Neugestaltung der Fußgängerzone beschäftigt Bürger

Denkanstöße geliefert

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Aktiv eingebunden: Die Bürger konnten ihre Wahrnehmungen der bestehenden Fußgängerzone zu Papier bringen.

Kaufbeuren – Wie soll die zukünftige Fußgängerzone nach der geplanten Sanierung aussehen? Wen soll sie anziehen und welche Erwartungen werden an sie gestellt? Zu diesen und weiteren Fragen hatte das Bürgerforum Kaufbeuren zu einem Vortrags- und Diskussionsabend eingeladen.

Zunächst nahm der ehemalige Stadtrat Fritz Sturm die gut 50 interessierten Zuhörer mit auf eine Zeitreise zum Entstehen der jetzigen Fußgängerzone. Im Anschluss referierten die Architektin und Stadtplanerin Annegret Michler und der Marktforscher Dr. Stefan Leuninger praxisnah zu den aktuellen Entwicklungen der Innenstädte und den Konsequenzen für eine Weiterentwicklung der Fußgängerzone in Kaufbeuren. 

In seiner Begrüßung formulierte Vorstand Oliver Schill das Ziel der Veranstalter für den Vortragsabend: Einstimmung und Ideengeber für die von der Stadt am 12. Mai vorgesehene „Bürgerwerkstatt“ zur Sanierung der Fußgängerzone. Mit der zweiten Veranstaltung zu der äußerst komplexen Thematik sollten weitere Denkanstöße im Rahmen der Bürgerbeteiligung gegeben werden. 

Gemeinsam mit Moderator Dr. Ulrich Klinkert schilderte Fritz Sturm als damaliger CSU-Stadtrat und Vorsitzender des Einzelhandelsverbands in seinem Rückblick die Entstehung der Fußgängerzone. Als Ideengeber nannte er den damaligen SPD-Stadtrat Dr. Helmut Simon. „Zunächst waren alle im Stadtrat dagegen, doch wir beide haben koaliert“, berichtet Sturm schmunzelnd, „und am Ende waren alle dafür.“ 

Auch die Händler hätten im Gegensatz zur Bevölkerung Vorbehalte gehabt und sich erst nach einer Informationsveranstaltung für den Umbau von der stark belasteten Verkehrsstraße zum reinen Fußgängerbereich ausgesprochen. Für die Zukunft wünscht sich Sturm statt Filial-Ketten mehr Vielfalt an Betrieben und Sitzgelegenheiten. 

Chancen für Beteiligung 

Marktforscher Dr. Stefan Leuninger ging auf die aktuelle Entwicklung von Innenstädten ganz allgemein und den Konsequenzen für eine Weiterentwicklung der Fußgängerzone in Kaufbeuren ein. „Die Kunden- und Besucherfrequenzen haben sich in den vergangenen Jahren in den Fußgängerzonen um rund 20 Prozent verringert“, so Leuninger. Früher seien die Fußgängerbereiche als „Konsumzonen“ entstanden, die heute durch „wetterfeste Einkaufszentren“ Konkurrenz bekommen hätten. 

Ein Blick in die Zukunft sei nicht möglich, Revitalisierung alleine reiche jedoch nicht. „Es müssen neue Bilder erarbeitet werden, was mit einer zweistündigen Veranstaltung in Form einer Bürgerwerkstatt aber nicht möglich ist“, so die Auffassung des Experten. Es stelle sich auch die Frage: „Können alle Generationen und Kundengruppen für die Innenstadt und die Fußgängerzone begeistert werden?“ Der Marktforscher skizzierte Handlungsfelder wie das Angebot, die Erreichbarkeit und die Aufenthaltsqualität und hält beispielsweise eine Lösung in einer „Treffpunkt-Funktion“ möglich. 

"Kaufbeuren hat Qualität" 

Annegret Milcher bezog die Teilnehmer zu Beginn aktiv in das Geschehen ein. Auf einem vorbereiteten Arbeitspapier konnte jeder seine Wahrnehmungen und Eindrücke der jetzigen Fußgängerzone quasi in einer „Ist-Aufnahme“ schriftlich und zeichnerisch darstellen. 

Mit der Frage „Warum besucht man eine Innenstadt?“ beschäftigte sie sich in ihrem Vortrag ebenso wie mit der Notwendigkeit von Regeln für die Nutzung einer Fußgängerzone. „Kaufbeuren hat mit seinen engen Gassen sowie verschiedenen Blickwinkeln hohe Qualität und eine ganz gute, tolle Ausgangslage“, so die Stadtplanerin, die mit ihrer Familie selber in der Altstadt wohnt. Die Bürgerbeteiligung und ein Stadtmarketing in der Stadtentwicklung hält sie für unabdingbar. 

Alle interessierten Bürger sind zu einer kostenlosen Rundfahrt zum Thema „Fußgängerzone“ mit Start am Bahnhof am 2. Mai eingeladen. Ziele sind die Innenstädte von Memmingen, Wangen, Isny und Kempten. Anmeldungen beim Bürgerforum sind erforderlich.

von Wolfgang Becker

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