Rück- und Ausblick

Erinnerungen an die Zukunft? Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren zieht Bilanz

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Bilanzpressekonferenz zu Corona Zeiten: Vorstand Angelo Picierro (li.), Vorstandsvorsitzender Franz Endhardt (re.) und dessen designierter Nachfolger Tobias Streifinger (auf dem Bildschirm, aus seinem Homeoffice zugeschaltet).

Kaufbeuren– Die Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren zeigte sich bei ihrer Bilanzpressekonferenz in der vergangenen Woche zufrieden mit den Ergebnissen im Jahr 2019. Das Umfeld der Veranstaltung demonstrierte jedoch, dass es hier um eine Periode ging, die schon so richtig Vergangenheit ist. Aber kommt so eine Zeit noch einmal wieder? War es eine Erinnerung an die Zukunft – oder ein endgültiger Abschied? Diese Frage wird auch den neuen Vorstand zum Ende des Jahres und darüber hinaus in Atem halten.

Als die Zahlen und Informationen für diese Bilanz zusammengestellt wurden, konnte sich noch niemand vorstellen, wie ihre Präsentation aussehen würde: Ein Vorstandsmitglied war per Monitor zugeschaltet, die Presse und die Bankmitarbeiter saßen im Sicherheitsabstand voneinander. Corona-Zeiten eben. Dabei war 2019 noch so schön gewesen.

„Die Sparkasse ist insgesamt zufrieden mit den Ergebnissen“, informierte der Vorstandsvorsitzende Franz Endhardt. Und Vertriebsvorstand Angelo Picierro fügte hinzu: „Wir stellen fest, dass unsere Kunden den umfassenden Blick unseres ganzheitlichen Beratungsansatzes zu schätzen wissen. Auch der Erste Platz im unabhängigen Bankentest 2019 für unsere Beratungsqualität hat uns das gezeigt.“

Wie wichtig dieser Erfolg ist, unterstrich Picierro dann mit Bezug auf die aktuelle Situation: „In Zeiten der Ausgangsbeschränkungen und des verstärkten Gesundheitsschutzes werden kontaktloses und mobiles Bezahlen zu sehr wichtigen Themen. Wir sprechen Kunden jetzt gezielt auf Möglichkeiten beim Online-Banking an – haben sie damit doch jederzeit den Überblick über ihre Konten und können den Zahlungsverkehr von zuhause aus erledigen.“

Die Schwerpunkte im Anlagenbereich der Sparkasse bildeten 2019 der Wertpapier- und der Immobilienmarkt. In den von ihr verwalteten 8700 Depots erhöhte sich der Gesamtbestand an Wertpapieren auf 384 Millionen Euro – allerdings auch infolge des Aktien-Booms in 2019. Erfolgreich verlief auch das Immobiliengeschäft, hier wurden 52 Kaufobjekte mit einem Gesamtwert von 13,4 Millionen Euro vermittelt. Das erlaubte der Sparkasse, ihr regionales Engagement auszubauen und 132 Vereine, Institutionen und gemeinnützige Einrichtungen mit insgesamt 234.000 Euro zu unterstützen. Ebenfalls zu den Erfolgen zählt eine der höchsten Ausbildungsquoten in Bayern von fast elf Prozent, die bei steigenden Bewerberzahlen die Attraktivität der Sparkasse als Ausbildungsbetrieb unterstreicht.

Geänderte Bedingungen

Soweit zur Vergangenheit. In der Gegenwart gilt erst einmal #gemeinsamdurch: Inzwischen bietet die Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren wieder den vollen Kundenservice und persönliche Beratung zu den gewohnten Öffnungszeiten – natürlich unter Einhaltung der geltenden Vorschriften. Dazu gehört etwa, dass sich höchstens drei Kunden gleichzeitig im Schalterraum der Geschäftsstelle aufhalten dürfen, dass nur Serviceschalter und Beratungszimmer mit den dafür vorgesehenen Sicherheitsscheiben genutzt werden, und zwar unter Beachtung der aktuellen behördlichen Anweisungen zum Mund- und Nasenschutz sowie zum Mindestabstand von 1,5 Meter. Die Sparkasse beschäftigt derzeit, wie Franz Endhardt erklärte, zudem die Hälfte des Teams in als Vorsichtsmaßnahme in Heimarbeit.

Unter diesen Bedingungen gelang es, den riesigen zusätzlichen Arbeitsumfang zu stemmen. Das betraf die Vermittlung von Förderkrediten, wie auch die Aussetzung von Zins- und Tilgungsleistungen bei Geschäfts- und Privatkunden. Dabei lag der Schwerpunkt auf den direkten Hilfen der Sparkasse: Bis zum 23. April 2020 wurden 57 Förderdarlehen und Kurzzeithilfen vermittelt, jedoch bei 275 Darlehen Tilgungsaussetzung gewährt.

Und die Zukunft? Für Vorstandsmitglied Tobias Streifinger beginnt sie im Keller seines Hauses, wo er sein Homeoffice eingerichtet hat. Von hier aus gab er eine erste Einschätzung der Lage und einen Ausblick auf die Zukunft. „Die ,kalte Dusche‘, die wirtschaftliche Rezession infolge des Lockdowns, kommt erst noch. Wir richten unser Kreditgeschäft jetzt darauf ein und sind der Ansicht, dass uns die Unterstützung der Unternehmen unter sehr rauen Bedingungen noch Jahre beschäftigen wird“, so seine Prognose. „Finanzkrisen der Vergangenheit betrafen im Grunde nur den Bankensektor. Aber diese Krise kommt jetzt in der Realwirtschaft an. Allerdings werden wir nicht in Panik geraten und auch nicht alles und jedes in unseren Abläufen umkrempeln. Wir sind sehr gut mit Eigenkapital ausgestattet, unsere Serviceprozesse sind effektiv und flexibel, und auch bei der Digitalisierung sind wir bereits vorangekommen. Gerade in diesem Bereich hat es auch seine Vorteile, wenn die Krise uns aus der Komfortzone herausholt“, fügt er mit einer weiträumigen Geste auf sein Kellerbüro hinzu.

Dieser Optimismus steht ihm gut an, wird Tobias Streifinger doch nach der Pensionierung des Vorstandsvorsitzenden Franz Endhardt ab Oktober 2020 dessen Posten übernehmen. Gemeinsam mit Angelo Picierro bildet er dann wieder einen Zwei-Personen-Vorstand, der das Geldinstitut durch wahrscheinlich sehr harte Zeiten steuern muss.

von Ingo Busch

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