Erneuerung des Pestgelübdes

Festgottesdienst im Passionsspielhaus

Das Pestgelübde erneuert. Alois Porzelius (von links) Pia Fischer, Lucia Kellner und Jakob Kusterer. Rechts hinten Pfarrer Jan Forma.
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Das Pestgelübde erneuert. Alois Porzelius (von links) Pia Fischer, Lucia Kellner und Jakob Kusterer. Rechts hinten Pfarrer Jan Forma.
  • VonJohannes Jais
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Waal – Vorhang auf im Passionsspielhaus! Nicht für eine Theaterpremiere, sondern für einen besonderen Gottesdienst zum Jubiläum „400 Jahre Passionsspiele Waal“ mit Erneuerung des Pestgelübdes. Außerdem ist das Heimkehrerkreuz, das nach der Renovierung wieder an der Westfassade des großen Theaters hängt, gesegnet worden.

Vier Darsteller waren es, die nach der Messe stellvertretend für die gesamte Schar der Mitwirkenden gelobten, das Spiel vom Leben und Sterben Jesu Christi weiterhin in Wort und Bild darzustellen. Die Sätze zur Erneuerung des Pestgelübdes trugen Alois Porzelius, Pia Fischer, Lucia Kellner und Jakob Kusterer vor.

Wenn schon wegen Corona die für 2021 geplante Passion verschoben werden musste –vorgesehen sind nun das Frühjahr und der Sommer 2023 – so sollte das Jubiläum 400 Jahre Passionsspiele Waal (wir berichteten) nicht sang- und klanglos vorübergehen. Deswegen wurde unter strengen Corona-Vorgaben ein Festgottesdienst in der Spielstätte abgehalten.

Pfarrer Jan Forma von der Pfarreiengemeinschaft Waal/Jengen sollte die Messe zusammen mit dem emeritierten Weihbischof Josef Grünwald aus Augsburg zelebrieren. Doch ersterer musste den angekündigten „Hauptdarsteller“ kurzfristig entschuldigen: Weihbischof Grünwald (85) konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Waal kommen.

Impuls zur Predigt

Diakon Hermann Neuner verlas die Gedanken, die Grünwald für die Predigt vorbereitet hatte. An wen außer an den Gekreuzigten hätten sich denn die Menschen Anfang des 17. Jahrhunderts, als der Dreißigjährige Krieg wütete und die Pest Millionen Kinder und Erwachsene dahinraffte, denn wenden sollen, so der Impuls des emeritierten Weihbischofs aus Augsburg. Heutzutage habe man das Kreuz bei vielen Gelegenheiten vor Augen – sei es bei kirchlichen oder weltlichen Anlässen. Der Gebrauch sei mitunter gar inflationär.

Das Kreuz, so trug Diakon Neuner die Gedanken des Würdenträgers vor, stünde für die Liebe und für die Treue. Auch wolle es Halt geben, denn „manches Ereignis kann uns aus der Bahn werfen“. Das Heimkehrerkreuz, das Kriegsteilnehmer aus Waal Anfang der 60-er Jahre gestiftet hatten, sei ein Symbol fürs Durchhalten. Die von Grünwald vorbereitete Predigt schloss mit den Worten „Um das Kreuz kommt keiner von uns herum. Das kann nicht weggeleugnet werden.“

25 Sängerinnen und fünf Bläser gestalteten unter dem Dirigat von Dietmar Ledel die Feier mit der Turmbläser-Messe von Fridolin Limbacher, in die alle Besucher im Theatersaal miteinstimmen konnten. Nach den Schlussworten von Pfarrer Forma, der in Corona-Zeiten ähnlich wie vor 400 Jahren zur Zeit der Pest zum Gottvertrauen ermunterte, ging es in die Verlängerung. Vier Redner wandten sich an die hundert Gäste.

Werner Rahn, Vorsitzender der Passionsspielgemeinschaft Waal, ließ wesentliche Ereignisse aus den 400 Jahren Revue passieren. Vor knapp 200 Jahren wurde die Passion erstmals in einem Theater unter Dach aufgeführt. 1845 brannte das Gebäude ab. Ende des 19. Jahrhunderts gab es das erste Spiel in einem Holzbau dargeboten. Anfang der 1960-er Jahre entstand die jetzige Spielstätte mit ihren knapp 600 Plätzen, die durch Umbauten und Foyer erweitert wurde. Was die Passionsspielgemeinschaft ganz besonders auszeichne, sei der Zusammenhalt.

Kein besserer Ort

Hermann Neuner von der Soldaten- und Kriegerkameradschaft Waal schilderte, das dunkle, vier Meter große Heimkehrerkreuz an der Westfassade musste letztes Jahr nach einem Sturm abgenommen werden. Es sei vom Schreiner und von Helfern ausgebessert worden. Dann habe man es mit Kupfer ummantelt. Es gäbe keinen besseren Platz für das Heimkehrerkreuz als dort, wo das Spiel vom Leiden und Sterben Jesu Christi dargeboten wird.

Geschlossenheit

Der frühere Minister Dr. Thomas Goppel und oftmalige Schirmherr der Passionsspiele sah im Kreuz ein Zeichen für das Gleichgewicht. Goppel sprach die Anerkennung für den Durchhaltewillen der Darsteller aus und ermunterte dazu, die Geschlossenheit beizubehalten.

Bürgermeister Robert Protschka wertete die Jubiläumsveranstaltung gleichsam als Startschuss für das Passionsspiel 2023 in Waal. Dafür wird Florian Werner aus Landsberg einen eigenen Text zusammenstellen, der sich von der Miller-Fassung, die zuletzt 2015 auf die Bühne kam, deutlich unterscheiden soll. Im Herbst des nächsten Jahres sollen die Proben aufgenommen werden.

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