Kinokritik: "The Danish Girl"

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Hin- und hergerissen zwischen den Emotionen.

Wer bin ich wirklich und wer möchte ich sein? Dies sind Fragen, die ein jeder für sich selbst beantworten muss. Manch einer versteckt sein Leben lang seine wahre Natur oder verstellt sich zum Wohle seiner Umwelt. Doch nur, wer sein wahres Ich akzeptiert und ausleben kann und darf, dem sei das Glück hold.

Dass dies nicht immer einfach ist und meist ein schmerzhafter Prozess vorangeht, zeigt Tom Hoopers einfühlsames Drama „The Danish Girl“.

Inhalt 

1926 lebt das Künstlerpaar Einar (Eddie Redmayne) und Gerda Wegener (Alicia Vikander) ihren Traum. Während Einar bereits wegen seiner Landschaftsmalerei sehr geschätzt wird, versucht sich die talentierte Porträtistin mit Zeichnungen prominenter Persönlichkeiten einen Namen zu machen. Als sie eines Tages einen Auftrag fertig stellen muss, übernimmt Einar die Aufgabe des erkrankten Models: Er posiert für seine Frau als Ballerina. Während er in Pose sitzt und den seidigen Stoff des vorgehaltenen Kleides spürt, regt sich etwas in ihm. Einar gefällt sich in der Vorstellung, eine Frau zu sein.

Aus Spaß besucht er kurz darauf eine Ausstellung in Frauenkleidern. Als Gerda ihn als ihre Cousine Lili vorstellt, wird ein neuer Mensch geboren. Zusehends verliebt sich Einar in sein neues Ich, das die Frau in seinem Inneren immer mehr an die Oberfläche drängt. Nach anfänglichen Verwirrungen erkennt der Maler, dass Lili der Ausdruck seines wahren Selbst ist. Mit der Unterstützung von Gerda wandelt sich Einar zur Frau. Gemeinsam verlassen sie Kopenhagen und ziehen nach Paris, wo Gerda endlich den ersehnten Ruhm für ihre Arbeit erntet und Einar die Entscheidung seines Lebens trifft.

Rezension 

Basierend auf dem gleichnamigen historischen Roman von David Ebershoff hat Tom Hooper ein tiefgreifendes Drama inszeniert, das die Transgender-Thematik einfühlsamer denn je aufgreift. Nachdem Eddie Redmayne bereits im vergangenen Jahr mit dem Oscar für seine Leistung als Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ ausgezeichnet wurde, gebührt ihm für seine Darstellung als transsexueller Maler die gleiche Ehrung.

Mit größtem Feingefühl nähert sich der Darsteller seiner weiblichen Seite an, die er zuerst aus Furcht ablehnt und zu verdrängen versucht. Erst allmählich erlaubt er sich selbst, seine weibliche Seite zu ergründen. Ganz vorsichtig ergründet er sein wahres Ich, das all die Jahre tief in ihm verborgen war. Redmayne nimmt den Zuschauer mit auf eine ergreifende Selbsterfahrung, die zu Tränen rührt.

Wenn sich der verunsicherte Maler hilfesuchend an die Ärzte Dänemarks wendet, die ihn mit kuriosen Methoden „zu heilen“ versuchen, ist dies erschreckend und schmerzhaft anzusehen. Nur Gerda erweist sich als wahre Unterstützung für ihren Mann, auch wenn für sie selbst die Veränderungen eine Qual sind.

Trotz großer Gefühle verliert sich der Film nicht in Sentimentalitäten, sondern weckt die Hoffnung auf ein Happy End. Gekonnt wird das Leben des Paares in Kopenhagen dem Neubeginn in Paris gegenübergestellt. Der Umzug kommt einer Befreiung gleich, bringt jedoch anfänglich nicht das erwartete Ziel. Dass sich die „Gefangenschaft“ im fremden Körper nicht durch einen Kleiderwechsel beenden lässt, wird deutlich bebildert.

Intensive Blickwechsel, Mimik und Gestik transportieren den ganzen Schmerz der Hauptfigur greifbar für das Publikum. Mit Matthias Schoenaerts („Die Gärtnerin von Versailles“) in der Rolle des Kunsthändlers Hans wird ein Bogen in Einars Vergangenheit gesponnen, der dem Zuschauer den langen Leidensprozess der Hauptfigur vor Augen führt.

Die anstehende Geschlechtsumwandlung ist der scheinbar einzige Ausweg, dem Leiden ein Ende zu setzen. Die Entfaltung der Persönlichkeit nimmt zusehends Gestalt an. Schweren Herzens unterstützt Gerda, zauberhaft und mutig gespielt von Alicia Vikander („Ex Machina“), die Entscheidungen ihres Mannes in allen Distanzen. Ihre Liebe wird zum Sinnbild der Hoffnung und der Akzeptanz, die sich über alle Grenzen hinwegzusetzen vermag.

„The Danish Girl“ ist ein nahezu malerisch-verträumter Film über ein berührendes Schicksal, für dessen Verkörperung Eddie Red­mayne einen Oscar verdient.

von Sandy Kolbuch

Zum Film:

Originaltitel: The Danish Girl

Land: USA 2015

FSK: 6

Regisseur: Tom Hooper

Darsteller: Eddie Redmayne, Alicia Vikander, Sebastian Koch, Amber Heard, Matthias Schoenaerts, Ben Whishaw

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