Globale Standards setzen

„Epizentrum für digitale Zerspanung“: TTZ Kaufbeuren hat Alleinstellungsmerkmal

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Nach jetzigem Stand will pro-micron Anfang 2021 in diesem Haus nahe der B 12 seinen Geschäftsbetrieb aufnehmen. Im obersten Stockwerk befindet sich das TTZ für digitale Zerspanung.

Kaufbeuren – Nahe der B12 in der Gottlieb-Daimler-Straße in Kaufbeuren nimmt ein Filetstück auf dem Weg zur Industrie 4.0 deutliche Formen an. In dem Neubau der pro-micron GmbH als Spezialist für drahtlose Sensorik entsteht in einer Kooperation des Unternehmens gemeinsam mit der Hochschule Kempten, der Stadt Kaufbeuren und etlichen Unternehmen aus der Region das Technologie Transfer Zentrum (TTZ) für digitale Zerspanung.

„Kaufbeuren soll als Epizentrum für digitale Zerspanung globale Standards setzen“, sagte Hubertus von Zastrow als Geschäftsführer von pro-micron. Zusammen mit dem Vizepräsidenten der Hochschule Kempten hatte das Unternehmen den Stadtrat zu einer Besichtigung in den zukünftigen Räumen des TTZ zu einem aktuellen Statusbericht eingeladen.

„Uns ist das Technologie Transfer Zentrum für digitale Zerspanung eine Herzensangelegenheit“, begrüßte der Geschäftsführer die anwesenden Stadträte in den noch im Rohbau des Obergeschosses befindlichen Räumen des zukünftigen TTZ, an dessen Mietkosten sich die Stadt beteiligt. Dabei richtete er trotz „bestehender Beschlusslage“ insbesondere an die neuen Stadträte eine Bitte: „Wir möchten, dass Sie eine genauso strategische Begeisterung entwickeln wie wir.“ Das Unternehmen selbst hatte bereits „spike“ – ein Produkt zur integrierten Diagnose- und Prozessüberwachung in Werkzeugmaschinen – an die Berufsschule Kaufbeuren und die IHK-Akademie gespendet, um diese Begeisterung auch bei Auszubildenden zu wecken und nach außen zu tragen.

Künstliche Intelligenz

Sowohl am Produkt „spike“, das Dr. Rainer Wunderlich als technischer Leiter praktisch vorstellte, als auch an einem elektronischen Bratenspieß – „klein, heiß, genau“ und für das gewünschte Bratgut in steuernder Kommunikation mit dem Herd stehend – verdeutlichte von Zastrow, worum es im Kern geht. Ziel ist, zu untersuchen, wie sich die künstliche Intelligenz (KI) für die automatische Fehlererkennung zur Erhöhung von Qualität und Produktivität auf die zukünftige Arbeitswelt auswirkt. Dabei machte der Experte deutlich, dass vom Maschinenbediener über das Prozesscontrolling bis zum Ingenieur weiter „jeder gebraucht“ werde, aber in veränderter Form. Das heißt laut von Zastrow im Klartext: Die zukünftigen Anforderungsprofile steigen in jeder Funktion!

Netzwerke

Prof. Dr.-Ing. Andreas Rupp, Vizepräsident der Hochschule Kempten und Koordinator am Forschungszentrums Allgäu (FZA), skizzierte die „angewandte Forschung und Entwicklung“ als ein Standbein der Hochschule. Das FZA bildet die zentrale Kontaktstelle der Hochschule Kempten für Unternehmen und Einrichtungen der Region. Hier laufen auch die Fäden des seit 2011 bestehenden und vom Freistaat Bayern finanzierten Technologie Netzwerk Allgäu (TNA) zusammen, indem neben dem TTZ in Kaufbeuren auch in Kempten, Memmingen und Sonthofen weitere TTZ mit jeweils anderen Forschungsschwerpunkten etabliert sind und betreut werden. Ziel dieser Kooperation ist es, die heimische Wirtschaft technologisch zu unterstützen, Arbeitsplätze zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit der Allgäuer Unternehmen zu verbessern.

Technologieführer

Die pro-micron GmbH ist noch bis zum Jahresende im Innovapark angesiedelt. Nach dem Spatenstich für den Neubau des Unternehmens im November letzten Jahres mit Kosten von mehr als sechs Millionen Euro soll nach dem Umzug Anfang 2021 der Startschuss in den neuen Räumen fallen. Dann wird auch das TTZ unter Leitung von zwei an der Hochschule Kempten verankerten Forschungsprofessoren mit am Ende etwa 20 Mitarbeitern seine Arbeit aufnehmen. Auch die bayerische Staatsregierung unterstützt mit erheblichen Fördermitteln das Vorhaben.

Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren als einer der Technologieführer im Bereich der drahtlosen Sensorik für Überwachungs- und Steuerungsaufgaben etabliert.Die innovativen, drahtlosen Sensorprodukte werden bereits jetzt von namhaften Kunden auf dem Weg in das Zeitalter von Industrie 4.0 genutzt. Außerdem werden Sensorsysteme für den Anlagen- und Maschinenbau, die Lebensmittelindustrie sowie die Luft- und Raumfahrt entwickelt und gefertigt.

von Wolfgang Becker

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