Ab 30. März im Kino

Kinotipp: "Die versunkene Stadt Z"

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Angehörige eines einheimischen Naturvolks umzingeln Brian Fawcett (Tom Holland) und seinen Vater Percy (Charlie Hunnam) während ihrer Expedition im Amazonasdschungel.

Die Abenteuerlust packt die meisten Menschen mindestens einmal im Leben. Bei manchen verliert sie sich nach der Kindheit, während sie bei anderen ein Leben lang anhält. In James Grays Abenteuerfilm „Die versunkene Stadt Z“ wird ein junger Offizier Zeit seines Lebens von der Sehnsucht gelenkt, unbekannte Flecken der Erde zu entdecken.

In Zeiten der detailreichen und spektakulären Science Fiction-Filme ist die Entdeckung fremder Planeten allgegenwärtig. Grays biografisch angehauchter Abenteuerfilm konzentriert sich auf die heimischen Gefilde der Erde, weckt damit aber eben soviel Entdeckungsfreude beim Publikum.

Inhalt

Der britische Abenteurer und Forscher Percy Fawcett (Charlie Hunnam) reist im Jahr 1906 in den Regenwald Amazoniens. Im Auftrag der Royal Geograpical Society kartografiert Fawcett zusammen mit seinem Adjutanten Henry Costin (Robert Pattinson), während der zweijährigen Expedition, die unerforschten Gebiete Boliviens. Geführt von Indianern des vor Ort lebenden Stammes, folgen die Forscher dem Lauf des Rio Verde bis zur Quelle. Im Herzen des Regenwalds entdeckt Fawcett Reste von Keramik, die seiner Meinung nach Beweise für die Existenz einer untergegangenen Stadt liefern. Nach seiner Rückkehr verkündet Fawcett in England seinen Fund. Während die Wissenschaftler ihn verhöhnen, unterstützt ihn seine Frau Nina (Sienna Miller), auch wenn sie die vergangenen Jahre alleine für die Kinder verantwortlich war. Fawcett kann die Skeptiker überzeugen und organisiert eine zweite Forschungsreise. Trotz schwerwiegender Zwischenfälle kann Fawcett weitere Reliquien der versunkenen Stadt finden. Doch der Ausbruch des 1. Weltkrieges zwingt den Abenteurer zur Heimkehr. Die Jahre vergehen und Fawcett kämpft an der Front Frankreichs. Sein Sohn John, (Tom Holland) der mittlerweile erwachsen und ebenfalls von der Abenteuerlust infiziert ist, drängt seinen Vater Jahre später zur einer erneuten Expedition, um die versunkene Stadt Z zu finden.

Rezension

„Die versunkene Stadt Z“ basiert auf dem gleichnamigen Geschichtsbuch von David Grann, der die Lebensgeschichte des Briten Percy Fawcett und seine mysteriöse Entdeckung in den Regenwäldern Südamerikas festhielt. James Gray („The Immigrant“) setzt die wahre Geschichte des Briten als episches Historiendrama um. Fawcett erscheint als Abenteurer zwischen Mut und Obsession. Er ist stets belastet mit menschlichen Sehnsüchten, Ängsten und unbeirrbarer Forschungsliebe, die er über das Leben seiner Familie stellt.

Aber nicht nur die abenteuerlichen Reisen bilden den Mittelpunkt des Films, sondern auch die Betrachtung der Konventionen einer Zeit im Umbruch. Die schwierigen Familienverhältnisse und die gravierenden Einschnitte durch den Krieg werden unverschönt auf die Kinoleinwand gebracht. Der Zuschauer begibt sich über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren hinweg mit der Hauptfigur auf kräftezehrende Expeditionen, die lebensgefährliche Aktionen mit sich bringen. Die Reisen durch den Amazonas zeugen durch malerische Bilder von einer wilden Natur, die Gefahren birgt und gleichzeitig unangetastete Orte offenbart. Die Dschungelszenen liefern ein Gefühl von Freiheit und Abenteuerlust, die den Film über weite Strecken trägt.

Trotz der opulenten Bildgewalt wären im Mittelteil einige Kürzungen wünschenswert gewesen, um den Verlauf der Geschichte einen besseren Fluss zu verleihen und unnötige Längen zu vermeiden. Der Film wagt große Zeitsprünge, die leider nicht alle durch eine eingeblendete Jahreszahl kenntlich gemacht wurden. So bleibt es dem Zuschauer teils selbst überlassen, die zeitliche Einordnung anhand von Dialogen, Erlebnissen und Hinweisen selbst zu vollführen. Dank der Einbeziehung von Ureinwohnern ist stets für Atmosphäre gesorgt. Die vielen Aufeinandertreffen von Urvölkern und zivilisierten Expeditionsmitgliedern liefern zudem ausreichend Spannung und Konfliktmaterial.

Charlie Hunnam („Sons Of Anarchy“) wird als Sonderling und Außenseiter etabliert. Er ist kein Sympathieträger, erscheint aber als entschlossener Abenteurer, dessen Euphorie auf den Zuschauer überspringt. An seiner Seite überzeugt Tom Holland („Spider-Man“) als begeisterungsfähiger Sohn, der die Abenteuerlust in den Genen trägt. Zwischen den zwei Männern wird der Zwist der Familie ausgetragen, die unter der Abwesenheit des Vaters leidet und sich neu formieren muss. Robert Pattinson („Twilight“), kaum erkennbar mit Vollbart, fügt sich gut in die Geschichte ein, auch wenn seine Figur weitestgehend den Rand ausschmückt. „Die versunkene Stadt Z“ ist ein klassischer Abenteuerfilm, der mit fremden Ländern, paradiesischen Gefilden, unerwarteten Momenten und stilisierten Figuren unterhält.

von Sandy Kolbuch

Zum Film

Originaltitel: The Lost City of Z

Land: USA 2016

FSK: 12

Regisseur: James Gray

Darsteller: Charlie Hunnam, Robert Pattinson, Tom Holland, Sienna Miller, Angus MacFadyen u.a.

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