Vorbild Kopenhagen

Kaufbeurer Rad- und Fußverkehrskonzept: Vorbild Kopenhagen

+
Erste Auswertung: OB Stefan Bosse (v. li.) und Bau-und Umweltreferent Helge Carl im Gespräch mit Angelika Reinartz, Projektleiterin beim Ingenieurbüro BSV in Aachen.

Kaufbeuren – Im März dieses Jahres hatte der Kaufbeurer Bauausschuss beschlossen, ein gesamtstädtisches Rad- und Fußverkehrskonzept in Auftrag gegeben. Im Rahmen eines Bürgerworkshops am vergangenen Montag wurden nun die ersten Ergebnisse der Arbeit daran vorgestellt. Die Besucher der Veranstaltung erhielten dabei die Möglichkeit, ihre Anregungen und Vorschläge einzubringen.

Das Konzept soll die Grundlage für ein flächendeckend geschlossenes, sicheres, bedarfs- und funktionsgerechtes Wegenetz mit möglichst durchgängigen Lösungen der Verkehrsleitung bilden.

Die Erarbeitung des Konzeptes wurde nach einer Ausschreibung an das BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier in Aachen vergeben. Dabei handelt es sich um dieselbe Planungsfirma, die Kaufbeu­ren bereits erfolgreich bei der Analyse von Unfallschwerpunkten in der Stadt beraten hatte. Nach Umsetzung der damaligen Vorschläge verbesserte sich laut BSV die Schadensstatistik der in Kaufbeuren zugelassenen Fahrzeuge deutlich.

Im Rahmen des Bürgerworkshops erläuterte nun BSV-Projektleiterin Angelika Reinartz die Herangehensweise an diese Aufgabe und stellte erste Ergebnisse vor. Ausgangspunkt ist dabei das bereits im ISEK, dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept von Kaufbeuren aus dem Jahr 2017, festgeschriebene Ziel: Es soll in der gesamten Stadt in Zukunft mehr Fußgänger- und Radfahrerverkehr geben, bei weniger Autoverkehr. Kaufbeuren soll eine Stadt mit gesünderer Umwelt, mit weniger Belastungen durch Lärm und Abgase werden, welche die Bürger und Besucher auch subjektiv als sicher und attraktiv empfinden.

„Die ersten Aktivitäten seit Mai dieses Jahres“, so erklärte Projektleiterin Reinartz, „umfassten sowohl das Sammeln von Informationen, als auch die Formulierung konkreter Arbeitsbereiche. So entstanden im Rahmen einer Bestandsanalyse Netzpläne des Stadtverkehrs. Erfasst wurden dabei etwa die Breiten der vorhandenen Fahrbahnen, Geh- und Radwege, aber auch Überquerungshilfen und Ampeln, Steigungen, Einrichtungen zum Abstellen von Fahrrädern, Berührungspunkte mit dem ÖPNV und der Zustand der Straßendecken, also etwa vorhandene Schlaglöcher und Straßenschäden.“ Als zusätzliche Informationsquellen nannte die Projektleiterin die Auswertung des Unfallgeschehens und einen bereits 2014 erarbeiteten Radwegeplan der Kaufbeurer Schulen.

Wichtig war auch der Beitrag, den eine Projektgruppe des Kaufbeurer Jakob-Bruckner-Gymnasiums leistete. Die Schüler hielten im Workshop dazu einen Vortrag und erläuterten, welche Orte, Situationen und Regelungen in der Stadt sie als ungünstig für den Rad- und Fußgängerverkehr erkannt haben. Daraus leiteten sie dann ab, welche Veränderungen sie als notwendig erachten, damit Kaufbeuren zu einer „nachhaltigen Fahrradstadt nach Vorbildern wie Kopenhagen oder Ferrara wird“.

Probleme und Lösungen

Dann waren die etwa 100 Besucher des Workshops an der Reihe. An acht Stationen mit Informations-Karten , die verschiedene Aspekte der notwendigen Veränderungen illustrierten, diskutierten sie mit Moderatoren aus der Stadtverwaltung, vom Ingenieurbüro BSV und der Polizei Kaufbeuren Probleme und möglich Lösungen. Diese Erkenntnisse wurden dann von den Moderatoren zusammengefasst und allen Teilnehmern kurz erläutert. Dabei zeigte sich, dass es sehr wohl einige Schwerpunkte für Verbesserungen gibt, etwa die Spittelmühlkreuzung, die Innere und Äußere Buchleuthe, die Mauerstettener Straße oder der als „Elefantenklo“ bekannte Kreisverkehr an der Bahnhofstraße/Hirschzeller Straße.

Wie geht es nun weiter? Wie Angelika Reinartz erläuterte, wird das Ingenieurbüro eine Angebotsplanung vorlegen. Danach stehen dann Entscheidungen an, welche die Stadt treffen muss. „Wenn ich den Radfahrern etwas gebe, beispielsweise einen breiteren Fahrstreifen, so kann das am Ende den Parkraum für Autos an der Straße einschränken“, machte sie dazu klar. „Und die schließlich umzusetzenden Verbesserungen werden sicherlich auch Geld kosten“.

Diese Frage hatten die Gymnasiasten in ihrem Vortrag ebenfalls bereist angeschnitten und informiert, dass etwa die Fahrrad-Stadt Kopenhagen 36 Euro pro Einwohner und Jahr für diese Zwecke aufwendet. Im italienischen Ferrara, das die Schüler im Rahmen des Projektes besucht hatten, sind es acht Euro – und in deutschen Städten im Mittel zwei Euro.

Oberbürgermeister Stefan Bosse wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass hier eine sehr sorgfältige Abwägung notwendig wird. „Wir wenden für Tiefbau und Straßenerhalt bis zu elf Millionen Euro jährlich auf. Und dennoch ist der Straßenzustand nach wie vor ein Riesenthema in Kaufbeuren“, erklärte er und fügte hinzu: „Das Konzept muss natürlich am Ende vom Stadtrat beschlossen und finanziell unterlegt werden – wenn notwendig auch über zusätzliche Kreditaufnahmen. Aber wir sollten ,quick wins‘ anstreben, also kleine, rasche Erfolge, die den politischen Prozess unterstützen“.

Für die systematische Erarbeitung und Umsetzung des Projektes veranschlagt der OB einen Zeitbedarf von fünf bis sechs Jahren. Im Frühjahr 2020 wird es noch einen zweiten Workshop geben, um konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Rad- und Fußwege zu diskutieren. Und vielleicht ergibt sich dann auch, dass der Radschnellweg durch die ganze Stadt entlang des Wertachtals realisierbar ist. Stefan Bosse jedenfalls erklärte, dass ihn das „ungemein freuen würde“.

von Ingo Busch

Auch interessant

Meistgelesen

Antenne Bayern Moderatorin spielt Esel auf dem Kaufbeurer Weihnachtsmarkt
Antenne Bayern Moderatorin spielt Esel auf dem Kaufbeurer Weihnachtsmarkt
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Babys der Woche im Klinikum Kaufbeuren
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Gewinnen Sie 6 Tage zu zweit im 4*S Verwöhnhotel am Achensee
Steinmetz Rudolph aus Obergünzburg erhält Schweizer Qualitätszeichen
Steinmetz Rudolph aus Obergünzburg erhält Schweizer Qualitätszeichen

Kommentare