brandl, der im Haushaltsausschuss Berichterstatter für den Etat des BMVg und Mitglied des Verteidigungsausschusses ist, machte deutlich, dass „heute andere Voraussetzungen als 2011“ bestehen. „Die Vorzeichen haben sich 2014/15 für die Bundeswehr gedreht, denn sie wächst in personeller, materieller und finanzieller Hinsicht“, so Brandl. Es müsse bald „Klarheit geschaffen werden“, insbesondere mit Blick auf die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Soldaten.

von Wolfgang Becker

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