Die Chinesen kommen...

Entwicklung des China-Tourismus in Marktoberdorf: Mit Pilotprojekt auf Kundenfang

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Marktoberdorf als Übernachtungsstandort Chinesischer Touristen. Bei einer Informationsveranstaltung erhielten die erschienenen Interessenten wertvolle Einblicke in das Verhalten und die Kaufgewohnheiten dieser Besuchergruppen. Philipp Heidrich (von links) vom Referat Stadtmarketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung, sowie Bianca Burgert, Yanan Guo und Michel Bohata von der Firma Wirecard Global Sales GmbH stellten dabei ihre Vorstellungen eines geplanten Pilotprojektes vor.

Marktoberdorf – „Die Chinesen sind die ‚neuen Japaner‘ des Tourismus“ – so wird neuerdings scherzhaft der zwischenzeitlich verstärkt einsetzende Besucherstrom reisefreudiger Touristen aus dem „Reich der Mitte“, in der Reisebranche betitelt. Zunächst – dank entsprechender Reiseerleichterungen – lediglich für deutsche Anbieter ein kleineres Marktsegment, entwickelte sich das Ganze in jüngster Zeit doch beachtlich.

Süddeutschland, hier vor allem Bayern mit den angrenzenden Tiroler Bergen, ist bei chinesischen Touristen zu einem echten Lieblingsziel geworden. Und so dürfte es kaum einen reisefreudigen Chinesen geben, der nicht schon einmal in seinen Träumen zumindest Bayern und das Allgäu auf diese Art und Weise „besucht“ hat. Schloss Neuschwanstein, die Tiroler Berge oder das Münchner Hofbräuhaus wirken geradezu wie ein Magnet auf diese Menschen. Aber auch Markt­oberdorf will zukünftig noch mehr für die Chinesen interessant sein.

So konnten im Jahr 2018 insgesamt 940.300 Übernachtungen chinesischer Touristen allein in Bayern registriert werden. Tendenz steigend! Marktoberdorf ist dabei in gewissem Umfang mit dabei. Im Rahmen einer Infoveranstaltung des Referats „Stadtmarketing, Tourismus und Wirtschaftsförderung“ im Hotel „Sepp“, konnte Philipp Heidrich darauf verweisen, dass derzeit circa 10.000 Besucher aus China die Ostallgäuer Kreisstadt als Übernachtungsstandort besuchen. Begünstigt durch die Nähe zu Füssen und den Königsschlössern, Tirol und zur Landeshauptstadt München dürften die Kontingentanfragen noch weiter zunehmen. Bei einem geschätzten Ausgabeverhalten von mehr als 350 Euro pro Person und Tag stelle deshalb diese Zielgruppe in Puncto „Wertschöpfung“ ein interessantes Potenzial, vor allem für den Handel und die Gastronomie, dar.

Noch keine nennenswerte Wertschöpfung

Derzeit werde Marktoberdorf von Busgruppen in erster Linie als Zwischenstation genutzt und angefahren. Wie Heidrich in seinem Referat betonte, würden sich die chinesischen Gäste je nach Ankunftszeit (zumeist in den frühen Abendstunden) nahezu ausschließlich in Sichtweite ihrer Unterkunft (in der Regel im Bahnhofsbereich) bewegen. Deshalb könne man, trotz dieser erfreulichen Übernachtungszahlen, derzeit noch nicht über eine nennenswerte Wertschöpfung für den Handel und anderweitiger Angebote in der Stadt sprechen.

Wie Studien belegen, würden gleichzeitig Individualreisen aus China in erfreulichem Umfang zunehmen. Diese Gäste blieben dann mehrere Tage an einem Ort, um Ausflüge, Besichtigungen und vor allem Shoppingtouren zu unternehmen. Hier müsse man den Hebel ansetzen.

Pilotprojekt

Im Rahmen eines Pilotprojekts versucht die Stadt Marktoberdorf nun mit entsprechenden Angeboten an Einkaufsmöglichkeiten, Kulinarik, den Sehenswürdigkeiten im Allgäu und der leicht erreichbaren Landeshauptstadt München, sowie weiteren Freizeitangeboten zu punkten.

Deutschland sei im „Reich der Mitte“, so Heidrich, vor allem als das Land der Qualitätsprodukte bekannt. „Made in Germany“ stehe hoch im Kurs und ist die klare Lieblingsmarke der Chinesen und so möchte man möglichst viele Erinnerungsstücke und Gebrauchsgegenstände für sich, aber auch für Verwandte und Freunde mit nach Hause nehmen. Echte Klassiker unter diesen „Mitbringseln“ sind laut statistischen Erhebungen Messer- und Topfsets, Markenkleidung, Lebensmittel, Drogerieartikel und Parfüm, aber auch Markenschuhe und Sportartikel. Dabei werde preisorientiert im mittleren Preissegment eingekauft. Da insbesondere Kurzbesucher häufig in organisierten Reise- und Shoppinggruppen unterwegs sind, würden gezielt vorher festgelegte Geschäfte aufgesucht.

Internet als Wegweiser

Hier meldete sich Michael Bohata, Sales Manager der Firma Wirecard Global Sales GmbH, zu Wort. Dieses innovative Finanztechnologieunternehmen das ihre Kunden mit globalen Zahlungslösungen und neuen Zahlungsarten unterstützt, berät schon seit einiger Zeit das Referat Stadtmarketing und Tourismus in Marktoberdorf. Wie Bohata in seinem Vortrag erklärte, würden chinesische Touristen bereits vor Reiseantritt ihre Einkaufsmöglichkeiten im zu besuchenden Gastland per Internet genau studieren und festlegen. Aber auch vor Ort stelle das Internet ein wichtiges Informationsmittel dar. Chinesen seien digitalen Entwicklungen gegenüber sehr aufgeschlossen, solange diese nutzerfreundlich sind. Deshalb sollten entsprechende Marketingmaßnahmen, um diese Zielgruppe auch zu erreichen, verstärkt in deren Sprache angeboten werden. Auch sollte beachtet werden, dass vor allem die konsumfreudigen Kurzbesucher bereits vor ihrer Ankunft angebotsmäßig erreicht werden, da diese nur sehr wenig Zeit hätten, um sich vor Ort mit den jeweiligen Angeboten auseinanderzusetzen. Deshalb gehöre es dazu, Webseiten entsprechend zu übersetzen und Apps für Promotion- Aktionen zu nutzen.

Auch die Bezahlung müsse so einfach wie möglich gehandhabt werden. Da Chinesen so gut wie nie in bar zahlen, werden in erster Linie mobile Zahlungsmethoden genutzt. Hier könne Wirecard mit den Systemen Alipay und WeChat Pay den hiesigen Geschäftsleiten weiterhelfen und somit entscheidende Schritte für eine erfolgreiche Entwicklung des China Tourismus in Marktoberdorf sorgen.

von Klaus-Dieter Körber

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